Bayern-Sieg beim HSV Alle Angaben ohne Gewähr

Mit drei Siegen hat Jupp Heynckes die Wogen beim FC Bayern geglättet. Doch klare Schlüsse lassen sich noch nicht ziehen, zu schwach waren die bisherigen Gegner. Echte Härtetests kommen jetzt erst für die Münchner.

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Aus Hamburg berichtet


Mats Hummels ging langsam und mit leicht verzerrtem Gesicht in die Kabine. Wer nicht wusste, dass der Verteidiger mit dem FC Bayern München soeben 1:0 beim Hamburger SV gewonnen und dadurch nach Punkten zu Spitzenreiter Borussia Dortmund aufgeschlossen hatte, musste annehmen, dass die Bayern wichtige Zähler in der Meisterschaft hatten liegen lassen.

Doch Hummels' Mimik passte zum Auftritt des Deutschen Rekordmeisters: Die Bayern hatten wenig überzeugend gespielt, waren vor allem in der ersten Halbzeit ideen- und konzeptlos aufgetreten. Ein Erfolg der Marke Arbeitssieg oder auch Dienst nach Vorschrift. Und das gegen einen Gastgeber, der zwar großartig kämpfte, aber eben auch seit dem 25. August nicht mehr gewonnen hat und nach einer Roten Karte für Gideon Jung 51 Minuten lang in Unterzahl spielte.

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Bundesliga-Analyse: Der verhinderte Masterplan

"Es fehlte ein bisschen die Harmonie, Homogenität und in der ersten Halbzeit der Spielrhythmus", resümierte Jupp Heynckes nach Abpfiff. Der Trainer hob hervor, dass er an seinem 13. Arbeitstag durch die Hereinnahme von fünf neuen Akteuren ein "gewisses Risiko" eingegangen sei. Zumal er im Vorfeld noch davon gesprochen hatte, dass "zu viel Rotation" nicht gut sei.

Die Lücke zum BVB ist bereits geschlossen

Dennoch ließ Heynckes zunächst Müller, Rudy, Boateng, Kimmich und Thiago auf der Bank und brachte Süle, Rafinha, James, Vidal sowie Tolisso. Der französische Neuzugang schoss in der 52. Minute den Siegtreffer. Natürlich hätte der Erfolg in der zweiten Halbzeit höher ausfallen können - so trafen beispielsweise Thiago und Tolisso jeweils den Pfosten. Andererseits gelang den Münchnern der einzige Treffer nur, weil Mavraj, Papadopoulos und van Drongelen in der HSV-Abwehr unfähig waren, eine einfache Hereingabe konsequent zu klären. Der Ball landete deshalb beim eingewechselten Müller, dessen Querpass Tolisso aus fünf Metern ins Netz schob.

Somit sieht die Bayern-Bilanz seit dem Trainerwechsel von Carlo Ancelotti zu Jupp Heynckes so aus, wie eine Heynckes-Bilanz in der Vergangenheit so oft ausgesehen hat - makellos. Drei Spiele, drei Siege, 9:0 Tore. Als am vergangenen Samstag mit dem Heimspiel gegen Freiburg Heynckes' vierte Amtszeit als Bayern-Coach begann, lagen die Münchner in der Tabelle noch fünf Punkte hinter Spitzenreiter Dortmund. Jetzt rangieren sie nur aufgrund des um drei Treffer schlechteren Torverhältnisses hinter der Borussia auf Platz zwei.

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Niederlage gegen den FC Bayern: Hamburgs vergeblicher Kampf

Er habe sich die Tabelle bei seinem Amtsantritt gar nicht angeschaut, so Heynckes. Und er habe auch "nicht durchgespielt", wann man an Dortmund rankommen könne. Anstelle auf das Ranking zu gucken, fokussierte sich der 72-Jährige auf den Rasen. Er habe Wert darauf gelegt, sagt Heynckes, "die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen" - und zwar "mit Spaß und Lockerheit". Hummels bescheinigt ihm, "viel Qualität ins Training" gebracht zu haben. Das, so der 28-Jährige, werde "uns auf jeden Fall guttun für den Rest der Saison".

Die ersten Bewährungsproben stehen für die Bayern an

Doch wie gut sind diese Münchner wirklich? Und wie viel besser als noch unter Ancelotti? Quo vadis, FC Bayern? Diese Frage lässt sich nach zwei Wochen Heynckes trotz der drei Zu-null-Siege nicht beantworten. Dafür waren der SC Freiburg (5:0) und Celtic Glasgow (3:0) einfach nur Aufbaugegner - aber eben kein echter Maßstab. Und was wäre beispielsweise gewesen, wenn Bayern-Schlussmann Sven Ulreich unmittelbar nach der Führung nicht ebenso fantastisch wie artistisch einen Schlenzer von Hamburgs André Hahn aus dem Dreieck gekratzt hätte?

Doch in München werden sie bald wissen, wo sie wirklich stehen in diesem bislang so heißen Herbst 2017. Ob nun tatsächlich alles so viel besser ist, wie es die jüngsten Ergebnisse bei einem flüchtigen Blick suggerieren. Am Mittwoch tritt München zum DFB-Pokalspiel bei RB Leipzig an (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Am Samstag gastieren die Leipziger dann zum Bundesliga-Top-Spiel bei den Bayern. Eine Woche später ist der FCB beim BVB gefordert. Und zwischen Leipzig und Dortmund geht's noch zu Celtic Glasgow.

"Das werden jetzt Hammergegner und zwei Wochen, die es in sich haben", sagte auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Hummels betonte, dass man "sehr viel vor der Brust, aber auch genug Selbstbewusstsein" habe. "Nach den nächsten vier Spielen", so Hummels, "kann man ziemlich genau sagen, wo wir stehen."

Hamburger SV - Bayern München 0:1 (0:0)
0:1 Tolisso (52.)
Hamburg: Mathenia - Mavraj, Papadopoulos, van Drongelen (76. Ito) - Jung, Sakai - Diekmeier, Douglas Santos - Hunt (62. Holtby) - Hahn (76. Kostic), Wood
München: Ulreich - Rafinha, Süle, Hummels, Alaba - Tolisso, Vidal - Robben, Rodríguez (46. Thomas Müller, 55. Thiago), Coman (90.+3 Kimmich) - Lewandowski
Schiedsrichter: Fritz
Rote Karte: Jung wegen groben Foulspiels (39.)
Gelbe Karten: Sakai (2) - Rodríguez, Tolisso (2)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

insgesamt 24 Beiträge
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doppelnass 22.10.2017
1. Hier die Schlüsse
Man kann sehr wohl Schlüsse ziehen. Ich mach das mal. Gewinnt Bayern gegen Leipzig, reicht es halt für die Liga. Gewinnt Bayern gegen Dortmund liegt es an der Krise des BVB. Gewinnt Bayern gar gegen PSG, ging es Paris um nichts mehr, weil sie ja bereits qualifiziert waren. Verliert Bayern eines dieser Spiele, ist Krise. Ich erinnere mich an die grandiosen Siege gegen Barcelona. Damals lag es halt an Barcelona, weil die so eine schlechte Phase hatten. Ach, was freue ich mich auf die nächsten Spiele.
danubius 22.10.2017
2. Fazit HSV - FCB
A bisserl arg rumgschlampert ham's scho', meine Buam. Fast so wie in Tagen zu Zeiten Carlos wurden wieder viele Pässe sehr unsauber gespielt, wurden Konter scheinbar nur mühsam angetreten, fehlte der Teamspirit im Zu- und Zusammenspiel, war das Pressing dem HSV gegenüber trotz deren Unterzahl äusserst mühsam. Lag's an der Rotation? Ich weiß es nicht - jedenfalls waren die HSVler als Team wesentlich fixer und schneller am Ball. Hier hat Jupp noch ziemlichen Überzeugungsbedarf. Hoffentlich geht der FCB im DFB-Pokalspiel gegen Leipzig und den darauf folgenden Spielen (BuLi/ CL) etwas runder zur Sache.
wolke:sieben 22.10.2017
3. Jetzt gehts los,
die Bayern werden in zwei Wochen dastehen wo sie hingehören....nämlich auf Platz eins in der Bundesliga, im Pokal und in der CL eine Runde weiter, was will der Bayernfan mehr ??
ortibumbum 22.10.2017
4. ...Bayern Dusel
Es geht wieder los, oder es hat nie geendet. Ich hoffe nur, dass ähnliche Fouls der Bayern genauso geahndet werden, wie das der HSV-er. Ich erinnere nur an Vidal und Ribery, die die Hälfte der Saison hätten gesperrt werden müssen. Aber die Schiedsrichter bekommen in München sicher First class Betreuung und kleine Geschenke; das erhält die "Freundschaft", auch auf anderen Plätzen. Die Rudelbildung der Bayern und das ewige Gemeckere bei jedem Foul der Bayern macht sich bezahlt, die Schiedsrichter sind Beeindruckt - leider -. Wenn Bayern in der Liga spielt, hab ich nie den Eindruck, dass der Schiedsrichter dasagen hat und der erste Mann auf dem Platz ist????? Komisch. Welche Rolle spielt eigentlich der DFB?
steveleader 22.10.2017
5. Jetzt gaben wir den richtigen Trainer.
Auch wenn dieser nur ein Übergang sein kann.
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