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Bayern-Matchwinner Robben Der Entscheider

Arjen Robben war der Schlüsselspieler beim Pokalsieg des FC Bayern in Bochum. Und das lag nicht nur an der umstrittenen Elfmeterszene. Der Niederländer ist auf dem Weg zurück zu alter Form.

Arjen Robben ist erfahren genug, um die Schmähungen eines Fußballstadions nicht mehr an sich heranzulassen. Einmal huschte sogar ein kleines Lächeln über sein Gesicht, als die Leute in Bochum versuchten, mit "Ohne Holland fahren wir zur EM"-Gesängen einen wunden Punkt zu treffen. Robben hat ja mit seinem Nationalteam die Qualifikation für das Turnier in Frankreich verpasst. Später brüllten sie in Anspielung auf die Rückennummer des niederländischen Stürmers: "Alle auf die Zehn". Und natürlich erklangen während des am Ende völlig ungefährdeten 3:0-Sieges der Münchner beim VfL Bochum wütende Pfiffe, wenn Robben am Ball war.

"Das ist keine Ablenkung, das ist einfach: weiter", sagte der lange verletzte Stürmer, der sich freute, im Mittelpunkt zu stehen. Robben verbreitet wieder Angst und Schrecken beim Gegner.

Für die Bayern, die in zwei Wochen gegen Juventus Turin in die K.-o.-Phase der Champions League einsteigen, ist das ein gutes Zeichen, denn Robben könnte mit seiner Erfahrung und seinen besonderen Fähigkeiten ein Schlüsselspieler des Frühjahrs werden.

Er war wie so oft der entscheidende Mann

Der Flügelstürmer wurde nach eher unauffälligen Partien zu Beginn der Rückrunde mal wieder zum entscheidenden Mann, als er kurz vor der Halbzeit nach einem Tritt von Jan Simunek an seinen Fuß mit klassisicher Robben-Theatralik auf den Boden stürzte. Es war die Schlüsselszene des Abends, weil die Schiedsrichter nicht nur einen Elfmeter verhängten, sondern Simunek auch noch mit einer Roten Karte bestraften.

Gertjan Verbeek tobte am Spielfeldrand, und er hatte sich auch nach dem Abpfiff noch nicht beruhigt. "Ach, hör doch auf, das ist Schwalbe und Freistoß andere Seite", zürnte der Bochumer Trainer. "Fußball ist ein Kontaktsport, und wenn Robben Kontakt spürt, geht er liegen, das weiß ja jeder." Zwar hielt Torhüter Manuel Riemann Thomas Müllers Elfmeter, aber in Unterzahl hatten die Bochumer natürlich keine Chance mehr gegen die Ballbesitzmaschine aus der Bundesliga.

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Robben reagierte mit der Souveränität eines erfahrenen Weltklassespielers auf die Vorwürfe. "Es war ganz klar, 100 Prozent Elfmeter, darüber gibt es keine Diskussion, das sind die Regeln", sagte er. Bis auf Verbeek waren nach dem Studium der TV-Bilder eigentlich alle Experten, der Meinung, dass der Strafstoß vertretbar war.

Aufgrund der immer wieder heftig kritisierten Regel, nach der das Verhindern einer Großchance mit einer Roten Karte bestraft werden soll, war auch der Platzverweis keine klare Fehlentscheidung. Die vielen Leute, im Stadion und vor den Fernsehern, die auf eine Fortsetzung der bemerkenswert ausgeglichenen ersten 40 Minuten hofften, wünschten sich aber, dass der Schiedsrichter die Karte stecken lassen würde.

Mit der Überzahl war die Partie gelaufen

So war die Partie nämlich so gut wie entschieden. In Überzahl habe sein Team "mehr Kontrolle gehabt", sagte Trainer Guardiola, der Münchner Ballbesitzfußball kam nun trotz des schwer bespielbaren Rasens endgültig zur Entfaltung. Hätten die Bayern ihre Torgelegenheiten einigermaßen konsequent genutzt, wäre diese Partie 0:5 oder 0:6 ausgegangen. Doch der Angriff rollt noch nicht so wie im Herbst. "Es war in den ersten Spielen des Jahres ein bisschen mühsam, nicht so leicht, wie in der Phase im Oktober, November, wo wir vielleicht auch mal mit drei, vier Toren gewonnen haben", sagte Thomas Müller. Aber solche Feuerwerke könne man eben "nicht immer planen".

Dafür haben die Münchner trotz der Verletzung von Jérôme Boateng noch kein einziges Gegentor zugelassen. Holger Badstuber wird immer besser, und die ganze Mannschaft scheint wegen der vielen Ausfälle von Abwehrspielern mehr Verantwortung für die Defensive zu übernehmen. Während im Angriff Robben Fahrt aufnimmt.

Im September hatte der 32-Jährige sich an den Adduktoren verletzt und nach der Genesung immer wieder muskuläre Probleme. Jetzt ist er endlich wieder fit und kann an seiner Form arbeiten. Er brauche "Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus", sagte er, "ich komme immer weiter, das merke ich im Training und vor allen Dingen in den Spielen". In Bochum war er nun erstmals in der Rückrunde auch an Toren beteiligt. Neben dem Elfmeter, den er erarbeitete, bereitete er Robert Lewandowskis 0:3 in der 90. Minute vor.

Allerdings vergab Robben auch eine Chance, die kaum ein Bezirksligastürmer liegen lässt: Aus fünf Metern verfehlte er zur Belustigung des Publikums die völlig offene rechte Hälfte des Tores. Aber er steht wieder im Mittelpunkt, und dass er den Ärger der Gegner auf sich zieht, betrachten die Münchner zweifellos als positives Zeichen.

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Foto: Roland Weihrauch/ dpa