Sieg gegen Leverkusen Machtkampf der Bayern-Stars

Sportlich läuft es beim FC Bayern, doch die Hierarchie in der Mannschaft ist noch nicht geklärt: Beim Erfolg gegen Leverkusen wird deutlich, wie sehr Arturo Vidal die Führungsrolle will. Doch die etablierten Stars wollen es ihm nicht so leicht machen.

Von Christoph Leischwitz, München


Wer schießt beim FC Bayern die Elfmeter? Thomas Müller gab nach dem 3:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen einen Einblick in die Teamhierarchie. Alles sei schwarz auf weiß festgehalten, so Müller: "Es gibt eine Liste." Darauf stehe er natürlich ganz oben, Arjen Robben folge auf Platz zwei. Und Arturo Vidal? Der habe diese Liste offenbar noch nicht gesehen, sagte Müller und grinste.

Der Chilene hatte vor beiden Elfmetern des FC Bayern auf den jeweiligen Schützen eingeredet, vor dem 2:0 auf Müller, vor dem 3:0 auf Robben. Beide gaben jedoch nicht nach, sondern bestanden darauf, selbst zu schießen. Bester Laune erklärte Müller nach dem Spiel, warum er Robben den zweiten Strafstoß überlassen hatte: "Ich bin ja ein Teamplayer. Ich will, dass die Stimmung gut bleibt."

Bayern-Zugang Vidal: Gibt auf dem Platz viele Anweisungen
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Bayern-Zugang Vidal: Gibt auf dem Platz viele Anweisungen

Müller hatte allen Grund, zufrieden zu sein: In seinem 200. Bundesligaspiel traf er zweimal. Nach drei Partien hat er nun schon fünf Tore erzielt - so einen guten Saisonstart hatte er noch nie. Auch dank Müller hat der FC Bayern bisher alle Erwartungen erfüllt.

Ohne Müllers Tore und sein vertrautes Gesicht in den Interviews nach den Siegen würde noch viel deutlicher auffallen, dass sich das Mannschaftsgefüge gerade verschiebt. Die Neuen hätten sich gut integriert, sagen die Alteingesessenen. Auf dem Platz ist das keine Frage mehr: Vidal wie Douglas Costa scheinen das Team auch langfristig besser machen zu können. "Spitzenklasse lässt sich immer leicht integrieren", findet Müller.

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Bundesliga: Müller trifft und gönnt
Doch seine bisweilen spöttisch wirkenden Aussagen transportieren meist auch einen Funken Wahrheit. So ist es auch, wenn er über die Stimmung im Team spricht. Die beiden Neuen beeinflussen die Außendarstellung des Vereins schon jetzt maßgeblich. Zugleich muss aber intern noch geklärt werden, wer innerhalb dieser Ansammlung von Alphatieren das Sagen hat. Dafür ist ein Konkurrenzkampf, wer sich den Ball nun auf den Punkt legen darf und wer nicht, eher ein Indiz als ein Auslöser.

Robben rüffelt Costa

Robben erwähnte nach dem Spiel fast beiläufig, dass er Bastian Schweinsteiger vermisse. David Alaba machte klar, dass in Dante "ein für die Mannschaft sehr wichtiger Spieler" gehen würde, sollten sich die Gerüchte bewahrheiten - die Hinweise jedenfalls verdichten sich, dass der Brasilianer München verlässt. Gleichzeitig ist es so, dass Vidal auf dem Platz mehr und mehr Anweisungen gibt, und dass in Douglas Costa ein neuer Spieler den meisten Szenenapplaus bekommt. Der brasilianische Zugang aus Donezk hatte erneut einen Galaabend und bereitete das 1:0 durch Müller sehenswert vor (26.).

Vidal ist ein Spielertyp, der gerade deshalb nach München geholt wurde, weil er Ecken und Kanten hat. Einer, der selbstbewusst vom Champions-League-Sieg spricht und am Samstagabend mal wieder die meisten Fouls beging (fünf). Costa hingegen ist ein Typ, der in seinen ersten Statements nur seine Dankbarkeit betont, in München spielen zu dürfen. Wer eher als Schweinsteiger-Nachfolger taugt, dürfte klar sein.

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Einzelkritik Bayern München: The Artist
Den Elfmeter-Zwischenfall redete Robben demonstrativ klein. "Ist doch besser so, als wenn gar keiner schießen will", sagte er und lacht. Nicht so lustig fand der Holländer dagegen Costas Kabinettstückchen: Der Brasilianer hatte es nach Robbens Geschmack übertrieben, als er kurz vor Schluss mit einem Lupfer über den eigenen Kopf Julian Brandt ausspielte und dafür Szenenapplaus bekam. "Das hat zwei Seiten", mahnte Robben: "Das ist super, aber das ist auch Zirkus." Man müsse "mehr Respekt vor dem Gegner zeigen".

Trainer Josep Guardiola sah das anders: "Douglas hat großen Respekt vor dem Gegner." Er selbst habe als Spieler solche Kunststücke nicht im Repertoire gehabt.

Bayern München - Bayer Leverkusen 3:0 (1:0)
1:0 Thomas Müller (26.)
2:0 Thomas Müller (60., Foulelfmeter)
3:0 Robben (71., Handelfmeter)
München: Neuer - Lahm, Alonso, Alaba, Bernat (73. Dante) - Vidal, Thiago (83. Rode) - Robben (78. Götze), Thomas Müller, Costa - Lewandowski
Leverkusen: Leno - Hilbert, Tah, Kyriakos Papadopoulos, Wendell (78. Boenisch) - Lars Bender, Kramer - Bellarabi, Calhanoglu (61. Robbie Kruse) - Kießling, Mehmedi (46. Brandt)
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bernat, Thiago - Wendell (2), Kramer, Robbie Kruse



insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
Bubi Hönig 30.08.2015
1.
Frage mich, wann es endlich eine Website gibt, auf der alle Müller-Fotos gesammelt sind, auf denen er seinen Mund reißt. Der Knabe ist einer der geschicktesten Selbstvermarkter der Liga: Wirft sich ständig in Positur und gilt dabei immer noch als Bauernbursch, der nur aus Freude am Spaß dabei ist. (Dass er wie Hölzenbein und Möller einer der Staatsschauspieler der Bundesliga ist, nimmt kaum einer wahr).
goethestrasse 30.08.2015
2. Bayern ist mir dieses Jahr egal.
..das ist keine authentische Mannschaft mehr. An der Meisterschaft wird nichts vorbeiführen. Aber emotional häng ich nicht dran. Auch nicht in dem champ.Liga. Wenn da 5 !! Spanier starten. Nur noch des Geld. Dann lieber die 98er Lilien.
dia_bolika 30.08.2015
3. So,so, der Brasilianer übertreibt es also nach Robbens Geschmack
und dann meint er noch, der Schwalbenkönig, man müsse "mehr Respekt vor dem Gegner zeigen" - was für ein Zynismus. In den niedrigen Ligen bekam man für sowas früher schon mal die Beine gebrochen.
PowlPoods 30.08.2015
4. Ich
bin kein ausgesprochender Bayernfan, aber das Spiel gestern war schon sehr gut. Vor allen Dingen die Flügel sind bei den Bayern - im Gegesatz zu vielen anderen Teams - beide immer konsequent und gut besetzt. Meiner Meinung nach alleine durch die Präsenz der Aussenstürmer immer wieder ein Schlüssel zum Erfolg, da die taktische Ausrichtung der Gegner sich gerade mit dem Heutzutage üblichen Verschieben damit schwer tut. Die Wege aus dem Mittelfeld für die defensiven sechser nach aussern sind mitunter zu weiter und das generiert Chancen. Mit dem Nebeneffekt, das die defensiven Mittelfeldspieler des Gegners nach 75 Minuten müde gelaufen sind. Aber was mich wirklich stört, sind die FC Bayernfanboys bei Sky. Es ist inzwischen unerträglich, ein Spiel der Münchner auf diesem Sender zu schauen. Der Reporter scheint direkt im Allerwertesten von Rummenigge zu wohnen und sämtliche Experten beweihräuchern jeden Furz der Bayern. Grauenhaft, ekelhalt.
Watchtower 30.08.2015
5. Bericht aus der Fußballprovinz...
Ob in München ein Sack Reis umkippt oder ein Machtkampf ausbricht, interessiert wenig. Die Weltklasse-Mannschaften beispielsweise der "Primera Division" mit ihrer Titelvielfalt kommen kaum oder garnicht vor in der deutschen Berichterstattung. Woche für Woche mit den Geschichten aus der bayerischen Provinz konfrontiert zu werden, ist ermüdend. Grüße aus der britischen Hauptstadt...
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