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Verletzung von Bayerns Alaba Gefahr für Guardiolas Ziele

Der FC Bayern ist schockiert: David Alaba fällt mit einem Innenbandriss lange aus. Trainer Josep Guardiola fehlen nun fast alle schnellen Kreativspieler - ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase.
Von Sebastian Winter

Die Stimmung war gedrückt im Wiener Ernst-Happel-Stadion, trotz des friedlichen 1:1-Unentschiedens im Freundschaftsspiel Österreichs gegen Bosnien. Denn David Alaba hatte sich in seiner Heimatstadt schwer verletzt. Noch vor der Halbzeitpause war ihm der Bosnier Ermin Bicakcic, der in der Bundesliga für Hoffenheim spielt, bei einem Zweikampf unglücklich auf das linke Knie gefallen.

"Heute überwiegt die Enttäuschung über Davids Verletzung. Es schaut nicht gut aus", sagte Alabas Mannschaftskollege Marc Janko nach dem Schlusspfiff. Sein Treffer zum 1:0 spielte da fast keine Rolle mehr.

Mit roten Schuhen, grauem Jogginganzug und roter Baseballmütze betrat Alaba am Mittwochvormittag die Praxis von Bayern-Klubarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in der Münchner Innenstadt. Der 22-Jährige lief auf Krücken, und als er am frühen Nachmittag wieder herauskam, stand die befürchtete schlimme Diagnose fest: Innenbandriss im linken Knie, 14 Tage Gips, sieben Wochen Pause.

Schon wieder. Erst Anfang November hatte Alaba, damals im rechten Knie, einen Teilabriss des Innenbands und einen Meniskusschaden erlitten.

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Ausfälle beim FC Bayern: Millionenschwere Verletztenliste

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Auch wenn der FC Bayern schnell betonte, dass die Saison für Alaba noch nicht vorbei sei: Sollte seine Mannschaft das DFB-Pokalfinale am 30. Mai und das Champions-League-Endspiel in Berlin am 6. Juni erreichen, dürfte es für den Österreicher wohl knapp werden. Denn sein Trainer Josep Guardiola wird in solch wichtigen Spielen kaum einem Profi ohne Spielpraxis vertrauen.

"Ich bin jetzt natürlich tieftraurig", sagte Alaba nach der niederschmetternden Nachricht, "aber ich habe ein großes Ziel vor Augen: Ich will beim Saisonfinale wieder dabei sein. Ich werde mich jetzt gut erholen und dann in der Reha Vollgas geben." Er klang hoffnungsvoll, aber auch nicht wirklich realistisch.

Für die Bayern ist Alabas Ausfall eine Hiobsbotschaft, weil es keinen anderen Münchner Profi mit seinem Profil gibt. Alaba ist, obwohl eigentlich linker Verteidiger bei den Bayern, vor allem bei Standardsituationen und mit Fernschüssen sehr torgefährlich; im Verbund mit dem derzeit ebenfalls angeschlagenen Franck Ribéry stellt er auf der linken Seite viele Gegner vor Probleme. Der Österreicher interpretiert seine Rolle extrem offensiv, er ist schnell, dribbelstark und hat eine außergewöhnliche Ballkontrolle.

Guardiola beorderte Alaba deshalb auch öfter in die zentrale Defensive oder Offensive. Der Spanier hält seinen Musterschüler, neben Philipp Lahm, für einen der komplettesten Bayernprofis: "David ist ein totaler Fußballspieler. Er kann alle Positionen überragend spielen. Er ist sehr, sehr wichtig für unsere Flexibilität, unsere Spielweise", sagte Guardiola im November nach Alabas erster Verletzung.

Guardiola fehlen etliche wichtige Spieler

Nun fehlt dem Trainer in der entscheidenden Saisonphase erneut ein Schlüsselspieler, und Erinnerungen an die folgenschwere Verletzung von Thiago vor gut einem Jahr kommen hoch. Nach der frühesten Meisterschaft in der Vereinsgeschichte wurde das Mannschaftsgebilde damals plötzlich instabil, es folgte das Aus im Halbfinale der Champions League  gegen Real Madrid.

Schon beim Spiel an diesem Samstag in Dortmund (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird man erkennen können, wie schwer Alabas Ausfall tatsächlich wiegt. Gerade gegen extrem schnelle Kontermannschaften wie die Borussia oder auch Real sind die Bayern anfällig.

Alaba ist in solchen Spielen auch ein flinker, mannschaftsdienlicher Pendler zwischen eigenem und gegnerischem Strafraum, der Lücken beim Gegner reißen und eigene Löcher schließen kann. Weder Mario Götze, der in der Defensive zu schwach ist, noch Juan Bernat, Alabas offensiv wenig mutiger Ersatzmann auf dem linken Flügel, können ihn ersetzen.

Da auch Arjen Robben mit einem Bauchmuskelriss wochenlang ausfällt, Ribéry nach zu frühem Trainingsstart wieder Schmerzen im Sprunggelenk hat, und die vormals Langzeitverletzten Thiago, Holger Badstuber, Lahm sowie Javier Martínez erst langsam wieder in die Mannschaft finden, fehlen Guardiola nun fast all seine schnellen Kreativspieler. Der Trainer musste die ganze Saison hindurch improvisieren, doch so heftig wie jetzt war es noch nie.

In der Liga und im DFB-Pokal können die Münchner die schwerwiegenden Ausfälle kompensieren, in der Champions League auf höchstem Niveau aber wohl kaum. Guardiola muss nun die verbleibenden Mannschaftsteile optimal zusammenpuzzeln. Sonst sind die hehren Saisonziele des FC Bayern akut gefährdet.

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