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22. April 2013, 11:27 Uhr

Steuerhinterziehung

Hoeneß soll angeblich "unvorstellbares Vermögen" verheimlicht haben

Uli Hoeneß steht massiv unter Druck: Laut Informationen der "Abendzeitung" soll der Bayern-Präsident angeblich mehrere hundert Millionen Euro auf Konten in der Schweiz verheimlicht haben. Hoeneß tauchte nach Bekanntwerden der Ermittlungen zunächst ab, kündigt dann aber an, sich wehren zu wollen.

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen Uli Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, dabei soll es sich angeblich um ein "unvorstellbares Vermögen" in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro handeln. Das ergaben Recherchen der Münchner "Abendzeitung", die ihre Quellen als sehr sicher einstuft. Demnach habe das Vermögen auf einem oder mehreren Konten gelegen. Hoeneß soll laut der Zeitung zudem mit der Selbstanzeige bei den Finanzbehörden sofort einige Millionen Euro an den Fiskus gezahlt haben. Diese Summe habe demnach über fünf Millionen Euro betragen.

Hoeneß hat laut "Focus" im Januar dieses Jahres Selbstanzeige beim Finanzamt eingereicht. Dem Magazin hatte der Präsident des FC Bayern bestätigt, dass es dabei um ein Konto in der Schweiz gehe. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit die Wirksamkeit der Selbstanzeige und die steuerlichen Folgen, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. Nähere Angaben zu Summen machten weder die Staatsanwaltschaft noch Hoeneß. Das Haus des 61-Jährigen am Tegernsee soll bereits im vergangenen Monat durchsucht worden sein.

Hoeneß selbst drohte dann am Montag, zwei Tage nach Bekanntwerden seiner Steueraffäre, einigen Medien mit Klagen. "Gegen die Exzesse in einige Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", sagte er dem "Münchner Merkur". Für eine Zeitung, sagte er, "wird das richtig teuer".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte der "Abendzeitung" am Samstag, er habe schon seit längerem Kenntnis von den Steuerermittlungen gegen Hoeneß. "Ich weiß, dass ein Verfahren läuft", so der CSU-Politiker, der schon "vor einer geraumen Zeit" darüber informiert worden sei. Einfluss auf die Justiz- und Finanzbehörden schloss Seehofer aus: "Hoeneß wird behandelt wie jeder andere Bürger auch."

Hoeneß und Rummenigge fehlen in Hannover

Hoeneß hatte laut eigener Aussage ursprünglich geplant, die Angelegenheit über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen zu regeln, das dann Mitte Dezember 2012 nicht zustande gekommen sei. SPD und Grüne hatten das von der schwarz-gelben Bundesregierung ausgehandelte Abkommen in Bundesrat und Vermittlungsausschuss abgelehnt. Über das Steuerabkommen hätten Personen, die in der Schweiz nichtversteuerte Gelder liegen haben, dies mit einer für den deutschen Fiskus anonymen pauschalen Einmalzahlung legalisieren können.

"Hoeneß hatte darauf gehofft, dass seine Steuerhinterziehung durch das von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen legalisiert worden wäre und er dabei anonym hätte bleiben können", sagte Joachim Poß, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. "Er wird nicht der einzige bleiben, dessen Hoffnungen auf das Abkommen der schwarz-gelben Bundesregierung nun zerplatzen."

Mit einer Selbstanzeige kann ein Steuerhinterzieher unter bestimmten Bedingungen für sich das Strafmaß und die Nachzahlungen deutlich reduzieren. Wenn er aber zum Zeitpunkt der Selbstanzeige bereits Kenntnis vom Beginn von Ermittlungen hat oder haben müsste, ist eine Selbstanzeige nicht mehr möglich beziehungsweise nicht mehr strafmildernd oder strafbefreiend. Ob Hoeneß die Vorteile der Selbstanzeige nutzen kann, prüft derzeit die Staatsanwaltschaft.

"Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen", sagte Silvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

max/sid/dpa

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