Verdacht auf Schwarzarbeit FC Bayern bestätigt Razzia gegen Ordnungskräfte nach Fenerbahce-Spiel

Im Stadion des FC Bayern ist das Sicherheitspersonal kontrolliert worden. Bei zahlreichen Personen wurden Gesetzesverstöße festgestellt, einige entzogen sich der Prüfung. Der Klub verwies auf die Dienstleister.

Das Stadion des FC Bayern in München
Overstreet/ imago images

Das Stadion des FC Bayern in München


Am Dienstagabend ist es nach dem Testspiel zwischen Bayern München und Fenerbahce Istanbul (6:1) in der Allianz-Arena zu einer Razzia gegen den Ordnungsdienst gekommen. Der deutsche Fußball-Rekordmeister bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Die "SZ" hatte am Freitag berichtet, dass nach der Partie 30 Zollbeamte, elf Mitarbeiter der städtischen Gewerbeüberwachung sowie zahlreiche Polizisten den eingesetzten Sicherheitsdienst kontrolliert hätten.

Laut einer Mitteilung des Hauptzollamts Rosenheim zielte die Prüfung unter anderem darauf, festzustellen ob alle Personen des Sicherheitsdienstes sozialversicherungsrechtlich gemeldet sind und die Berufszugangsvoraussetzungen als Wachpersonen erfüllen.

"Hohe Beanstandungsquote" seitens der Behörden

Insgesamt wurden nach Angaben des Zolls 253 Personen überprüft, bei 194 wurden Gesetzesverstöße oder andere Unregelmäßigkeiten festgestellt, die weiter geprüft werden.

In 142 Fällen konnte der Nachweis für einen gewerberechtlich zulässigen Einsatz als Sicherheitskraft nicht erbracht werden. Diese Fälle werden durch die Gewerbeüberwachung weiter bearbeitet.

Die "SZ" schrieb mit Verweis auf die Gewerbeaufsicht, die 142 Ordner seien nicht ordnungsgemäß im nationalen Bewacherregister angemeldet. Dabei wird vor dem ersten Einsatz überprüft, ob ein Anwärter zum Beispiel Mitglied verbotener Organisationen war oder Vorstrafen hat. Bei einigen der im Stadion überprüften Sicherheitsleute sei letzteres der Fall gewesen, die entsprechenden Personen hätten somit nicht beschäftigt werden dürfen.

Im Zuständigkeitsbereich der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hätten sich "100 Verstöße gegen sozialversicherungsrechtliche Vorschriften ergeben", teilte der Zoll mit. Daneben würden vereinzelte Verstöße gegen das Arbeitsgenehmigungs- und Ausländerrecht weiter verfolgt. Eine "Vielzahl von Security-Mitarbeitern" habe sich der Kontrolle nach Bekanntwerden entzogen.

Klub verweist auf externe Dienstleister

"Die kontrollierten Personen sind keine Mitarbeiter des FC Bayern, sondern ausschließlich Beschäftige des entsprechenden Sicherheitsdienstleisters oder dessen Subdienstleisters", erklärte der FC Bayern nun in einer Stellungnahme: "Der FC Bayern unterstützt die Aufklärung der Vorfälle und der dabei aufgekommenen Beanstandungen nach besten Kräften. Wenn nötig, wird der FC Bayern die entsprechenden Konsequenzen ziehen."

In der "SZ" wird die zuständige Münchner Firma "Veranstaltungsdienst Paul Mayr", die selbst Subunternehmer beauftragt, am Freitag dahingehend zitiert, die Kontrollergebnisse nicht im Detail zu kennen, den gesetzlichen Vorgaben aber "jederzeit" nachzukommen. "Wir können daher nur vermuten, dass es wohl bei Nachunternehmern zu Ungereimtheiten gekommen ist."

Laut der Zeitung sei es die erste gemeinsame Kontrollaktion von Zoll und Stadt im Stadion des FC Bayern gewesen.

ngo/dpa/sid



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DJ Bob 03.08.2019
1. ist doch klar
Man beauftrage einen Dienstleister und "peng" ist man aus der Verantwortung raus! Ich erinnere mich an einer SPD Veranstaltung vor etwa 20J. als es um den Themen ging "prekäre Lohnverhältnisse" Es stellte sich nachher heraus daß das Security Personal zum Teil nur 5 Mark Stundelohn bekamen.
malcom1 03.08.2019
2. Sub,,,,sub,,,sub,,,
Es ist immer das gleiche Subunternehmer, der Sub gibt an den nächsten Sub weiter und endet dann in Rumänien, Polen oder Bulgarien. Und keiner ist verantwortlich. Siehe Paketzusteller, Bauarbeiter, Sicherheitspersonal, usw. Was dann zu Dumpinglöhnen führt weil ja jeder Sub mitverdienen will. Wann kommt endlich die Haftung für den Auftraggeber?
olsen59 03.08.2019
3. Das alte Spiel ...
"Wir haben damit nichts zu tun, das war der Subunternehmer!" Und der: "Wir auch nicht, das war unser Subunternehmer" .... Der letzte in der Kette hat - nachdem alle zuvor schön verdient haben, ohne Verantwortung zu tragen - dann endgültig keine Chance mehr, wenigstens Mindestlohn zu zahlen und seinen Sozialversicherungspflichten nachzukommen, ohne Pleite zu gehen. Wäre schön zu erleben, dass diesem Wahnsinn endlich Einhalt geboten wird. Der FCB wählt da wie die meisten Unternehmen eben auch die "wirtschaftlichste" Lösung; bei dreistelligen Millionenbeträgen, die man für einen einzelnen Fußballer zu zahlen bereit ist, bleibt für eine faire Bezahlung der "niederen Jobs" einfach kein finanzieller Spielraum.
Nonvaio01 03.08.2019
4. eben
Zitat von olsen59"Wir haben damit nichts zu tun, das war der Subunternehmer!" Und der: "Wir auch nicht, das war unser Subunternehmer" .... Der letzte in der Kette hat - nachdem alle zuvor schön verdient haben, ohne Verantwortung zu tragen - dann endgültig keine Chance mehr, wenigstens Mindestlohn zu zahlen und seinen Sozialversicherungspflichten nachzukommen, ohne Pleite zu gehen. Wäre schön zu erleben, dass diesem Wahnsinn endlich Einhalt geboten wird. Der FCB wählt da wie die meisten Unternehmen eben auch die "wirtschaftlichste" Lösung; bei dreistelligen Millionenbeträgen, die man für einen einzelnen Fußballer zu zahlen bereit ist, bleibt für eine faire Bezahlung der "niederen Jobs" einfach kein finanzieller Spielraum.
nennen Sie mir eine Mannschaft in der BL wo das nicht auch an Subunternehmen weiter gegeben wurde. Der FCB ist da nichts besonderes, das ist eben gaengige praxis.
hauser 03.08.2019
5. 194 Verstösse bei 253 überprüften Personen...
Das sagt ja bereits alles, wie es in dieser Branche zugeht. Der Gesetzesverstoss ist die Regel und Ordnungsgemässigkeit die Ausnahme...
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