Ex-Bayernspieler Dürnberger Star für einen Abend

Vor 40 Jahren spielte der FC Bayern erstmals gegen Benfica Lissabon. Zweifacher Torschütze im Europapokal-Viertelfinale: Bernd Dürnberger. Der heute 62-Jährige erinnert sich an das Spiel seines Lebens.

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Von Florian Kinast, München


Der Abend wurde richtig teuer, für den hohen Besuch oben auf der Ehrentribüne. Für Franz Josef Strauß. Auf ein mageres 1:0 hatte der mächtige Mann des Freistaats mit einem Freund gewettet, doch da lag er gründlich daneben, und bevor er nach Abpfiff in seine Dienstlimousine hinter dem Olympiastadion entschwand, grummelte Strauß noch: "Jetzt muss ich meinem Spezl vier Kästen Bier spendieren."

Weil der FC Bayern vier Tore mehr geschossen hatte, als von Strauß prophezeit. 5:1 gewannen die Münchner an jenem denkwürdigen Europapokal-Abend, vor fast genau 40 Jahren. 1976 im Viertelfinalrückspiel des Europapokals der Landesmeister. Gegen Benfica Lissabon - den heutigen Gegner in der Champions League (20.45 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Ein besonderer Abend war es vor allem für einen Spieler, der ansonsten immer im Schatten der glänzenden Bayernstars der Siebzigerjahre stand, für Bernd Dürnberger. Beim 5:1 machte der damals 22-Jährige das größte Spiel seiner Karriere, als er die beiden ersten wichtigen Tore schoss. Wie die Treffer damals fielen, das weiß Dürnberger heute noch ganz genau: "Der eine ist links rein, der andere rechts." Ganz einfach.

Ein 0:0 hatten sich die Bayern im Hinspiel in Lissabon erkämpft, dank eines überragenden Sepp Maier. Doch richtig gut waren die Vorzeichen vor dem Rückspiel nicht. Im Training hatte sich Uli Hoeneß den Knöchel verstaucht, und Franz Beckenbauer schleppte sich mit einer Bronchitis herum. Die Aussicht auf ein Weiterkommen ins Halbfinale und darauf, am Ende zum dritten Mal in Serie nach 1974 und 1975 den Henkelpott in die Höhe zu stemmen, war nicht allzu groß.

Von Catherine Deneuve inspiriert

Am Vorabend der Partie lud Trainer Dettmar Cramer die Mannschaft noch ins Kino ein, man sah den neuen Film von Yves Montand und Catherine Deneuve: "Die schönen Wilden".

Schön und wild wurde tags darauf vor allem die zweite Hälfte, die vielleicht besten 45 Minuten, die der FC Bayern in seinen 33 Jahren Spielzeit im Olympiastadion jemals ablieferte. Nach einer torlosen ersten Hälfte spielten sich die Bayern, und vor allem Bernd Dürnberger, in einen Rausch.

Immer im Schatten der großen Bayern wie Franz Beckenbauer
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Immer im Schatten der großen Bayern wie Franz Beckenbauer

Dürnbergers Spitzname damals: "Wipf" - so nannte ihn Gerd Müller einmal. Warum? Das weiß Dürnberger selbst nicht mehr. Der "Wipf" war jedenfalls immer ein emsiger Arbeiter, er besaß nicht die Grazie und Aura eines Beckenbauers, nicht die Torgefahr eines Gerd Müllers, aber er war ein guter Techniker, ein sehr guter. Laufstark, den Oberkörper immer leicht nach vorne geneigt, einsetzbar vorne wie hinten, eine Allzweckwaffe, unermüdlich - Dürnberger war der Duracell-Hase des FC Bayern. 13 Jahre, von 1972 bis 1985, spielte er für die Münchner, nie für einen anderen Verein und nie für die Nationalmannschaft. Obwohl er als Stammspieler elf große Titel gewann. Dürnberger war wohl einer der am meisten unterschätzten Profis in der Bayern-Geschichte.

Mit Sicherheit war er einer der besten Kartenspieler. Karl-Heinz Rummenigge sagte einmal: "Der Bernd ist wohl der einzige Bayern-Spieler, der mit dem Schafkopfen mehr verdient hat, als auf dem Fußballplatz."

"Ein phänomenaler Abend"

375 Mal trug Dürnberger das Trikot des FC Bayern, "aber das Spiel gegen Benfica", sagt der heute 62-Jährige, "das war schon ein absolutes Highlight. Ein phänomenaler Abend. So etwas vergisst du nie".

Fünf Minuten nach der Halbzeitpause schoss Dürnberger das 1:0, und als er sechs Minuten später noch das zweite Tor drauflegte, hatte Franz Josef Strauß seinen ersten Kasten Bier verloren - und Benfica Lissabon die Hoffnung auf den dritten Landesmeisterpokal nach 1961 und 1962. Die Bayern überrollten die Portugiesen, mit weiteren Treffern von Rummenigge und zweimal Müller, natürlich Müller. Für Benfica traf nur noch Nené.

Im Halbfinale kamen die Münchner dann gegen Real Madrid weiter (1:1 und 2:0), im Endspiel reichte das Tor von Franz "Bulle" Roth zum Sieg gegen AS St. Etienne. Das Finale reichte spielerisch zwar in keiner Phase an das Rückspiel gegen Benfica heran, das störte aber niemanden - die Bayern hatten die wichtigste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs zum dritten Mal gewonnen.

Bernd Dürnberger in der Saison 1979/1980
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Bernd Dürnberger in der Saison 1979/1980

Nach dem Karriereende zog Dürnberger zurück in seine südostbayerische Heimat, in das Dorf Kirchanschöring. Dort lebt er noch heute mit seiner Frau Johanna und beflockt in seinem Keller für Vereine und Sportgeschäfte in der Region Fußballshirts mit Namen und Rückennummern. Auch Trikots des FC Bayern, für die Fans. Robben 10, Costa 11, Thiago 6.

Oft fährt Dürnberger noch zu seinen Bayern ins Stadion, so auch am heutigen Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky) gegen Benfica. "Lissabon ist recht spielstark", sagt Dürnberger, "ich bin aber ganz zuversichtlich, dass sich unsere Mannschaft eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel nächste Woche holt." Mit einem 2:0 etwa. Einer links rein und der andere rechts. Wie einst beim "Wipf".



insgesamt 7 Beiträge
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nummer50 05.04.2016
1. alte Zeiten
Meine Güte, das waren noch Zeiten. Kaum vorstellbar, dass heutzutage jemand 11 Titel gewinnt und nie in der N11 spielt. Heutzutage reicht oftmals schon eine starke Halbserie und du spielst in der Auswahl.
hfin 05.04.2016
2. B-Mannschaft
Dürnberger hat 5 B-Länderspiele, damals sozusagen das Perspektivteam für die A-Mannschaft. B-Länderspiele zählten damals als Auszeichnung für einen Spieler durchaus noch etwas.
fairgame 05.04.2016
3. Verdiente Anerkennung
Schöner Artikel, der an einen ganz wichtigen Bayern-Spieler der 70er- und 80er-Jahre erinnert. Nürnberger blieb meistens im Schatten der Stars wie Beckenbauer, Maier, Müller und danach Rummenigge und Breitner, obwohl er als schneller, variabel einsetzbarer und technisch starker Spieler so wertvoll war. Und das auf konstant hohem Niveau. In seiner Spielweise erinnerte mich später Bixente Lizarazu ein wenig an Dürnberger.
Xangod 05.04.2016
4. Vor allem
13 Jahre - nur für eine Mannschaft, wo gibt es so etwas noch heute?
sterninger 05.04.2016
5. Bayern Legende
Welche Rekorde der Flügelflitzer sonst noch gebrochen hat und warum es mit der Nationalmannschaft nicht geklappt hat, findet man hier: http://www.chiemgauseiten.de/chiemgau/bernd-dürnberger
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