Bayern nach dem Sieg in Athen War doch gut so!

Die Bayern haben ihr zweites Spiel in Folge gewonnen. Dass das in Athen aber gegen einen schwachen Gegner gelang, wurde kaum erwähnt. Der FCB redet sich lieber stark, die Ansprüche scheinen zu sinken.

Aus Athen berichtet Christoph Leischwitz


Niko Kovac schien genervt. Nicht wegen der Leistung seiner Mannschaft beim Champions-League-Spiel in Griechenland. Im Gegenteil: Der Bayern-Trainer habe "viel Gutes gesehen". Sein Team habe den Gegner beherrscht, viel Ballbesitz gehabt und keine Chancen zugelassen, sagte Kovac. Durch das 2:0 bei AEK Athen hatte der Coach die Münchner zudem gerade erst mit zwei Siegen in vier Tagen aus einer hochoffiziellen Krise herausmanövriert. Trotzdem bekam er wieder nur Fragen zu hören, was gegen AEK schlecht gelaufen war.

Denn eine Stunde lang hatten dem deutschen Rekordmeister im gegnerischen Strafraum schlicht die Ideen gefehlt. Kurz nach der Pause schien selbst der harmlose Tabellenvierte der griechischen Liga zu ahnen, dass er gegen diese Bayern etwas riskieren könnte. Im Olympiastadion kam zu dieser Zeit richtig gute Stimmung auf. Dann aber folgten in kurzen Abständen doch noch drei gute Bayern-Chancen - und mit ihnen zwei Tore. Javi Martínez traf mit einem Volley-Abstauber (61. Minute), auch Robert Lewandowski stand einfach richtig (63.).

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Champions League: Zwei glanzvolle Minuten

In beiden Szenen stimmte bei den Bayern, was bis dahin meistens gefehlt hatte: das Timing. Immer wieder kam ein letzter Pass nicht an. Und wenn doch, dann waren die Abschlüsse ungenau. Kein Wunder, dass nach dem Spiel deshalb auch über das Personal gesprochen wurde.

Boateng und Müller wieder auf der Bank

Aber wo Kovac schon mal dünnhäutig war, blieb er auch beim Thema Rotation. Bei anderen Mannschaften heiße das ja "Wechsel", dozierte Kovac bei Sky, nur bei den Bayern gehe es immer um "Rotation". Er musste lediglich den angeschlagenen David Alaba durch Rafinha ersetzen. Was wiederum bedeutete, dass Jérôme Boateng und Thomas Müller wie schon in Wolfsburg zu Beginn auf der Bank saßen.

Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic hatte keine Lust, den mehrmaligen Nichteinsatz zweier Weltmeister zu kommentieren: "Der Trainer schickt die Mannschaft aufs Feld, von der er glaubt, dass sie am ehesten gewinnt." Müller selbst meinte, ihm sei klar, dass Dinge neben dem Platz oft interessanter seien. "Ich versteh euch ja", rief er den Journalisten zu, "aber es hilft nichts, Diskussionen aufzumachen."

Serge Gnabry wiederum spielte erneut und gab sein Startelfdebüt in der Champions League. Dem Youngster war anzumerken, dass er nach seinem Länderspieleinsatz gegen Frankreich auch seine nächste Chance nutzen wollte - Franck Ribéry fehlte angeschlagen. Gnabry stach mit seiner Leistung in Athen ein wenig heraus: Immer wieder sprintete sich der 23-Jährige auf der linken Seite frei für eine Hereingabe oder schoss selbst aufs Tor.

Serge Gnabry
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Serge Gnabry

Gnabry wirkte gar wie der emotionale Anführer, der den Bayern in den vergangenen Wochen oft gefehlt hatte. Als einer von wenigen schienen ihn Fehler tatsächlich zu ärgern. Er gestand auch selbst ein, dass ihm längst nicht alles gelang. Seine Abschlüsse (drei) seien nicht genau genug gewesen, "genauso bei den Flanken. Gerade in der ersten Hälfte war ich ein paar Mal über links durch, aber oft hatte einer den Fuß dazwischen." In solchen Szenen müsse er den Ball näher ans Tor heranbringen, damit zum Beispiel Lewandowski ihn leichter erreichen könne. Gnabry selbst fehlt im Bayern-Trikot außerdem weiterhin ein Tor.

"Wenn ich draußen sitze, ist auch ein Hochkaräter draußen, oder?"

Trotzdem bewies Gnabry, wie viel Selbstvertrauen er zuletzt gesammelt hat - auch neben dem Platz. Dem Angreifer wurde die Frage gestellt, wie es sich denn anfühle, dass jedes Mal ein Hochkaräter auf der Bank Platz nehmen müsse, wenn er, Gnabry, beim FC Bayern zum Einsatz komme. Der Neuling dachte kurz nach, dann sagte er mit einem Grinsen: "Wenn ich draußen sitze, ist auch ein Hochkaräter draußen, oder?"

Das Gnabrysche Selbstvertrauen schien ansteckend zu sein. Jedenfalls fanden alle Bayern genau wie Kovac, man habe wirklich eine gute Leistung gezeigt gegen AEK. Und wenn es mal holperte im Spiel, dann lag es am sehr defensiv ausgerichteten Gegner oder auch am Rasen, der "schmierig und rutschig" gewesen sei ( Joshua Kimmich).

So herrschte auch auf dem Bayern-Bankett am späten Abend Harmonie. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gratulierte den Spielern und dem Trainer zum Sieg, bekam dafür Applaus und fuhr fort: "Wir dürfen durchaus optimistisch in die Zukunft schauen, das sieht gut aus." Die Bayern führen ihre Gruppe an, punkt- und torgleich mit Ajax Amsterdam. Jetzt müsse man in der Bundesliga wieder näher an die Spitze heranrücken, das Spiel am Samstag in Mainz werde sicher nicht leicht.

Es passte gut zu den Ereignissen der vergangenen Tage, dass Spieler und Verein die Leistung auf dem Platz offensichtlich anders einschätzten als die Journalisten vor Ort, Letztere waren den Bayern-Bossen ohnehin zu kritisch geworden. Doch es sagt vielleicht auch einfach etwas über den FC Bayern in der aktuellen Lage aus, wenn man mit der in Athen gezeigten Leistung den eigenen Ansprüchen genügt.

AEK Athen - Bayern München 0:2 (0:0)
0:1 Martínez (61.)
0:2 Lewandowski (63.)
Athen: Barkas - Bakakis, Lampropoulos, Chygrynskiy, Hult - Galanopoulos (84. Galo), Andre Simoes - Klonaridis (64. Boyé) - Mantalos (76. Alef), Klonaridis, Bakasetas- Ponce
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Rafinha - Martinez - Robben, James (62. Goretzka), Thiago, Gnabry (75. Müller) - Lewandowski (84. Wagner)
Schiedsrichter: Aleksej Kulbakow (Weißrussland)
Gelbe Karten: keine
Zuschauer: 50.000



insgesamt 38 Beiträge
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stoffi 24.10.2018
1. Wie Mertesacker schon sagte
was wollt ihr denn, wir haben gewonnen Kein schönes Spiel, zu viele Missverständnisse zwischen den Spielern, aber GEWONNEN Wenn die Jungen erst mal aufeinander abgestimmt spielen, siehts wieder anders aus.
login37 24.10.2018
2. AEK hat bestenfalls HSV-Niveau
Man muss sich verdeutlichen, dass AEK Athen eine Mannschaft auf dem Niveau des HSV ist. Genau genommen hat das Zweitliga-HSV-Team sogar noch einen deutlich höheren Marktwert als AEK Athen. Alles andere als ein klarer Sieg wäre schlicht eine Blamage. Wo Rummenigge da erkannt haben will, dass das "sehr gut aussieht" bleibt ein Rätsel. Die hätte Bayern früher mit 5:0 abgefertigt. Ich bin Bayern-Sympathisant, aber man muss hoffen, dass Bayern dieses Jahr spätestens im CL-Achtelfinale raus fliegt und nicht Meister wird, damit die Bayern-Oberen ihre eigenen Fehler nicht mehr schön reden können. Es gibt seit ca. 5 Jahren einen beständigen Qualitätsverlust im Bayern-Kader. Guardiola konnte das noch überdecken. Seit 2,5 Jahren wird das nun zunehmend sichtbar. das ist auch nicht verwunderlich. Wenn man bis auf James keine Hochkaräter holt und die eigene Jugendakademie dysfunktional ist und seit Jahren keine exzellenten Nachwuchskicker hervorbringt: Wo soll die Qualität dann herkommen?
zeisig 24.10.2018
3. Na ja.
Langsam frage ich mich, ob an der Medienschelte der Bayern Oberen nicht doch etwas Wahres dran ist. Da gewinnt man auswärts 2:0 und wieder wird alles kritisch beäugt und unter die Lupe genommen. Positiv ausgedrückt hätte der Tenor in Etwa lauten müssen: "Hauptsache gewonnen, zufriedene Bayern sichern sich drei Punkte." Das wäre meiner Meinung nach angebracht gewesen.
florafauna 24.10.2018
4. Presse halt
Zitat von zeisigLangsam frage ich mich, ob an der Medienschelte der Bayern Oberen nicht doch etwas Wahres dran ist. Da gewinnt man auswärts 2:0 und wieder wird alles kritisch beäugt und unter die Lupe genommen. Positiv ausgedrückt hätte der Tenor in Etwa lauten müssen: "Hauptsache gewonnen, zufriedene Bayern sichern sich drei Punkte." Das wäre meiner Meinung nach angebracht gewesen.
Klar, sie haben nicht ihren schönsten Fußball gezeigt, aber nach einer "Krise" geht es darum, die Punkte einzufahren. Wenn ich dann die unwidersprochene Aussage von Grindel zum Nations-Cup-Spiel Frankreich-Deutschland lese: "Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gesehen der dt. Mannschaft gesehen." könnte man schon auf die Idee kommen, dass die Medienschelte doch auch seinen Grund hat.
urskenner 24.10.2018
5. Extreme Berichtserstattung
War es gestern ein gutes Spiel ? Nein ! War es ein schlechtes ? Nein! Es war schlicht weg ein durchschnittliches Spiel. Das einzige was man Bayern vorwerfen muss, ist das Sie ein Problem haben ein 1:0 spielerisch zu erzielen. Danach läuft es dann meist aber. Und um ehrlich zu sein, so hat Madrid dreimal die CL gewonnen. Erst wird seit Jahren über die Dominanz der Bayern gejammert, nun ist es umgekehrt. Ein bisschen mehr Rationalität in der Berichterstattung sollte bei einer renommierten Zeitung dann doch existieren.
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