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07. Januar 2007, 16:56 Uhr

FC Bayern München

Deisler stand vor Karriere-Ende, Hoeneß plant Großes

In der Regel sind Trainingslager langweilig, nicht so die des FC Bayern München: Erst berichtete Nationalspieler Sebastian Deisler, dass ihn eine Verletzung fast in den Ruhestand gezwungen hatte, dann gab Uli Hoeneß ein Interview. Darin sprach er von Muskelspielen - mit viel Geld.

Dubai - "Wir haben da schon einiges vorbereitet, haben einen Transfer fast abgeschlossen, bei den anderen sind wir auf einem guten Weg", bestätigte der Manager in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Die Verpflichtung von Jan Schlaudraff (Alemannia Aachen) zur neuen Saison war erst der Anfang, Hoeneß' neueste Worte ein Signal an die Konkurrenz. Schließlich sei auch Schlaudraff ja angeblich schon bei Werder Bremen gewesen, so der Manager, aber da habe er dann halt "mal mit den Muskeln gespielt", um allen zu zeigen, dass er in Deutschland noch jeden Spieler kriegen könne, den er wolle.

Bayern-Profi Deisler: "Es geht immer weiter"
DPA

Bayern-Profi Deisler: "Es geht immer weiter"

Schlaudraff ist jedoch ein Schnäppchen im Vergleich zu dem, was Hoeneß demnächst plant. "Es werden schon noch einige Dinge folgen, die zeigen, dass wir eine aggressive Transferpolitik machen wollen", sagte der Manager. Die kommende Transferperiode, so lässt er durchblicken, wird für den FC Bayern eine entscheidende werden. Auf dem Einkaufszettel stehen nach dem Weggang von Michael Ballack und Zé Roberto erfahrene Spieler, der FC Bayern könne sich nicht auf eine "Fohlen-Elf" verlassen, so Hoeneß. "Wir müssen auf hohem Niveau die Innovation vorantreiben".

Hoeneß selbst gibt dabei das Tempo vor, bis März, April soll das neue Gesicht des FC Bayern erkennbar sein. Denn je früher der neue Kader stehe, desto besser, glaubt der Manager. "Damit sind wir in der Vergangenheit immer gut gefahren." Und in den kommenden drei Monaten, kündigte Hoeneß an, werde anhand der Transfers auch erkennbar werden, welche Strategie die Münchner für die Zukunft verfolgen. Der französische Nationalspieler Franck Ribery (Olympique Marseille) steht auf dem Wunschzettel. Ob er kommt, hängt auch davon ab, wie stabil sich Sebastian Deisler demnächst präsentiert.

Der Nationalspieler selbst überraschte am Rande des Trainingslagers in Dubai mit einem Geständnis. Er habe nach seiner insgesamt fünften Knie-Operation, die ihn auch die WM-Teilnahme im Sommer gekostet hatte, vor dem Karriereende gestanden. "Ich war schon kurz davor, aufhören zu müssen", sagte Deisler. Die Aussage am Ende seiner Pressekonferenz im Mannschaftshotel erklärte zudem, warum der 27-Jährige zuvor keine konkreten Ziele für das neue Jahr genannt hatte. Er wolle "keine Ansprüche" stellen, sagte er lediglich, und dass er "keine Erwartungen nach oben schrauben" wolle.

Hoeneß glaubt an den Dauerverletzten, bei dem man "vor der Winterpause sehr gute Ansätze gesehen" habe. Die Muskelverletzung, die ihn kurz vor Weihnachten erneut stoppte, könne "jedem anderen gesunden Spieler auch passieren", so der Manager. "Das macht mich nicht nervös." Deisler selbst denkt nicht ans Aufhören, er könne spielen, "ich stehe auf dem Platz. Es geht immer weiter". Vor Weihnachten habe sich Bundestrainer Joachim Löw telefonisch bei ihm gemeldet, "das fand ich schön". Gedanken an ein rasches Comeback in der Nationalelf, die am 7. Februar in Düsseldorf gegen die Schweiz das erste Länderspiel des Jahres bestreitet, verschwende er aber derzeit nicht. "Das ist alles so weit weg. Ich schaue von Tag zu Tag".

goe/sid/dpa

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