Bayern-Coach Heynckes Erkaltete Liebe

Beim FC Bayern läuft sportlich alles perfekt, trotzdem ist die Stimmung angespannt: Der scheidende Trainer Heynckes geht auf Distanz zu seinem Verein. Grund ist die Verpflichtung seines Nachfolgers Guardiola. Heynckes ist gekränkt - und zeigt das.

Bayern-Trainer Heynckes: Emotionale Bindung hat gelitten
Bongarts/Getty Images

Bayern-Trainer Heynckes: Emotionale Bindung hat gelitten

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Jupp Heynckes steuert mit dem FC Bayern derzeit seinen dritten Meistertitel nach 1989 und 1990 an, selten scheint die Chance so groß wie in dieser Saison, das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League zu holen. Die Mannschaft ist in der Liga so konkurrenzlos wie seit vielen Jahren nicht - und Heynckes spricht im Fernsehen voller Stolz von "meinem Verein".

Er meint damit allerdings Borussia Mönchengladbach. Nicht den FC Bayern München.

Seit einigen Wochen haben sich die Dinge geändert in der Familie des FC Bayern, wie sie Präsident Uli Hoeneß so gerne bezeichnet. Die Familie ist keine heile mehr. Der Trainer ist so erfolgreich wie eh und je, aber seine emotionale Bindung an den Rekordmeister hat seit der Winterpause gelitten. Erheblich. Seit der Club Josep Guardiola für die kommende Spielzeit als Nachfolger verpflichtet hat, und sich Heynckes von den Umständen dieses Coups düpiert gefühlt haben musste.

Angebot von Rummenigge brüsk abgelehnt

"Jupp Heynckes beendet seine Karriere zum Saisonende, Pep Guardiola ab neuer Saison Trainer des FC Bayern", war die offizielle Pressemitteilung des Clubs vom 16. Januar dieses Jahres überschrieben - und zumindest der erste Teil dieser Mitteilung hat bei Heynckes offenbar nachhaltige Missstimmung ausgelöst.

Wann er aufhöre, Trainer zu sein, werde er schon selbst bestimmen, beschied er zwei Tage später kurz angebunden vor der Presse. Und am Samstag lehnte er geradezu barsch das Angebot von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ab, als Beiratsmitglied dem FC Bayern erhalten zu bleiben.

Er sei nun einmal kein Funktionär, solche Angebote interessierten ihn nicht, und ein Angebot, "das ich aus den Medien erfahre, schon gar nicht". Rummenigge hatte in der "Abendzeitung" noch von dem "phantastischen Job" geschwärmt, den Heynckes tue und von dem "großen Trainer", den der Club derzeit habe. Heynckes könnte sich angesichts solcher Hymnen schon gefragt haben, warum man dann unbedingt einen neuen Coach verpflichten wollte.

Heynckes ist dabei, sich ein Denkmal zu bauen

Weil der Neue eben Guardiola heißt. Weil es die vermutlich einmalige Gelegenheit war, den meistumworbenen Vereinscoach der Welt zu verpflichten. Weil Heynckes im Mai bereits 68 Jahre alt wird. Es gab genug Gründe, für die Bayern zu handeln. Dass Heynckes sich dennoch als Opfer dieser Entscheidung sieht, ist genauso nachvollziehbar.

Seit dieser Zeit scheint die Motivlage des Coaches zu sein, dem Club erst recht noch einmal zu zeigen, auf welchen Edeltrainer sie künftig verzichten. Heynckes wirkt noch ein bisschen erfolgsbesessener als zuvor. Wer gesehen hat, mit welchem Jubel er den 3:2-Siegtreffer der Bayern gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag quittiert hat, weiß: Hier ist einer dabei, sich selbst an der Säbener Straße ein Denkmal zu bauen.

Mit drei Titeln abtreten, am besten noch mit einer Rekord-Saison, wie sie die Bundesliga noch nicht gekannt hat - höher kann ein scheidender Coach die Messlatte für seinen Nachfolger nicht legen.

Hoeneß hat einmal den vielzitierten Satz gesagt: "Jupp braucht den Applaus." Der Präsident war über viele Jahre einer der engsten Spezis des Trainers, Heynckes sei "ein Freund der Familie", hat Hoeneß ihn geadelt. Beide sind aus einer Spielergeneration, sind zusammen Europa- und Weltmeister geworden, spielen Schafkopf zusammen und treffen sich zum gemeinsamen Rotwein.

Ganz hohe Konzentration im Team lässt nach

Aber selbst ihr Verhältnis hat über die Personalie Guardiola eine Abkühlung erfahren. Als beim FC Schalke letztens laut über ein Heynckes-Engagement für die kommende Saison nachgedacht wurde, hat Hoeneß das als "kleinen Aprilscherz" abgetan. Von Heynckes selbst war nichts zu hören.

Die Mannschaft hat diese Irritationen bisher nicht erreicht. Die zurückliegenden beiden Partien gegen Hoffenheim und Düsseldorf wurden gewonnen - wie eigentlich alles in letzter Zeit. Die wenig souveräne Manier, in der diese beiden Siege eingefahren wurden, spricht allerdings dafür, dass die ganz hohe Konzentration, die das Team über Monate ausgezeichnet hat, etwas nachlässt.

Es wird wieder Zeit beim Rekordmeister, sich ausschließlich aufs Sportliche zu konzentrieren. In zwei Tagen gastiert der FC Arsenal zum Champions-League-Achtelfinal-Rückspiel (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in München, und Heynckes wird auch um seiner selbst willen alles dafür tun, den FC Bayern in diesem Jahr zum großen europäischen Triumph zu führen.

Und wenn er dann tatsächlich aufhören sollte und im kommenden Jahr auf seinem Bauernhof im niederrheinischen Schwalmtal - ganz nah bei "seinem" Verein Borussia Mönchengladbach - sitzt, wird er die Bundesliga aufmerksam verfolgen. Wenn es dann beim FC Bayern mal nicht so ganz nach Wunsch läuft, wird er sich denken: Na ja, ihr habt es ja nicht anders gewollt.



insgesamt 100 Beiträge
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Seite 1
Urbis 11.03.2013
1. .
Jupp ist alt, es ist Zeit das er jetzt mal aufhört. Jetzt konnte man einen Trainer für die Zukunft verpflichten. Wie lange hätte Heynckes es denn noch gemacht? Außerdem hat er die letzte Saison vercoacht gegen Dortmund und Chelsea.
ziegenzuechter 11.03.2013
2. Ich
kann ihn gut verstehen. absolut unwürdig ausgerechnet mit ihm so umzugehen. wenn bayern nicht die cl holt kann sich das die führung des vereins ankreiden. wenn ein paar % in den nächsten monaten fehlen, sind es nämlich jene die dadurch auf der strecke blieben, dass heynckes logischerweisse schon leicht abgeschaltet hat. was ihm auch niemand verdenken kann. das passiert auch ungewollt und unbewusst, ist aber so.
magnum_nbg 11.03.2013
3. optional
"Wenn es dann beim FC Bayern mal nicht so ganz nach Wunsch läuft, wird er sich denken: Na, ja, ihr habt es ja nicht anders gewollt." Genau das wird der Mister eben nicht denken, denn der hat naemlich Stil..
vhn 11.03.2013
4. Dieses Thema...
... wird ausschließlich von den Medien hochgespielt. Selbst wenn es so gewesen ist, halten sich die Beteiligten so professionell zurück, dass von den Medien immer wieder mal versucht wird in der evtl. vorhandenen Wunde rumzustochern. Ohne Erfolg. Die Bayern spulen ihr Programm weiter ab.
Cr4y 11.03.2013
5.
Absoluter quatsch der Artikel. Als Höneß Heynckes vor zwei Jahren zu den Bayern holte, hieß es von Seiten Heynckes schon damals, dass er das erstmal mit seiner Frau besprechen muss: Eigentlich wollte er schon mal aufhören. Henyckes war von Anfang an als Übergangslösung gedacht. Wenn man die Chance hat Guardiola zu holen, muss das der jetzige Trainer genauso akzeptieren, wie er von Gomez erwartet, die Klappe zu halten wenn er nicht in der Startelf steht. Die Meldung zur Verpflichtung Guardiolas war bestimmt nicht die geschickteste, aber ob sowas zu tiefen Problemen führt? Rumenigge hat das, wenn ich die Aussage richtig im Kopf habe, nicht als Angebot formuliert, sondern schlicht gesagt, dass er sich Heynckes aus als Funktionär vorstellen kann. Meiner Meinung nach viel Wind um nichts.
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