FC Bayern gegen Borussia Dortmund Wer ist der Beste im ganzen Land?

Spitzenspiel in der Bundesliga - wer setzt sich durch? Die Bayern überzeugen im Spielaufbau, während der BVB ausgerechnet eine Münchner Spezialdisziplin beherrscht. Ein statistischer Vergleich.

Robert Lewandowski (r.) verlor das Hinspiel mit dem FC Bayern gegen Julian Weigl und Borussia Dortmund im November mit 2:3
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Robert Lewandowski (r.) verlor das Hinspiel mit dem FC Bayern gegen Julian Weigl und Borussia Dortmund im November mit 2:3

Von Tobias Escher


Sechs Jahre Bayern-Dominanz in der Fußball-Bundesliga sind vorbei, es gibt wieder einen echten Kampf um den Titel. Endlich! Und nun kommt es zum direkten Aufeinandertreffen: Der Tabellenzweite FC Bayern empfängt am Samstag den Tabellenführer Borussia Dortmund (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky). In über 200 Ländern wird die Partie des 28. Spieltags übertragen. Es ist das womöglich vorentscheidende Spiel im Meisterschaftskampf.

SPIEGEL ONLINE blickt vorab auf die Stärken und Schwächen der Titelkandidaten. Was haben beide Teams gemeinsam? Was unterscheidet sie? Wir beleuchten die Mannschaften mithilfe des SPIX, unseres Daten-getriebenen Notensystems.

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Den Ball gewinnen - kein Team klar im Vorteil

Die Defensive gewinnt bekanntlich Meisterschaften. Unter Trainer Lucien Favre ist der BVB gegen den Ball bis ins Detail organisiert - typisch für ein Team, das vom Schweizer trainiert wird. Sein 4-2-3-1-System punktet mit hoher Kompaktheit.

Die Bayern haben unter Trainer Niko Kovac jedoch aufgeholt. Der 47-Jährige wechselte in der Rückrunde von einem 4-3-3- ebenfalls auf ein 4-2-3-1-System, gegen den Ball verteidigt sein Team mit zwei Viererketten. Die Organisation innerhalb des Systems verbesserte sich zuletzt, wenn man das Pokaldrama gegen Heidenheim einmal vernachlässigt. Etwas überraschend sticht Ballvirtuose Thiago in den defensiven Statistiken hervor. Er hat den höchsten SPIX-Wert der Liga im Bereich Balleroberung. Statistisch lassen beide Teams ähnlich wenige Chancen zu, wie ein Vergleich der SPIX-Werte "Teamleistung defensiv" belegt.

Das Spiel aufbauen - Vorteil: FC Bayern

Die Bayern-Abwehr wurde oft kritisiert in dieser Saison. Bundestrainer Joachim Löw strich Mats Hummels und Jérôme Boateng gar aus der Nationalmannschaft. Auch wenn sie defensiv tatsächlich etwas schwächer agierten als in den Vorjahren: Im Spielaufbau haben sie ihre Stärken bewahrt. Boateng spielt oft entscheidende Flachpässe (Spielaufbau-SPIX: 72), während Hummels eher für seine langen Bälle bekannt ist (66). Niklas Süle hat in dieser Disziplin mittlerweile seine Teamkollegen aber überholt und gilt als Innenverteidiger Nummer eins (80).

Dortmunds junge Innenverteidigung agiert (noch) nicht auf diesem Niveau. Manuel Akanji weist hier hohe Werte vor (77), auch Abdou Diallo kann mithalten (67). Diallo musste zuletzt aber aufgrund von Verletzungssorgen auf der Außenverteidigerposition spielen. Dan-Axel Zagadou (45) fällt im Vergleich zu seinen Teamkollegen klar ab. Zuletzt musste Spielgestalter Axel Witsel sich weit zurückfallen lassen, um den Spielaufbau anzukurbeln.

Chancen kreieren - kein Team klar im Vorteil

In diesem Bereich liegen die größten Unterschiede beider Teams. Während die Bayern traditionell auf ihre starken Flügelstürmer bauen, greift der BVB lieber durch das Zentrum an. Sie ziehen den Gegner in lange Ballstaffetten, um plötzlich mit Doppelpässen durchzubrechen.

Beide Teams plagten allerdings zuletzt ähnliche Schwächen. Sobald sich der Gegner weiter zurückzog, fehlten Mittel und Wege, Torchancen zu erspielen. Die Bayern ließen sich in solchen Situationen zu leicht auf den Flügel drängen. Dortmund erstarrte in den eigenen Passfolgen im Mittelfeld.

Diese Schwächen dürften beim direkten Aufeinandertreffen nicht ins Gewicht fallen. Im Hinspiel (3:2-Sieg für den BVB) wagten beide Teams ein hohes Pressing, gerade in der zweiten Hälfte entstand damals ein offener Schlagabtausch mit schnellen Angriffen von Strafraum zu Strafraum und vier Treffern.

Angesichts der Ausgangslage in der Tabelle werden die Bayern eher an einem solchen Schlagabtausch interessiert sein, Dortmund hingegen dürfte aufgrund des Vorsprungs von zwei Punkten eher abwartend spielen. Das könnte angesichts der angesprochenen Schwächen im Spielaufbau ein kleiner Vorteil sein für den BVB.

Chancen verwerten - kein Team klar im Vorteil

Kein Bundesliga-Team braucht in dieser Saison weniger Chancen pro Tor als Borussia Dortmund. Paco Alcácer war in dieser Hinsicht die wichtigste Verstärkung des Teams. Im Bereich Torgefahr gewinnt er das direkte Duell mit Bayern-Stürmer Robert Lewandowski deutlich (SPIX: 71 zu 57). Lewandowski erzielte zwar mehr Saisontore als Alcacér, brauchte dafür aber auch mehr Torschüsse und Einsatzminuten als der Spanier. Problem: Der Spanier droht auszufallen.

Lewandowski hat sich dafür fußballerisch noch einmal weiterentwickelt. Der Pole bindet sich besser ins Spiel ein. Das zeigt auch der SPIX: Im Bereich Chancenkreation weist er einen wesentlich höheren SPIX-Wert als Alcacér vor (72 zu 47).

Chancen entschärfen - Vorteil: BVB

Hier ist der FC Bayern im Nachteil. Ihre Gegner brauchen wesentlich weniger Chancen für ein Tor als die Gegner des BVB. Die Statistik-Analytiker von "Statsbomb" rechneten in der Winterpause vor: Kein Bundesliga-Torhüter pariert weniger Großchancen als Manuel Neuer. Roman Bürki hingegen befindet sich unter den Top-Drei-Keepern der Liga.

Individuelle Glanzmomente setzen - Vorteil: BVB

Der FC Bayern stand immer für seine herausragenden Einzelspieler. Im Zweifel konnten sie sich auf die genialen Dribblings von Franck Ribéry und Arjen Robben verlassen. Die Altstars arbeiten in dieser Saison nur in Teilzeit. Ihre Dribbling-Werte können nicht mehr an beste Zeiten anknüpfen.

Der statistisch beste Dribbler der Saison kommt erstmals seit langer Zeit nicht aus München: Jadon Sancho thront aktuell über allen Bundesliga-Akteuren (Dribblingstärke-SPIX: 70). Auch Marco Reus kann aus dem Nichts Dynamik kreieren. Diese Facette geht den Bayern in dieser Saison gerade in Spitzenspielen ab, trotz Könnern wie James Rodríguez und Serge Gnabry.

Beide Teams sind sich in vielen Punkten ähnlich. Aber ein geniales Dribbling, ein Pass aus dem Nichts oder ein Torwartfehler könnten die Partie entscheiden - und damit auch die Meisterschaft. Der SPIX sieht den BVB leicht im Vorteil.

insgesamt 20 Beiträge
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aliof 05.04.2019
1. Klasse Analyse
.. wonach die Chancen für BVB besser zu sein scheinen. .. jetzt noch das Glück einbeziehen : dann läufts doch für den 1.FCB. Als Wetter kann man da nur verlieren. - Also einfach nur zuschauen , und Spaß haben !
hoppelkaktus 05.04.2019
2. Orakeldingens
Ach, ich finde, das ist in Wirklichkeit das gefühlte Preisschild auf dem Spiel: Wer das Ding gewinnt, der knutscht im Saisonausgang vermutlich die schöne Meisterschale. Warten wir's ab, gell?
BernhardEnzinger 05.04.2019
3. Treffer
Dass bei einem 3:2 insgesamt mehr als "vier Treffer" rauskommen, hat Euer SPIX aber wohl nicht ausrechnen können... ;)
ts1 05.04.2019
4. Schiedsrichter vergessen?
Vorteil FCB! ;)
mg0031 05.04.2019
5. 66-61
Lesen hilft ja manchmal. 4 Treffer weil DO in der zweite 3 und M 1 Tor geschossen hat. Ich habe meinen Kater gefragt. 66-61. Ich habe es verstanden.
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