Fotostrecke

Champions League: Der doppelte Neymar ist zu viel

Foto: Kerstin Joensson/ AP/dpa

Match gegen Barcelona Darum ließ Guardiola Götze auf der Bank

Die Bayern brauchten im Rückspiel gegen Barcelona Tore. Trotzdem ließ Trainer Josep Guardiola Mario Götze lange außen vor. Die Analyse zeigt: Der Maßnahme lag ein Taktik-Kniff zugrunde.

Es lief die 68. Minute im Spiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona, da sorgte Münchens Trainer Josep Guardiola beim Stand von 2:2 mit einem Wechsel für irritierte Blicke bei einigen Stadionbesuchern. Er nahm Philipp Lahm vom Feld und brachte Sebastian Rode. Nicht Mario Götze, seinen besten Offensivjoker.

Dass es Götze wie schon im Hinspiel in Barcelona nicht in die Startelf geschafft hatte, überraschte. Dass Guardiola es später offenbar eher Rode zutraute, der Mannschaft Impulse zu verleihen, als dem WM-Helden, dürfte manch einer als Demütigung interpretiert haben. Doch das stimmt so nicht.

Schweinsteiger und Lahm statt Götze

Denn: Grund für Götzes Ersatzrolle war die taktische Lehre, die Guardiola aus dem 0:3 vom vergangenen Mittwoch gezogen hatte. Für das Rückspiel hatte der Bayern-Coach einen Plan ausgetüftelt, der sowohl Barcelonas Schwächen offenbarte als auch bessere Kontrolle und Absicherung gegen Konter bot. Ein Plan, in den Götze mit seinem Taktikprofil nicht optimal hineinpasste.

Die Rolle, die Götze normalerweise bei den Münchnern einnimmt, existierte im zweiten Duell mit Barça nicht. Meist spielt der 22-Jährige in einem 3-4-2-1 als linker der beiden Halbstürmer oder gibt einen richtigen Linksaußen. Gegen die Katalanen strich Guardiola beide Positionen.

Die Bayern, obwohl in derselben Besetzung wie in Barcelona aufgelaufen, traten diesmal völlig anders auf. Ein entscheidender Unterschied war die Staffelung im Ballbesitz. Die Münchner versuchten, sehr breite Anspielstationen zu schaffen. Dadurch sollte die Formation der Katalanen entzerrt und Raum für Angriffe speziell über den rechten Flügel geöffnet werden. Denn über die Außenbahnen sind die Katalanen durchaus verwundbar.

Sämtliche Ballaktionen von Philipp Lahm in der ersten Hälfte: Bayerns Kapitän spielte wie schon gegen Porto vorne rechts und sorgte für Breite im Spiel der Münchner.

Sämtliche Ballaktionen von Philipp Lahm in der ersten Hälfte: Bayerns Kapitän spielte wie schon gegen Porto vorne rechts und sorgte für Breite im Spiel der Münchner.

Foto: Opta

Lahm klebte konsequent an der Seitenlinie und lockte den Gegner nach außen. Bekam er den Ball, versuchte er häufig, in den Strafraum zu flanken. Waren die Mitspieler in Ballbesitz, suchte er kaum den Weg in die Tiefe, sondern bot sich für Kurzpässe an, immer bereit, die Kollegen abzusichern, falls sie sich vorwagten. Götze wäre in dieser Rolle verschenkt gewesen; weder hätte er seine starken Bewegungen zwischen die gegnerischen Linien einbringen können, noch ist er ein besonders guter Flankengeber.

Die Grafik zeigt alle Tor- und Torschussvorlagen sowie sämtliche Flanken der Bayern. Guardiolas Elf versuchte es meist über die Flügel, bevorzugt über rechts. 20 Flanken schlugen die Münchner, im Hinspiel waren es elf gewesen.

Die Grafik zeigt alle Tor- und Torschussvorlagen sowie sämtliche Flanken der Bayern. Guardiolas Elf versuchte es meist über die Flügel, bevorzugt über rechts. 20 Flanken schlugen die Münchner, im Hinspiel waren es elf gewesen.

Foto: Opta

Während die Bayern über rechts nach vorne spielten, rückte Bastian Schweinsteiger ins Zentrum. Dort kontrollierte er mit Thiago und Xabi Alonso das Mittelfeld. Schweinsteiger wägte ab, ob er von dort in den Strafraum aufrücken sollte, um als Abnehmer für Flanken zu Abschlüssen zu kommen, oder ob er absichern sollte. Der 30-Jährige war mehr zentraler denn linker Mittelfeldspieler und sorgte mit dafür, das Team nach einem Ballverlust gegen Konter zu stabilisieren.

Götze hingegen ist keine Passmaschine, ihm fehlt Schweinsteigers Kopfballstärke und Aufmerksamkeit in der Defensive. Er ist keiner, der die Dominanz im Mittelfeld erhöht, sondern ist stark darin, Angriffe in den Strafraum zu bringen. Ein Dribbler und Kombinierer. Und aus Guardiolas Sicht ein Wagnis gegen das wohl beste Konterteam der Welt.

Bayerns Fokus auf die rechte Angriffsseite und Schweinsteigers Einrücken hatten einen positiven Nebeneffekt: Waren die Münchner im rechten Offensivbereich am Zug, lag die größtmögliche Distanz zwischen dem Ball und Lionel Messi, der auf Barças rechtem Flügel, also dem gegenüberliegenden Spielfeldeck begann.

Die Dreiecke symbolisieren gelungene (grün) und misslungene (rot) Dribblings von Lionel Messi; der grüne Kreis markiert einen Torschuss, der gelbe einen geblockten Abschluss. Im Hinspiel waren Messi neun von 14 Dribblings, vier Abschlüsse und zwei Tore gelungen.

Die Dreiecke symbolisieren gelungene (grün) und misslungene (rot) Dribblings von Lionel Messi; der grüne Kreis markiert einen Torschuss, der gelbe einen geblockten Abschluss. Im Hinspiel waren Messi neun von 14 Dribblings, vier Abschlüsse und zwei Tore gelungen.

Foto: Opta

Dass Guardiola auch auf Götze verzichtete, als er in der zweiten Halbzeit auf ein 4-3-3 umstellte, hatte ähnliche Gründe. Zwar offenbarte Barça Lücken in der Formation, die Götzes Spielweise entgegengekommen wären. Doch der fürchtete offenbar auch dann noch die katalanischen Konter, als das Spiel der Gäste längst an Intensität verloren hatte und sie den Vorsprung zu verwalten versuchten.

Götze ist für Bayern verzichtbar - noch

Mit Götze wären die Bayern wohl gefährlicher gewesen. Doch Harmlosigkeit war nicht das Problem der Münchner. 19 Torschüsse und drei Treffer zeugen davon. Das Problem war, dass es nicht konstant gelang, Barcelonas Offensive zu kontrollieren. Mit Guardiolas Taktik ließen die Bayern im Rückspiel nur fünf Abschlüsse zu.

Götze ist nicht zu schlecht für die Bayern, immerhin hatte ihn Guardiola immer wieder auch in wichtigen Spielen von Beginn an aufgeboten, etwa in beiden Partien gegen Porto, im DFB-Pokal gegen Bayer oder im Liga-Hinspiel gegen den BVB.

Es ist aber so, dass Götze längst nicht die Dominanz ausstrahlt, um eine solche Bedeutung für Guardiolas Team einzunehmen, dass dieser seine Taktik auf Götze ausrichtet. Götze ist verzichtbar. Noch. Es fehlt ihm ein weiterer Schritt in seiner Entwicklung, und das ist völlig normal: Mario Götze ist erst 22 Jahre alt.

Fotostrecke

FC Bayern in der Einzelkritik: Vorne getrickst, hinten gepatzt

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.