Bayern-Sieg gegen Real Ein kleines bisschen Fußball

Mario Götze unglücklich, die Zukunft von Josep Guardiola ungeklärt: Nach dem 1:0-Sieg gegen Real Madrid hätte man beim FC Bayern gerne nur über Fußball geredet. Doch ohne Nebengeräusche geht es nicht in München.

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Von Christoph Leischwitz, München


Es gab sie, die kurzen Momente, in denen man den Spielern des FC Bayern die Bedeutung der Partie anmerkte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum Beispiel, als Jérôme Boateng Sergio Ramos im Fünfmeterraum umriss. Der Spanier hätte sonst wohl die Führung für Real Madrid im Audi-Cup-Finale geköpft.

Doch der deutsche Nationalspieler hatte offensichtlich keine Lust, Szenen aus dem Champions-League-Halbfinale von 2014 nachzuspielen, als Ramos mit zwei Kopfballtoren den FC Bayern aus allen Titelträumen riss. Diesmal gewannen die Münchner die prestigeträchtige Partie 1:0 (0:0), weil sie es ein kleines bisschen mehr wollten als Real, das ohne die drei Stürmerstars Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale auskommen musste.

Das letzte Testspiel gegen eines der weltbesten Teams war nicht nötig, um das Selbstvertrauen zu steigern für das erste Pflichtspiel, die Partie im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten FC Nöttingen am kommenden Sonntag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Ich habe heute nichts Besonderes gelernt", sagte Thomas Müller, ein Grinsen war immerhin nicht zu übersehen. Das Spiel war ihm trotz allem wichtig gewesen. Müller leistete selbst nach dem späten Siegtor durch Robert Lewandowski (88.) noch pflichtspielreife Laufarbeit.

Die Partie hatte dennoch eine gewisse Bedeutung für den Bundesligisten. Es ging einerseits ums Prestige zwischen zwei Mannschaften mit dem Potential, sich am 28. Mai 2016 im Champions-League-Finale wiederzusehen. Außerdem spielte Xabi Alonso genauso gegen seinen ehemaligen Verein wie Toni Kroos, und Trainer Josep Guardiola, früher beim FC Barcelona, traf auf seinen langjährigen Erzrivalen. Bisweilen ging es sogar ein wenig ruppig zu, Alonso leistete sich in der 36. Minute gegen Daniel Carvajal eines der härtesten Fouls.

Guardiola lobt Zugang Douglas Costa

Die Begegnung auf Augenhöhe machte es den Verantwortlichen beim FC Bayern möglich, endlich wieder etwas mehr über Fußball reden zu können. Nach einer Saisonvorbereitung, die sehr stark von Ereignissen neben dem Platz geprägt war. Zuletzt hatte Mario Götze deutlich gemacht, in seinen zwei Jahren beim FC Bayern noch nicht glücklich gewesen zu sein. Vor allem aber drückt Guardiolas fragliche Zukunft in München auf die Stimmung, vor allem bei ihm selbst. Und so redete er nach dem Sieg gegen Madrid am liebsten und am längsten über guten Fußball.

Also auch über die Leistung von Douglas Costa, den er ausdrücklich lobte. Normalerweise hebt der 44-Jährige einen einzelnen Spieler nur auf Nachfrage hervor. "Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen überrascht", sagte der Trainer dann sogar. Denn im Defensivverhalten sei der 24-Jährige schon weiter als gedacht. "Müller, Robben, Lewandowski werden mit ihm bessere Spieler", schwärmte der Trainer. Weil der 24-jährige Flügelspieler so viele Gegenspieler auf sich ziehe, dass seine Kollegen mehr Räume bekämen. "Er war gegen Madrid eine große Hilfe", merkte Guardiola noch an. Er wirkte dabei sehr zufrieden, als ob ganz allmählich ein Plan aufzugehen scheint.

Doch auch an diesem Abend des kleinen Testspieltriumphes wurde er von den Nebensächlichkeiten eingeholt. Und er hatte sogar selbst dafür gesorgt: Vor dem Spiel hatte Guardiola ein T-Shirt mit der Aufschrift CAT getragen, der spanischen Abkürzung für seine Heimat Katalonien. Guardiola ist seit langem ein Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien mit seiner Hauptstadt Madrid. Vor dem Anpfiff hatte sich Guardiola zwar noch umgezogen. Doch vor allem in spanischen Medien wurde die CAT-Affäre schon vor dem Spiel diskutiert.

Als vor dem Anpfiff dann die Mannschaftsaufstellung des FC Bayern verlesen wurde, pfiffen viele Zuschauer, als zum Schluss Guardiolas Gesicht auf der Großleinwand auftauchte. Selbst wenn es sich dabei teilweise um Fans aus Spanien gehandelt haben sollte: Guardiola scheint es zurzeit niemandem Recht machen zu können. Und wird sich freuen, wenn die Saison beginnt und wieder mehr über Fußball und weniger über ihn selbst gesprochen wird.

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Bueckstueck 06.08.2015
1. Null-Themen - wieder mal
Kaum ein Wort zum Spiel. Noch nicht einmal erwähnt, dass Kroos nicht ausgepfiffen wurde, sondern das man ihn mit einem warmen Applaus bedacht hat als er ausgewechselt wurde. Das ist übrigens durchaus normal beim FCB. Da werden verdiente Ex-Spieler nicht zum Feind wenn sie gehen, anders als in der Fussballprovinz...
manque_pierda 06.08.2015
2. ich
glaube kaum, dass der FC Bayern selbst auf die Nebengeräusche so scharf ist, wohl eher diejenigen, die mit den Berichten darüber, ihr Geld verdienen.
mrdhero 06.08.2015
3. Selbst ich als (irgendwo) bayernfan
Muss sagen, es reicht langsam mit der Berichterstattung. Muss man 10 artikel schreiben mit immer den selben Inhalt nur umformuliert?
retterdernation 06.08.2015
4. Na ja ...
ein Freundschaftsspiel war das - nicht mehr. Allerdings - auf hohem Niveau. Zu sehen war außerdem - das die Bayern in der Bundesliga wohl unüberwindlich sein werden. Interessant erscheint: wie Götze die Nutella vom Brot genommen wird. Und welch peinliche Auftritte Guardiola noch bieten wird :-))). Die KAT-Affäre - inszeniert von einem Gockel - der seine Trainingslager am liebsten im Unrechtsstaat - Katar - ausrichtet und für dieses Land auch noch wirbt. So etwas nennt man dann Doppelmoral - oder gegen den Strom schwimmen. Vielleicht passt auch eher verwirrt. So what - wenn der kleine Katalane/Spanier Erfolg hat - dann passt es doch in München. Denn ihre Moral und Seele haben die Bayern (leider) ja auch verkauft, da in Katar und Saudi Arabien...
cmann 06.08.2015
5. Ein Trainer
sollte eigentlich die Fähigkeiten der ihm anvertrauten Spieler fördern und weiter entwickeln. Der "beste Trainer der Welt (Guardiola) hat das offensichtlich nicht nötig. er zwingt die Spieler bei Bayern, respektive die Mannschaft in ein Spielkonzept dass nur er versteht und sie in ihren Fähigkeiten eher einschränkt als fördert. Die Herumprobiererei mit ständig wechselnden Positionen der Spieler ist eher kontraproduktiv und Gift für Individualisten wie Götze oder Müller. Ich habe mitunter den Eindruck, dass selbst seine Spieler oft nicht wissen was der eigentlich von ihnen erwartet und warum er in der Coaching-Zone so herum hampelt. Im Gegensatz zur Bayern Führungsetage wäre ich nicht traurig wenn es spätestens 2016 einen Trainerwechsel geben würde.
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