Adama Traoré vor Wechsel zum FC Barcelona Er ölt sich die Arme ein, damit die Gegner ihn nicht halten können

Adama Traoré soll in Barcelona Ousmane Dembélé ersetzen. Für Abwehrspieler ist der schnelle Dribbler ein Albtraum, nur macht er aus seinen Fähigkeiten zu wenig.
Alles glänzt: Adama Traoré

Alles glänzt: Adama Traoré

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Stephen Pond / Getty Images

Da ist diese Sache mit dem Öl. Wer zu Beginn einer Partie der Wolverhampton Wanderers auf Adama Traoré und dessen Arme achtet, erkennt einen ungewöhnlichen Glanz. Weil die Arme ausgesprochen muskelbepackt sind, erinnert das Bild mehr an einen Bodybuilding-Wettbewerb denn an ein Fußballspiel. Vergangene Saison erklärte Traorés damaliger Trainer, was es mit dem Glanz auf sich hat.

»Es ist ein Trick«, sagte Nuno Espírito Santo. Das Babyöl, mit dem Traorés Arme eingerieben werden, habe demnach das Ziel, dass sich gegnerische Verteidiger nicht an ihm festhalten können. Denn dieses Zerren wurde zum Problem, nicht nur für die Offensive des Premier-League-Klubs, sondern auch für Traorés Gesundheit.

Traoré im Einsatz gegen Brentford: Nicht zu halten

Traoré im Einsatz gegen Brentford: Nicht zu halten

Foto: HANNAH MCKAY / REUTERS

Traoré gilt als einer der schnellsten Spieler Europas, er hat die Statur eines Football-Runningbacks, und er kann dribbeln wie kaum ein anderer Fußballer. Für Abwehrspieler ist das eine albtraumhafte Kombination. Er zischt an ihnen vorbei, sie wollen ihn aufhalten, jedes Mittel ist recht, also reißen sie an seinen Armen. Mehrfach hat das zu schmerzhaften Stürzen geführt, gleich viermal schon musste der 26 Jahre alte Spanier aufgrund von Schulterverletzungen aussetzen. Dann kam das Babyöl. »Eine fantastische Idee der medizinischen Abteilung«, nannte das Trainer Espírito Santo.

Es sieht danach aus, als würden künftig nicht mehr die Verteidiger der Premier League an ihm abglitschen, sondern die der spanischen La Liga. Traoré steht vor einem Wechsel zum FC Barcelona, er soll zunächst ausgeliehen werden, für rund 35 Millionen Euro sollen die Katalanen ihn später fest verpflichten können. Noch am Freitag soll der Deal verkündet werden, so berichten es verschiedene Medien. In Barcelona dürfte er den in Ungnade gefallenen Ousmane Dembélé ersetzen sollen.

»Er ist teilweise einfach nicht zu verteidigen, es ist unglaublich«

Adama Traoré ist ein Fußballer wie kein anderer auf Topniveau. Er ist eine Ausnahmeerscheinung. Es ist keine Übertreibung, zu behaupten, Traoré sei der beste Dribbler der Welt. Die Statistikseite fbref.com, die Daten für Europas fünf Topligen und den Europapokal sammelt, weist ihn als erfolgreichsten Dribbler ihrer Datenbank  aus. Wer Traoré schon einmal hat spielen sehen, bezweifelt das nicht. Seine Wucht, seine Ballbehandlung selbst im Sprint, seine Agilität, all das wirkt, als stamme er aus dem »Fifa«-Videospiel.

»Er ist teilweise einfach nicht zu verteidigen, es ist unglaublich«, sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp über ihn. »Er ist ein Motorrad. Niemand kann mit seinem Tempo umgehen«, sagte Pep Guardiola von Manchester City.

Traorés Tragik liegt darin, dass er aus dieser einmaligen Konstellation an Fähigkeiten kaum Tore oder Vorlagen generiert.

Ein Tor und keine Vorlage in 23 Einsätzen

Vor rund zwei Wochen erzielte er gegen Southampton einen Treffer, es war sein erster in der laufenden Saison. Ein Tor und keine Vorlage in insgesamt 23 Einsätzen, das ist gemessen an seinen Qualitäten eine dürftige Quote. Gelinde gesagt.

Selbst gegen die Größten der Liga, gegen Pep Guardiolas Manchester City, dribbelt sich Traoré reihenweise durch die Verteidigerreihen, um schließlich, am Strafraum angelangt, die falsche Entscheidung zu treffen. Als würde ein Tennisprofi sein Gegenüber vor sich her spielen, um dann immer wieder den Matchball zu vergeben.

Hinzu kommt, dass Traorés Spiel ganz aufs Dribbeln ausgerichtet ist. Er beteiligt sich kaum an Passstafetten, er ist nicht gerade defensivstark, er schießt nicht einmal oft aufs Tor. Man kann das Inselbegabung nennen. Aber Traorés Begabung, das Eins-gegen-eins, ist im Fußball enorm wichtig, gerade gegen gut organisierte Defensivreihen. Ein guter Dribbler kann eine gesamte Abwehr aus der Ordnung bringen, und Traoré zählt zu den besten.

Ob der Transfer optimal durchdacht ist, darf man anzweifeln

Beim FC Barcelona dürften sie darauf bauen, dass aus seinen Fähigkeiten mehr Tore resultieren, wenn die Mitspieler um ihn herum bessere sind. Dem Kader fehlt es zudem an Tempo im Angriff, Traoré bringt das mit, er wird mit seinen Läufen Platz für andere schaffen.

Ob der Transfer, so er denn perfekt wird, optimal durchdacht ist, daran darf man aber zweifeln, wie so oft bei Barcelona-Transfers. Trainer Xavi setzte zuletzt auf ein 4-3-3-System, Traoré würde darin rechtsaußen spielen, genau wie zuletzt Dembélé. Der Franzose aber wirkt insgesamt Barça-tauglicher als Traoré, er passt präziser, ist generell mehr am Spiel beteiligt und generiert mehr Abschlüsse, weil es ihn häufiger in den Strafraum zieht. Dort taucht Traoré vergleichsweise selten auf.

Der Transfer wäre auch ein Beispiel dafür, wie erratisch die Katalanen manchmal vorgehen. Für Traoré wäre es eine Heimkehr, er wurde in La Masía ausgebildet, wechselte als Achtjähriger in Barcelonas Jugendakademie. Ein Spiel absolvierte er für die Profis, dann entschied man offenbar, dass es nichts wird mit ihm und dem Team. Traoré wurde für zehn Millionen Euro nach England verkauft. Nun kommt er womöglich für das Dreieinhalbfache zurück zu einem Klub, der schwer verschuldet ist, weil er über Jahre hinweg schlecht wirtschaftete. Adama Traoré wäre dafür ein weiteres Beispiel.