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27. Oktober 2018, 19:42 Uhr

Bayerns Sieg in Mainz

Daumen halbhoch

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Der FC Bayern München gewinnt sein drittes Spiel in Folge - allerdings ohne zu glänzen. Geschenke kamen aus Freiburg und Dortmund. Und auch die Gastgeber aus Mainz haben Grund zu feiern.

Der Tusch des Spiels: Seit fünf Bundesligapartien hatten die Mainzer bis zu diesem Spiel nicht mehr getroffen. Dass sich das ausgerechnet gegen den Rekordmeister ändern sollte, gehört zu den Geschichten, die die mit neuem Mut ausgestatteten Bayern-Gegner in dieser Saison schreiben. Kurz nach Wiederanpfiff - und 497 Minuten nach dem letzten Treffer beim 2:1-Sieg gegen Augsburg - schallte der Mainzer Narrhalla-Marsch als Tor-Tusch wieder durch die heimische Arena.

Das Ergebnis: Bayern München gewann gegen Mainz 2:1 (1:0). Hier geht es zu den Spielberichten vom Nachmittag.

Etwas Wildes: Wild, so sagt uns das Lexikon, kann allerlei bedeuten. Unkontrolliert etwa, ungestüm, temperamentvoll oder auch durch nichts gehemmt. Welche der zahlreichen Definitionen Mainz-Trainer Sandro Schwarz im Kopf hatte, als er vor der Partie erklärte, "etwas Wildes" für die Gäste aus München organisieren zu wollen, wurde direkt nach dem Anpfiff deutlich.

Die erste Hälfte: Tatsächlich starteten die Gastgeber frech in die Heimpartie - und gönnten sich auch im Laufe des Spiels immer wieder mutige Minuten. Ein Symptom der Bayern-Krise der Vorwochen, die den fast duckmäuserischen Respekt der Gegner für den Rekordmeistern schwinden ließ. Die Gäste aus München wiederum begannen, als würden sie nahtlos an die maue Leistung in Athen anknüpfen wollen. Ungenaue Zuspiele, wenig Ideen, um die Defensive der Gäste zu knacken, noch weniger Präzision bei durchaus zahlreichen Abschlüssen. In der 27. Minute kam dann auch noch Pech dazu: Ein Schuss von Joshua Kimmich prallte von der Latte auf die Linie, sprang von dort an den linken Pfosten - und dann raus aus dem Tor.

Jünger wird's nimmer: "Es ist ein extremer Reiz für uns, mit einer jungen Mannschaft zu zeigen, was wir auf dem Schläger haben - gegen eine sehr erfahrene Mannschaft", auch das hatte Mainz-Coach Schwarz vor der Partie gesagt. Ein Hinweis auf die Diskussion um eine überalterte Münchener Mannschaft? Tatsächlich hatte Niko Kovac ohne Franck Ribéry und ohne den nach Gelb-Rot gegen Wolfsburg gesperrten Arjen Robben die mit einem Durchschnittsalter von 27,3 Jahren jüngste Bayern-Startelf der Saison aufgeboten. Das im Übrigen gegen eine mit 24,2 Jahren für Mainzer Verhältnisse relativ alte Startformation.

Die Stimme aus Köln: Serge Gnabry hob den Ball im Durcheinander im Strafraum der Mainzer an den linken Pfosten zu Thiago, der volley abschloss (32.). Schiedsrichter Harm Osmers schaute sich die Szene nach einem Hinweis noch ein paar Mal an - und gab den Treffer nicht, da Robert Lewandowski dem Mainzer Stefan Bell zuvor auf den Fuß getreten war. Die Gäste nahmen dies offenbar als eine Art Antrieb wahr: Kurz darauf traf Leon Goretzkas per Volley (39.).

Die zweite Hälfte: begann erneut wild. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff glichen die Mainzer aus. Niklas Süle ließ eine Flanke von rechts zu Jean-Paul Boetius durch, der so aus kurzer Distanz zu seinem ersten Treffer für die 05er einschieben konnte. Der Narrhalla-Marsch war kaum verhallt, da schnappte sich Renato Sanches den Ball, passte zu Lewandowski, der für Thiago im Zentrum und zur erneuten Führung vorlegt. In der Folge hatten die Bayern das Spiel im Griff, nahmen gar noch mal Tempo auf. Javi Martínez traf mit einem Fernschuss den Pfosten (77.), Süle (79.) scheiterte nach einen Sprint über den halben Platz an FSV-Torwart Florian Müller.

Die Geschenke für den Gast: kamen vielmehr von den anderen Plätzen. Weil Gladbach mal wieder gegen Freiburg 1:3 verloren und Dortmund gegen Berlin in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich kassiert hatte, liegen die Bayern nur noch zwei Punkte hinter dem BVB auf Tabellenplatz zwei. Dabei hatte Kovac noch vor dem Spiel den Angriff auf die Spitze erst für den übernächsten Spieltag angekündigt. Für jenen Spieltag, an dem Kovac mit seinen Münchnern in Dortmund zum Topspiel erwartet wird.

Die Erkenntnis des Spiels: Für die Bayern war es der dritte Pflichtspielsieg in Folge. Einer guten Leistung gegen Wolfsburg und einer wenig überzeugenden Vorstellung in Athen folgte ein ordentliches Gastspiel in Mainz. Positiver Trend? Vielleicht. Zurück zu alter Übermacht? Wohl eher nicht. Dafür ist der Rekordmeister selbst gegen individuell deutlich unterlegene Gegner zu anfällig, die Souveränität vergangener Spielzeiten ist damit längst nicht zurückgewonnen. Aber sie haben sich offenbar für den Moment damit abgefunden, dass drei Punkte nicht mehr selbstverständlich sind. Thomas Müller war der Meinung: "Das war ordentlich".

FSV Mainz 05 - Bayern München 1:2 (0:1)
0:1 Goretzka (39.)
1:1 Boetius (48.)
1:2 Thiago (62.)
Mainz: Florian Müller - Brosinski, Bell, Niakhate, Martin - Kunde (68. Quaison) - Gbamin, Latza (83. Maxim) - Öztunali, Mateta (69. Ujah), Boetius
München: Neuer - Kimmich, Süle, Boateng, Alaba - Martínez - Goretzka (55. Sanches), Thiago - Thomas Müller (84. Rafinha), Lewandowski, Gnabry (57. Ribéry)
Schiedsrichter: Osmers
Gelbe Karten: Martin, Öztunali, Ujah - Martinez
Zuschauer: 33.305 (ausverkauft)

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