Jubiläumsmeisterschaft gegen Dortmund Der, gähn, zehnte Titel für die Bayern

Der einseitigste Topwettbewerb in Fußball-Europa heißt Bundesliga: Zum zehnten Mal in Folge sind die Bayern Meister. Perfekt wurde der Titel ausgerechnet gegen den BVB. Der hielt nur phasenweise mit.
Joshua Kimmich: Elfmeter verschuldet, Meister geworden

Joshua Kimmich: Elfmeter verschuldet, Meister geworden

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FILIP SINGER / EPA

Alle Zehne: Bayern München ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister. Wer sich nicht verzählt hat, ist bei zehn Titeln angelangt, die die Bayern nun hintereinander gewonnen haben. Die Jubiläumsmeisterschaft feierten sie im Duell mit dem sogenannten Rivalen, Borussia Dortmund. Mehr Symbolik geht kaum.

Das Ergebnis: 3:1 (2:0) gewannen die Bayern. Hier geht es um Spielbericht.

Der Meister und die Feier: Für die Bayern sind Meisterschaften Routine, für ihren Trainer aber stand die erste Bierdusche seiner Profikarriere an. Verpasst bekam Julian Nagelsmann sie von Benjamin Pavard, und der landete einen Volltreffer. Kurz darauf kamen die Feier-T-Shirts zum Vorschein, die Fans sangen, die Spieler tanzten, stets wurden neue Bierhumpen angeliefert. Man muss den Bayern ihre Freude nicht madig machen, sie haben sie sich verdient. Aber inzwischen ist man diese Bilder doch zu sehr gewohnt.

Dusche ohne Wasser: Pavard und Nagelsmann

Dusche ohne Wasser: Pavard und Nagelsmann

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Die erste Hälfte: Eine Viertelstunde lang hielt sich der BVB unbeschadet, dann traf Serge Gnabry. Robert Lewandowski erhöhte auf 2:0, vorausgegangen war dem Treffer ein Ballgewinn von Joshua Kimmich im Pressing. Später schoss Lewandowski noch am Tor vorbei (44.). Und Dortmund? Kam in der 27. Minute zu seiner einzigen Chance, da aber traf Erling Haaland nach Vorarbeit von Julian Brandt den Ball nicht voll.

Ein Gnabry genügt: Unter der Woche hatte Michael Zorc den finanziellen Rückstand auf die Bayern beschrieben. »Was die Gehälter angeht, kann sich der FC Bayern circa zehn Gnabrys mehr leisten als wir«, sagte der BVB-Sportdirektor. In München machte jener Gnabry in Hälfte eins den Unterschied. Nach einer Ecke köpfte Leon Goretzka den Ball in seine Richtung, am Strafraumrand ließ Gnabry den Ball auf den Oberschenkel tropfen und schoss ihn volley ins Tor (15. Minute). Und vor dem 2:0 setzte er BVB-Verteidiger Dan-Axel Zagadou entscheidend unter Druck.

Tor treffen und Tee trinken: Nach seiner Auswechslung zeigten die TV-Kameras Gnabry auf der Bayern-Bank. Das Meisterbier musste da warten. Gnabry hatte es sich offenbar gemütlich gemacht, inklusive einer Tasse Tee in der Hand.

Jubelnde Bayern-Spieler

Jubelnde Bayern-Spieler

Foto: Matthias Balk / dpa

Die zweite Hälfte: Joshua Kimmich sorgte für ein bisschen Spannung, indem er BVB-Kapitän Marco Reus im eigenen Strafraum foulte, ohne, dass konkrete Gefahr gedroht hätte. Den Elfmeter verwandelte Emre Can souverän (52.). Reus scheiterte kurz darauf aus spitzem Winkel an Manuel Neuer (54.), später schoss Haaland knapp über das Tor (81.). Mehr Chancen hatte aber weiterhin der FC Bayern. Lewandowski verfehlte erst das lange Eck (58.), kam dann nicht an Torwart Marwin Hitz vorbei (69.). Und dann entschied der eingewechselte Jamal Musiala die Partie (83.).

Man merkte, die Bayern wollten den Titel heute gewinnen: Das war gerade in Hälfte zwei zu spüren gewesen. Da schien es, als hätten die Dortmunder den FC Bayern mit ihrem Anschlusstreffer gekitzelt. »Es hat sich zuletzt viel Frust breitgemacht. Den konnten wir uns heute von der Seele spielen«, formulierte es Thomas Müller anschließend bei Sky. In Pokal und Europacup waren die Münchner ausgeschieden, dieses Spiel gegen den BVB hatte dennoch ein kleines bisschen K.-o.-Charakter.

Dortmunder Ansprüche: »Im Pokal raus, in der Champions League raus, die Fans erst spät im Stadion gehabt – es ist in der Summe eine wenig zufriedenstellende Saison für uns«, resümierte Marco Rose. Ein Grund seien die vielen individuellen Fehler vor Gegentoren gewesen. Einen solchen leistete sich heute Zagadou vor dem 2:0. »Es ist unser Anspruch, dass mehr drin ist«, sagte Rose.

Der einseitigste Wettbewerb Europas: »Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen!«, sangen die Bayern-Fans kurz vor Spielende. Welch feine Ironie, sie sehen das schließlich Jahr für Jahr. Zehn Titel in Folge hat es bislang in keiner der fünf großen Fußballligen gegeben. Nie. Für solche Serien muss man eigentlich nach Georgien oder Moldau schauen . Oder eben auf die aktuelle Bundesliga.

Und wann gibt’s mal wieder einen spannenden Titelkampf? Es gibt gute Gründe davon auszugehen, dass die Bayern in der kommenden Saison stärker spielen werden als in dieser. Wenn das Team nämlich die anspruchsvollen Trainer-Vorgaben noch besser verinnerlicht hat. Das ließe sich zwar ebenso über den BVB und Coach Marco Rose sagen. Nur verliert die Borussia höchstwahrscheinlich Haaland. Zwar kommt Niklas Süle für die Abwehr und wohl auch Toptalent Karim Adeyemi für den Angriff. Aber Haaland kam in seiner Dortmunder Zeit auf im Schnitt 1,4 Torbeteiligungen pro 90 Minuten. Einen solchen Wert kann man eigentlich nicht ersetzen.

Sehr wahrscheinlich lesen Sie in einem Jahr an dieser Stelle also den Satz: Bayern München ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ist Deutscher Meister ...

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