Bayerns Pokalgegner Nöttingen Dahoam in Baden

Das Dorf hat 2500 Einwohner, der Verein spielt in der Oberliga: Der FC Nöttingen fiebert dem Pokalspiel gegen Bayern München entgegen. Für Unmut sorgt jedoch, dass nur ein Drittel der Tickets in den freien Verkauf gelangte.

FC Nöttingen e.V.

Der Trainer des FC Nöttingen freut sich doppelt auf das Pokalspiel gegen den FC Bayern München (Sonntag, 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Denn Michael Wittwer ist Bayern-Fan. Das Duell mit seinem Lieblingsklub stellt den 48-Jährigen allerdings auch vor Probleme: "Normalerweise arbeitest du in der Vorbereitung auch die Schwächen des Gegners heraus, um deine Jungs optimal vorzubereiten", sagt Wittwer, der 149 Bundesligaspiele für den Karlsruher SC gemacht hat: "Aber es wäre lächerlich, wenn wir ein Analyseteam rausgeschickt hätten. Meine Spieler lachen mich doch aus, wenn ich denen erzähle: 'Der Lahm, der kann nix'."

So sieht es auch der Vereinschef Dirk Steidl. "Dass wir nicht gewinnen werden, ist klar." Irgendwelche Kampfansagen an den haushohen Favoriten? Steidl schaut nur mitleidig drein. "Bayern hat im Jahr 40 bis 50 Spiele, die jeden Fußballfan interessieren", sagt er. "Wir haben eines im Leben." Man wolle sich da "auf allen Ebenen gut präsentieren. Aber deswegen müssen wir ja jetzt nicht anfangen zu spinnen".

Wo man sich auch umhört, im ganzen Dorf scheint sich keiner zu finden, der sich vom Sonntag mehr erwartet als eine einigermaßen glimpfliche Niederlage. Seit Tagen ziehen immer wieder neue Kamerateams durch den Ort, dessen drängendstes Problem die Nähe zur A8 zwischen Karlsruhe und München ist. Ob bei Metzger Schneider, aus dessen Schaufenster ein Teddybär mit FC-Nöttingen-Trikot herauslächelt, ob beim Bäcker oder in der Gaststätte "Zur Traube", alle freuen sich auf das Spiel - nicht nur die zahlreichen Bayern-Fans im Ort. Und bis auf ein Schulkind, das fröhlich "FCN-FCN" trällert, schauen alle eher genervt, wenn sie gefragt werden, ob ihr Verein denn nicht wenigstens Außenseiterchancen habe.

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FC Nöttingen: "Dass wir nicht gewinnen, ist klar"
Verdammt stolz auf das Erreichte sind sie in Nöttingen natürlich trotz des Understatements. 1972 kickte der FCN noch in der Bezirksliga, 2002 war man in der Oberliga Baden-Württemberg angekommen, zu deren Inventar man seither zählt. 2013/2014 stieg der Verein aus dem 2500-Seelen-Dorf in die Regionalliga auf, im Jahr danach folgte aber direkt der Abstieg, weil Saarbrücken und Offenbach den Aufstieg in die Dritte Liga verpassten.

Und dann wäre da noch die außergewöhnliche Pokalgeschichte der in Lila spielenden Nöttinger. Sechsmal in Folge stand der Klub im Badischen Pokalfinale, in den vergangenen vier Jahren spielte Nöttingen dreimal in der ersten Runde gegen Erstligisten. 2013 unterlag der Oberligist Schalke 04 nach starker Leistung unglücklich 0:2.

Ein Spieler orderte 700 Tickets

"Schalke war toll", erinnert sich Wittwer, dessen Ex-Frau Sabine in den Neunzigerjahren das KSC-Stadionlied ("KSC olé olé") einsang, "aber die Bayern sind natürlich das Nonplusultra". Kein Wunder also, dass die knapp 30.000 Tickets für die Partie ruckzuck weg waren. Und das, obwohl das Spiel natürlich nicht im Nöttinger Panoramastadion, sondern im Karlsruher Wildpark stattfindet.

Wie der FCN bei der Ticketvergabe vorging, hat allerdings nicht jedem gefallen. 5000 Karten gingen nach München, nur 9000 in den freien Verkauf, fast 15.000 waren vorbestellt. "Wir haben da natürlich auch an unsere 150 Sponsoren gedacht, die uns tagtäglich am Leben halten", sagt Vorstand Steidl.

Dass ein Spieler aber gleich 700 Tickets geordert hat, habe nicht jeder eingesehen, der beim Spiel des Jahres leer ausging, gibt Steidl zu. Die Aufregung versteht er trotzdem nicht. Zum einen habe derjenige auch fürs Schalke-Spiel 522 Karten bekommen. Und zum anderen seien insgesamt nur ganz wenige Tickets im Onlinehandel aufgetaucht, darunter eines, das der Cheftrainer an einen Bekannten weitergegeben habe. Man könne davon ausgehen, sagt Steidl, dass derjenige nun nicht mehr zu den besten Freunden von Michael Wittwer zähle.

So ganz unvorbereitet geht der derweil nicht in die Partie gegen seinen Lieblingsverein: "Mein Sohn war mit einem Mitarbeiter der Nachwuchsabteilung beim Supercup in Wolfsburg und hat mir ein paar Sachen aufgeschrieben."

insgesamt 3 Beiträge
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pb-sonntag 07.08.2015
1.
Vielleicht gibt es ja eine Pokalsensation. Und da schreibe ich nicht von den zig Toren der Bayern, die frühe Auswechslung von Lahm und Götze, weil sie wiedermal keine Leistung brachten, dem Luxusproblem, dass die Spanier haben - nein, ich schreibe von dem einen Tor mehr für Nöttingen. Ich drücke fest die Daumen!!
deglaboy 07.08.2015
2. Klarer Fall...
Nöttingen gewinnt - im Elfmeterschiessen. Wenn Xabi Alonso ran darf.
amir_khan 09.08.2015
3.
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