Bayern-Erfolg gegen Celtic Jupp, der Baumeister

"Zu viel Rotation ist auch nicht gut": Das 3:0 gegen Celtic zeigt, dass Trainer Jupp Heynckes an einer eingespielten Stammelf arbeitet. Deswegen gibt es beim FC Bayern schon die ersten Verlierer.

Von Florian Kinast, München


Im Moment des Abpfiffs wurde artig gejubelt. Einige Spieler des FC Bayern klatschten in die Hände, andere ballten die Faust, manche umarmten sich. Sie freuten sich wenig überschwänglich, aber erleichtert über das souveräne 3:0 gegen Celtic Glasgow. Nur James Rodríguez stand etwas abseits und schimpfte. Er gestikulierte und beschwerte sich, weil ihm Rechtsverteidiger Rafinha den Ball nicht zugespielt hatte, James wähnte sich in aussichtsreicher Position, gerne hätte er noch eine Aktion gehabt. Schließlich war er nicht viel am Ball. Er kam erst zwölf Minuten vor dem Ende. Es war die letzte Szene eines mäßig spannenden Spiels, es war vor allem eine bezeichnende. Am Mittwochabend wurde klar, wer bei den Bayern unter Jupp Heynckes zu den ersten Gewinnern gehört - und wer nicht.

Der ungefährdete Erfolg gegen meist harmlos hölzerne Schotten war der zweite Sieg im zweiten Spiel unter Heynckes. Zu früh für viele Bayern-Fans, um in ein hymnisches Hosianna einzustimmen und schon verklärt von Titeln oder gar vom Triple zu träumen, dafür war der Gegner zu schwach und ähnlich überfordert wie der SC Freiburg beim 5:0 in der Bundesliga. Es war ein wichtiger Schritt in Richtung Achtelfinale der Champions League, vor allem aber war es ein klares Signal, wie Heynckes in den kommenden Wochen und Monaten aufzustellen gedenkt. Wenn möglich immer mit den gleichen Spielern. Heynckes baut sich seine Elf, er formt sich seine Mannschaft. Als Fundament einer langfristigen Erfolgsstrategie.

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Zehn Spieler aus der Startelf vom vergangenen Samstag begannen auch die Partie gegen Celtic, nur Sebastian Rudy ersetzte auf der Sechser-Position den an der Schulter verletzten Javi Martínez. Unermüdlich betonten Trainer wie Spieler nach Abpfiff die Bedeutung einer eingespielten Mannschaft, immer wieder war die Rede vom Automatismus. "Wir arbeiten an Automatismen", sagte Heynckes, "wir praktizieren Dinge im Training, damit der eine genau weiß, wie der Mitspieler läuft."

Davon sprach auch Robert Lewandowski und hielt ein Plädoyer für den Aufbau einer klaren 1A-Elf: "Es wird immer besser, der Automatismus wird noch mehr. Die Mannschaft braucht den Rhythmus, es ist wichtig, dass oft das gleiche System gespielt wird, dass sich die Spieler auf dem Platz verstehen." Und der Mittelstürmer sprach von den "kleinen Kleinigkeiten", die der Trainer geändert habe. Eine dieser Kleinigkeiten, nur als Beispiel: Kingsley Coman.

Unter Carlo Ancelotti lief der antrittsschnelle Linksaußen meist bis zur Grundlinie und flankte dann aus vollem Lauf blind in die Mitte. Dass der Ball bei einem Mitspieler ankam, war selten, und wenn, dann war es Zufall. Jupp Heynckes aber führte in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit Coman, sagte ihm, er solle auf den letzten Metern Tempo rausnehmen und lieber aufschauen, um einen Mitspieler in der Mitte zu suchen. Genau das beherzigte der Franzose. So fand seine Flanke den Kopf von Joshua Kimmich, schon stand es 2:0. Auch genau solche Eckballvarianten wie vor dem 3:0, als Arjen Robben Mats Hummels bediente, hatte Heynckes einstudieren lassen.

Drei klare Verlierer

Übrigens sagte auch Arjen Robben nach dem Spiel: "Wir brauchen Automatismen. Zu viel Rotation ist auch nicht gut." In der Tat gar nicht gut ist die Situation unter dem neuen Trainer vor allem für drei Spieler, die alle im Sommer neu nach München kamen: Niklas Süle, Corentin Tolisso und James Rodríguez.

In der Innenverteidigung um die gesetzten Mats Hummels und Jérôme Boateng ist für Süle derzeit kein Platz. Auch Tolisso, der für 41,5 Millionen Euro Ablöse aus Lyon kam, ist im Mittelfeld nur Ergänzungsspieler, so wie in der Offensive James. Der Kolumbianer kommt an Thomas Müller nicht mehr vorbei, Müller blüht unter Heynckes auf, gegen Celtic traf er zum 1:0. Wenig wunderlich, dass Müller später von seinem alten neuen Trainer schwärmte: "Er hat immer noch die gleiche Energie und Leidenschaft wie vor vier Jahren", schwelgte er, "er ist jeden Tag topmotiviert. Es ist wieder ein Ruck durch die Mannschaft gegangen." Überflüssig zu erwähnen, dass Müller noch erklärte: "Ganz wichtig sind die Automatismen."

Es ist müßig, über die Aufstellung am Samstag zu spekulieren, wenn der FC Bayern beim Hamburger SV antritt. Selbst wenn da zur Schonung eines Stammspielers mal einer der Reservisten von Beginn an spielt: In den danach so wichtigen Partien werden sie draußen sitzen, wird Jupp Heynckes wieder seinem Gerüst vertrauen. Dann, wenn es zweimal gegen Leipzig geht, in der Champions League nach Glasgow, und in der Liga nach Dortmund. Robert Lewandowski sagte noch: "Jeder Spieler weiß, was er zu machen hat."

Und wo er seinen Platz hat. Auf dem Spielfeld - oder auf der Ersatzbank.



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Schlumperli 19.10.2017
1.
Für Müller freut es mich besonders. Der wieder mit Selbstvertrauen in Topform wäre für die WM wichtig.
rösti 19.10.2017
2. Ja
Welch ein Spiel, diese Schnelligkeit, die Klasse beider Mannschaften.... ich war und bin begeistert!! Das was wir da zu sehen bekamen in den beiden Spielen unter dem " Jupp" war absolute Weltklasse!! Die Schnelligkeit das Pressing über fast 9o Min. das war schon gut anzuschauen.... Oh da habe ich leider die Mannschaften verwechselt die mit dem schnell spielen und dem Pressing das war Leipzig! Die Bayern sind die mit dem Rumpel Fußball, das mag zwar noch gehen gegen Freiburg und einer schwachen Mannschaft "Celtic ", aber gegen Dortmund usw. , da muss Müller und Co. noch Gas geben! Wenn Spieler von Bayern sagen, das sie zu wenig Trainiert haben, dann sollten sie mal Ronaldo anschauen, der mach nach dem Training noch ein Zusatz Training ( Freiwillig )... das ist der Unterschied das eine sind angestellte Profis (Arbeit nach Dienstplan ) der andere ist der "Weltstar".... übrigens der Messi macht es genau so!!!! Ronaldo und Co. wissen, immer in Bestform bringt Geld und die Werbeverträge auf der ganzen Welt!
-volver- 19.10.2017
3. Auch
wenn der Gegner gestern tatsächlich zu schwach war - man konnte deutlich erkennen, dass die bayern endlich wieder kompakte defensivarbeit verichteten. Celtic hatte gar nicht die gelegenheit gefährliche offensivaktionen zu kreieren. Das erinnerte mich nicht an guardiolas zeit, sondern an die von heynckes vor einigen jahren... Es dürfte den bayern sehr gelegen kommen, dass es erst im neuen jahr um die wurst geht... in der winterpause dürften sie die nötige zeit bekommen, um auf das bestmögliche niveau zu kommen.
Karbonator 19.10.2017
4.
Zitat von röstiWelch ein Spiel, diese Schnelligkeit, die Klasse beider Mannschaften.... ich war und bin begeistert!! Das was wir da zu sehen bekamen in den beiden Spielen unter dem " Jupp" war absolute Weltklasse!! Die Schnelligkeit das Pressing über fast 9o Min. das war schon gut anzuschauen.... Oh da habe ich leider die Mannschaften verwechselt die mit dem schnell spielen und dem Pressing das war Leipzig! Die Bayern sind die mit dem Rumpel Fußball, das mag zwar noch gehen gegen Freiburg und einer schwachen Mannschaft "Celtic ", aber gegen Dortmund usw. , da muss Müller und Co. noch Gas geben! Wenn Spieler von Bayern sagen, das sie zu wenig Trainiert haben, dann sollten sie mal Ronaldo anschauen, der mach nach dem Training noch ein Zusatz Training ( Freiwillig )... das ist der Unterschied das eine sind angestellte Profis (Arbeit nach Dienstplan ) der andere ist der "Weltstar".... übrigens der Messi macht es genau so!!!! Ronaldo und Co. wissen, immer in Bestform bringt Geld und die Werbeverträge auf der ganzen Welt!
Interessanterweisen WOLLTEN die Kritiker ein Zusatztraining, das Ancelotti bzw. sein Team allem Anschein nach nicht erlaubte. Daraufhin sollen sie tatsächlich privat trainiert haben. Siehe auch hier: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/vereine/707486/artikel_bayern-profis-trainierten-geheim-ohne-ancelotti.html Vielleicht also erst einmal informieren, bevor Sie auf die Bayern eindreschen. Was die sog. "Verlierer" angeht, die im Artikel erwähnt werden: Die Saison ist noch lang. Das ist eine Floskel, aber die stimmt halt. Von daher finde ich es zwar nicht überraschend, dass bereits jetzt wieder ein Ansatzpunkt gesucht wird, um kritische Beiträge rauszuhauen - denn nur loben geht ja nicht... aber doch etwas verfrüht.
jaduk 19.10.2017
5. Dieser Artikel ist Quark
Es ist ja so schön einfach für manche Sport-Journalisten. Wird rotiert, sind die vermeintlich besseren Spieler natürlich unzufrieden, wird nicht rotiert, sind die Spieler auf der Bank Verlierer. Irgendwas findet sich ja immer, was man möglichst negativ und am besten skandalträchtig formulieren und aufbauschen kann. Fakt ist aber, dass Heynckes gerade einmal zwei Spiele hinter sich gebracht hat und natürlich die Spieler auf den Platz schickt, die er besonders gut kennt und die auch wissen, wie Heynckes sich Fußball vorstellt. Automatismen gibt es auch in anderen Sportarten, da geht es eher darum, dass jeder Spieler, der eine bestimmte Position einnimmt, genau weiß, was er dort wann zu tun hat. Die Automatismen des Heyckes-Systems müssen von dem halben Team erst noch erlernt werden, also setzt Heynckes erstmal auf die Bewährten. Mit Gewinnern oder Verlierern hat das gar nichts zu tun. Sobald Spieler wie James, Süle oder Tolisso das System verinnerlicht haben, wird auch Heynckes stärker rotieren - schlicht aus Notwendigkeit. Vor allem in der Bundesliga werden die "Verlierer" dann zeigen können, dass sie ein gleichwertiger Ersatz sein können, um sich dann vieleicht auch Einsatzzeiten in der CL zu verdienen. Wenn das nicht klappt, hat Heynckes dann immerhin ausgeruhte, bewährte Kräfte. Genau mit dieser Balance wurde auch das Triple gewonnen.
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