FC Bayern vor Rückrundenstart Die Abschiedskandidaten

2019 wird das Jahr des Umbruchs beim FC Bayern. Ein halbes Dutzend Profis steht in München vor dem Aus - und einer gibt noch Rätsel auf. Der Überblick.

Mats Hummels beim Trainingslager in Katar
Getty Images

Mats Hummels beim Trainingslager in Katar

Von Florian Kinast, München


Ausverkauftes Haus, grandiose Stimmung, mitreißender Sport - Niko Kovac war begeistert. "Eine tolle Atmosphäre", sagte der Trainer des FC Bayern und schwärmte: "Unsere Mannschaft macht einen richtig guten Job."

Allerdings waren damit nicht seine Münchner gemeint, sondern die kroatischen Handballer, die Kovac bei ihren WM-Vorrundenspielen in der Münchner Olympiahalle anfeuerte.

Ob die Bayern-Spieler am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim ersten Bundesligaspiel 2019 in Hoffenheim auch einen guten Job machen, bleibt abzuwarten. Sicher ist dafür, dass dieses Jahr den überfälligen Umbruch bringen wird.

Die Winterpause lieferte bereits aufschlussreiche Anhaltspunkte, bei welchen Spielern die Zeichen nun deutlicher auf Abschied stehen als noch beim Hinrunden-Ende vor vier Wochen.

Sechs Profis werden mutmaßlich das letzte Mal mit dem FC Bayern in eine Rückrunde starten und sich darauf einstellen müssen, am 34. Spieltag vor dem letzten Saisonspiel gegen Eintracht Frankfurt mit einem Blumenstrauß und einem Händedruck von Karl-Heinz Rummenigge verabschiedet zu werden. In den Ruhestand, oder zu einem anderen Verein.

Und dazu kommt nun auch noch das immer größer werdende Fragezeichen um die Zukunft von James Rodríguez. Die Abschiedskandidaten im Überblick

Franck Ribéry
Getty Images

Franck Ribéry

Sich selbst ins Abseits stellte Franck Ribéry. Brachte er sich im Dezember mit einem überzeugenden Vorrundenfinale (vier Tore in drei Spielen) wieder zurück in Gedankenspiele um eine mögliche Vertragsverlängerung, zertrümmerte er sich selbst die Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung im Zuge der Goldsteak-Affäre mit seinen unflätigen Online-Pöbeleien. Die Geduld der - dem Franzosen lange gnädig gesonnenen - Klub-Bosse scheint inzwischen sehr strapaziert. Wenn ihn die Bayern nach dem Karriereende wirklich in den Klub einbinden wollen, wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic nun ankündigte, müssen sie ihn einfangen und disziplinieren. Kriegt sich Ribéry auch dann nicht in den Griff, ist er auch als Repräsentant des Vereins kaum tragbar.

Auch Arjen Robben, der im Dezember selbst für Sommer seinen Abschied aus München ankündigt hatte, beendet die Winterpause als einer der Verlierer. Der Niederländer, der seit Ende November wegen Problemen im Oberschenkel ausgefallen war und nächste Woche seinen 35. Geburtstag feiert, konnte auch im Trainingslager in Katar nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Es zwickt und zwackt immer mehr bei ihm, auch in der Rückrunde droht weiter die Rolle des Ergänzungsspielers.

Mats Hummels durchlebte aus anderen Gründen durchwachsene drei Wochen und holte einen Titel, auf den er gerne verzichtet hätte. In einer Umfrage des "Kicker" unter 214 Bundesliga-Profis wurde der Weltmeister von 2014 zum "Absteiger der Hinrunde" gekürt. Noch bitterer dürfte für ihn die Verpflichtung von Innenverteidiger Benjamin Pavard sein, der im Sommer von Stuttgart nach München wechselt.

Wurde es schon in der Hinrunde in der Konkurrenz mit dem inzwischen gesetzten Niklas Süle und dem sich allmählich stabilisierenden Jérôme Boateng eng, scheint für Hummels' kommende Saison in der zentralen Defensive kaum noch Platz zu sein. Und was, wenn die Bayern aus Spanien auch noch Lucas Hernández holen, den Innenverteidiger von Atlético Madrid?

Javi Martínez (links) und Rafinha
Noushad Thekkayil/EPA-EFE/REX

Javi Martínez (links) und Rafinha

Zurück nach Spanien könnte es den in der Hinrunde arg enttäuschenden Javi Martínez ziehen, zu seinem Heimatklub Athletic Bilbao. Vergangene Woche bestätigte Sportdirektor Rafael Alkorta das Interesse an einer Rückholaktion von Martínez, der 2012 von Bilbao nach München gewechselt war. Unter Trainer Kovac droht dem 30-Jährigen weiter die Ersatzbank, ein Verkauf im Sommer würde noch eine ordentliche Ablösesumme einbringen.

Auch ein Abgang von Renato Sanches wäre ein wahrscheinlich lohnenswertes Geschäft, denn der Portugiese hat wie Martínez noch einen Vertrag bis 2021. Außer einem sehenswerten Solo im Spiel bei Benfica Lissabon war ihm in der Hinrunde so ziemlich nichts gelungen. Für den treuen Rafinha hingegen gäbe es keine Einnahmen mehr, der Vertrag des 33-Jährigen endet im Sommer, eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich.

James Rodríguez
Getty Images

James Rodríguez

Und dann gibt es noch den Sonderfall: James Rodríguez. Bis Mitte Juni muss sich der FC Bayern entscheiden, ob sie die Kaufoption ziehen wollen und den bislang nur ausgeliehenen Kolumbianer für 42 Millionen Euro von Real Madrid fest verpflichten. Aus Sicht des internationalen Marketing ist der WM-Torschützenkönig von 2014 für die Bayern zwar ein Glücksfall, gemessen an den 91 Millionen Followern in den sozialen Netzwerken ist James der viertpopulärste Fußballer weltweit - hinter Cristiano Ronaldo, Neymar und Lionel Messi. Sportlich hingegen läuft es für den 27-Jährigen in dieser Saison nicht, selten überzeugte er in der Hinrunde, weder im Spiel noch im Training.

Trainer Kovac wurde beim Thema James am Mittwoch jedenfalls schon einmal deutlich: "Jeder, der einen Arbeitsvertrag beim FC Bayern unterschreibt, muss Topleistung bringen. Er will mehr spielen als in der Vergangenheit. Dann liegt es jetzt an ihm, dass er uns beweist, dass er in die Mannschaft gehört."

Und was, wenn James das nicht tut? Dann müssen die Bayern am 34. Spieltag noch einen Blumenstrauß mehr überreichen.



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gnarze 17.01.2019
1.
Rafinha, Robben und Ribery werden definitiv gehen. Martinez halte ich für sehr wahrscheinlich, die Frage ist halt, welcher Innenverteidiger verkauft wird.... Hummels hat von den Dreien die beste Durchschnittsnote. Bei James muss man wirklich gucken, der kam verletzt von der WM, verpasste die Vorbereitung und war danach schon wieder verletzt. Eigentlich müsste er sportlich weiterhelfen können, zumal ein Spottpreis aufgerufen ist. Sanches wird bleiben, im Gegensatz zu Herrn Kinast habe ich ihn bei seinen Einsätzen nicht so schlecht gesehen.
ferryh 17.01.2019
2. Das Goldsteak immer noch nicht verdaut?
Als ob Ribery ohne besagten Vorfall nochmal verlängert worden wäre. Das jetzt wieder in einen Zusammenhang zu bringen ist langsam echt nur noch unverschämt.
wolfi55 17.01.2019
3. Tja das hätte man sich vorher überlegen sollen
Also James Rodriguez, die 42 Millionen kann man sich sparen, man muss ja für Parvard schon 35 berappen. Ich denke nicht, dass der das bringt. Sollen doch die Madrilenen den woanders unterbringen. Für das Geld gibt es besseres auf dem Markt.
Kurt Viles 17.01.2019
4. James muss bleiben
James ist mit Thiago der beste Fußballer im Team. Kovac muss sich daran messen lassen, dass er so einen Mann integrieren kann. Falls nicht soll er wieder nach Frankfurt gehen Mir tut es jetzt noch weh, dass ein gesunder James bei der Niederlage in Dortmund 90 Minuten auf der Bank saß. Hoffentlich verfällt Bayern nicht in den totalen Jugendwahn. Für wen sollte man im Neuaufbau lieber 40 Millionen investieren - für einen 27-jährigen Weltstar, der seine Kosten wieder einspielt oder für einen 19-jährigen No-Name der diese Saison zwei Pflichtspiele für Chelsea gemacht hat? Niko, Brazzo, Kalle und Uli, behaltet bitte die Nerven!
hileute 17.01.2019
5. Die Bayern sind so unglaublich dämlich
das sie James nur so wenig spielen lassen, noch dämlicher wäre wenn sich das nicht schleunigst ändert. Natürlich muss er auch unbedingt fest geholt werden, das Schnäppchen darf man sich nicht entgehen lassen. Die anderen werden aber höchstwahrscheinlich nicht vermisst, wenn sie weg sind
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.