Bayerns Pokalsieg in Bochum Männer sind so verletzlich

Ein Spiel, so emotional wie ein Grönemeyer-Song: Der VfL Bochum hätte fast den FC Bayern mit dem Doppelpass nassgemacht. Dann kam doch noch Thomas Müller - Sekundenglück.

 Du kauerst stumm in einer Nische namens Warum
David Inderlied DPA

Du kauerst stumm in einer Nische namens Warum

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Szene des Spiels: Eine Minute ist noch zu spielen, es steht 1:1, der VfL Bochum hat sich mit allem gewehrt, was er kann. Da fliegt ein letzter Ball in den Bochumer Strafraum, Kingsley Coman leitet ihn elegant in die Mitte weiter, Thomas Müller vollendet nicht minder elegant mit der Hacke zum Siegtor. Aus der Traum für Bochum. Und Bochums Stadtbarde singt: Du holst mich aus den Wolken, stellst mich auf den Boden zurück.

Ergebnis des Spiels: 2:1 für den hohen Favoriten. Durch ein Eigentor von Alphonso Davies führte der VfL mehr als eine Dreiviertelstunde lang 1:0, dann drehten Serge Gnabry und Müller doch noch die Partie. Zeit, dass sich was dreht. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Halbzeit: Nach einer Minute hätten die Bochumer schon führen müssen, Simon Zoller vergibt frei vor dem Tor. Die Bayern, zunächst ohne Robert Lewandowski und Philippe Coutinho, wirken fahrig, lässig mit der Tendenz zu fahrlässig. Haben nichts begriffen und uns auch noch ausgepfiffen. Das 1:0 nach Flanke von Danny Blum und dem unglücklichen Vollstrecken von Davies ist die Konsequenz daraus. Grenzen aus den Angeln, die klare Linie dahin, Räume werden enger, jede Ordnung verschwimmt.

Die zweite Halbzeit: Lewandowski und später Coutinho kommen ins Spiel, aber das 1:0 hält und hält. Die Bayern ohne großen Biss, ohne Leidenschaft, all das, was der Gegner mitbringt. Die Menge im Ruhrstadion tobt. Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist. Wenn der Boden unter den Füßen bebt. Und es sind nur noch 10 Minuten zu spielen. Du bist blass, ich bin es auch, wenn bald nichts passiert, steh ich völlig auf dem Schlauch. Dann kommt Gnabry, dann kommt Müller, der Sanitäter in der Not, und die Bayern lachen doch noch zuletzt. Womit habe ich das verdient, dass der mich so blöde angrient?

Du hievst mich aus jedem Tief, auch aus dem tiefsten Tief heraus
David Inderlied DPA

Du hievst mich aus jedem Tief, auch aus dem tiefsten Tief heraus

Spieler des Spiels: Bochums Torwart Manuel Riemann hat 2007 als Regionalliga-Keeper von Wacker Burghausen im DFB-Pokal gegen die Bayern im Elfmeterschießen zwei Strafstöße pariert und gegen Oliver Kahn selbst einen Elfmeter verwandelt. Die Bayern siegten trotzdem. Zwölf Jahre später schnuppert er wieder an der Pokalsensation, und ist am Ende wieder der Gescheiterte. Ich fühl mich leer und verbraucht, alles tut mir weh, hab Flugzeuge in meinem Bauch.

Leistungsstand des Spiels: Bei Bochum: Zeig mir den Weg, geh zu weit. Schick mich über den Zenit, will Wunder sehen und abdrehen. Beim FC Bayern: Der Wind steht schief, die Luft aus Eis, die Möwen kreischen stur, Elemente duellieren sich. Der Himmel heult, die See geht hoch, Wellen wehren sich, stürzen mich von Tal zu Tal.

Zitat des Spiels: Es wird Zeit, dass du aufwachst, alle Koffer sind gepackt. Und die Tage sind gezählt. Bin keine Beute, kein Pokal. Das ist nicht aus einer Bankettrede von Karl-Heinz Rummenigge und nicht auf Bayern Trainer Niko Kovac bezogen. (Aber es könnte so sein.)

Erkenntnis des Spiels: Genug ist zu wenig, oder es wird so, wie es war. Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders. Der FC Bayern sollte dies dringend bedenken.

VfL Bochum - FC Bayern München 1:2 (1:0)
1:0 Davies (36., Eigentor)
1:1 Gnabry (83.)
1:2 Thomas Müller (89.)
Bochum: Riemann - Celozzi, Decarli, Bella Kotchap, Danilo - Losilla, Tesche, Zoller (78. Osei-Tutu), Lee (66. Wintzheimer), Blum - Ganvoula
München: Neuer - Kimmich, Pavard, Boateng, Davies - Tolisso (65. Müller), Goretzka (57. Coutinho), Thiago, Coman, Perisic (46. Lewandowski) - Gnabry
Schiedsrichter: Schröder
Gelbe Karten: Lee, Losilla
Rote Karte: - / Bella-Kotchap
Zuschauer: 26.600 (ausverkauft)

Alle kursiv gesetzten Zitate sind Songtexte von Sänger und Bochum-Fan Herbert Grönemeyer.



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
gerritinho 29.10.2019
1. 82 Minuten
haben der Bochumer Seele richtig gut getan. Und dann wurde allen Nicht-Bayern wieder bewusst, woher diese lebenslange Abneigung kommt. Schwacher Auftritt der Bayern gegen mutige Bochumer, die hoffentlich den Schwung mit in die Liga nehmen. Am meisten geärgert hat mich Lewandoski mit seiner extrem überheblichen Art. Er ist doch ein guter Fußballer, hat man es dann gegen einen 2.-ligisten auf einem Abstiegsplatz nötig sich mehrmals fallen zu lassen & 11er zu fordern?
Rabe Ralf 29.10.2019
2. Halt mich...
...nur ein Bisschen, dass ich schlafen kann.
verruca 30.10.2019
3. Nette Idee, aber ...
Weniger wäre mehr gewesen.
gibmichdiekirsche 30.10.2019
4. Gleichmäßig
Zur Leistung der Bayern und zu diesem Kommentar fällt mit auch noch 'ne Zeile ein: Beides "tut gleichmäßig weh".
hundini 30.10.2019
5. ^^
Hätte, Hätte, Fahrradkette... Es kann nur einen Sieger geben: den FCB... Und das ist auch gut so :).
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