Untersuchung von Neymar-Transfer  Barça-Präsident Rosell tritt zurück

Der FC Barcelona hat einen neuen Präsidenten. Josep Maria Bartomeu übernimmt das Amt von Sandro Rosell. Der musste die Konsequenzen aus dem Wirbel um die Verpflichtung des brasilianischen Stars Neymar ziehen - und erklärte seinen Rücktritt.

Barcelona-Präsident Sandro Rosell: "57,1 Millionen Euro - und nicht mehr"
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Barcelona-Präsident Sandro Rosell: "57,1 Millionen Euro - und nicht mehr"


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Hamburg - Sandro Rosell bleibt dabei: "Neymar hat 57,1 Millionen Euro gekostet und nicht mehr." Doch der Präsident des FC Barcelona soll für den Wechsel des Brasilianers vom FC Santos in Wirklichkeit rund 95 Millionen Euro ausgegeben, dies aber nicht offiziell angegeben haben. Das hatte zunächst die Zeitung "El Mundo" geschrieben, dann beschäftigte der Transfer auch die spanische Justiz - und hat jetzt zum Rücktritt Rosells von seinem Präsidentenamt bei den Katalanen geführt.

"Meine Zeit hier ist zu Ende", sagte Rosell am Abend in einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Die Verpflichtung von Neymar "war korrekt", wiederholte Rosell: "Ich will mit meinem Rücktritt verhindern, dass das Ansehen des Vereins durch ungerechtfertigte Angriffe geschädigt wird."

Der 49 Jahre alte Alexandre Rosell i Feliu, so sein vollständiger Name, hatte das Amt seit Juli 2010 inne. Seitdem hatte der Verein unter anderem die Champions League, den spanischen Pokal und zwei Meisterschaftstitel gewonnen. Rosells Nachfolger steht bereits fest: Der bisherige Vizepräsident Josep Maria Bartomeu wird zunächst bis 2016 die Geschicke des Vereins leiten, so wurde es auf der Pressekonferenz verkündet. (Hier die Rede auf Englisch im Wortlaut)

Rosell wird Unterschlagung zur Last gelegt

Der Madrider Ermittlungsrichter Pablo Ruz hatte am Mittwoch das Klagegesuch des Barça-Mitglieds Jordi Cases gegen den Präsidenten zugelassen und Ermittlungen eingeleitet. Cases hatte dem Clubchef Unterschlagung zur Last gelegt. Nach Ansicht des Juristen besteht der Verdacht, dass bei der Verpflichtung Neymars möglicherweise mehr Geld geflossen ist als offiziell angegeben. Rosell hatte Ruz daraufhin aufgefordert, ihn vorzuladen. Er werde dann Auskunft erteilen.

Auf einer Pressekonferenz am Montag war Rosell zum Neymar-Transfer befragt worden und hatte genervt reagiert ("Nun reicht es aber"). Vereinssprecher Toni Freixa hatte weitere Fragen zu dem Thema nicht zugelassen. Die Katalanen hatten die Verpflichtung des brasilianischen Jungstars im vorigen Sommer als einen Erfolg ihres Verhandlungsgeschicks gefeiert. Dem Kläger Cases warf die Clubführung vor, es nur darauf abgesehen zu haben, dem Ansehen des Vereins und des Präsidenten zu schaden.

Genau dies wies Cases, ein Apotheker aus der Ortschaft Olesa de Montserrat, aber zurück: "Ich werfe Rosell nicht vor, Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben." Ihm gehe es allein darum, dass die Mitglieder die Wahrheit erführen: "Wenn der Club mir gesagt hätte, dass die Zahlungen notwendig waren, weil die Neymar-Verpflichtung sonst gescheitert wäre, hätte ich mich damit zufrieden gegeben."

Der Ermittlungsrichter Ruz sagte, eine Vernehmung Rosells sei "nicht vordringlich". Er will zuerst beim Weltverband Fifa die Unterlagen zum Neymar-Transfer anfordern und sich auch die Verträge der Managementfirma N&N des Brasilianers ansehen. Richter Ruz ist in Spanien eine Berühmtheit. Er führt auch die Ermittlungen in der großen Korruptionsaffäre um angebliche Schwarzgeld-Zahlungen der regierenden Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy.

luk/dpa/sid

insgesamt 42 Beiträge
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Traffical 23.01.2014
1. na sauber
jetzt auch barca... wird immer schmuddeliger der Profifussball.
yackermann97 23.01.2014
2. warten wir doch einfach mal ab...
mich nervt diese vorverurteilung (z.B. Fall Hoeneß, Prinzip Kachelmann) extrem!!! Natürlich kann es sein, dass Barca betrogen hat, aber es gibt etwas namens Unschuldsvermutung, bevor der Beweis erbracht wurde...
Veterano48 23.01.2014
3. die spanische Fußballiga(mafia)
wird noch schlimmer enden als die Italiener. Valencia CF ist praktisch Pleite mit über 300mill € Miesen. Real und Barça schweben in noch höheren Regionen. Bisher haben die Regiofürsten sich mit den Vereinen schmücken wollen und sie geschützt und reichlich mit Steuergeldern unterstützt. Damit ist bald Schluss. Daran wird auch Herr Rajoy nichts ändern können. Die UEFA sollte nicht nur teilnamsloser Zuschauer sein.
Boesor 23.01.2014
4.
Ne Aufzählung der Steuergelder und Zuwendungen des span. Staates an Barca und Real wäre mal schön. Das wird hier so oft runter gebetet, dass kann doch mal einer konkretisieren
apfeldroid 23.01.2014
5.
Wo ist das Problem, wieso können die einfach nicht sagen: wir haben 100Mio bezahlt, gibt es dafür eine plausible Erklärung? Zahlt man MwSt auf Transfers? Übrigens dieser Neyar weder 50 noch 100 Mio wert, bisher nichts gezeigt
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