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Debakel in Barcelona Der Messi-Express frustriert die Bayern

Der FC Barcelona hat den deutschen Rekordmeister gedemütigt: Die Bayern-Spieler waren nach der 0:3-Niederlage im Halbfinal-Hinspiel der Champions League frustriert und sauer. Superstar Lionel Messi machte den Unterschied.
Von Sebastian Winter

Früher hätte Jérôme Boateng wohl gar nichts gesagt nach einer solchen Niederlage. Oder allenfalls ein paar Belanglosigkeiten. Doch nach dem 0:3-Debakel des FC Bayern in Barcelona war der Innenverteidiger richtig wütend - und zeigte es auch: "Sehr unnötig kriegen wir die Gegentore, dann fallen wir auseinander, das darf nicht passieren", schimpfte Boateng. "Da muss man weiter als Mannschaft verteidigen und sich nicht so auflösen."

Bastian Schweinsteiger, Xabi Alonso und Juan Bernat verschwanden dagegen wortlos im Bus. Sichtbar frustriert von einer Pleite, die einer Demütigung glich. Weil sie zwar plötzlich heraufzog wie ein Tornado - die drei Tore fielen am Ende des hochklassigen Spiels innerhalb von einer guten Viertelstunde -, aber auch in dieser Höhe angemessen war. Weil die Bayern zwar in der Ballbesitz-Statistik mit 53 zu 47 Prozent leicht vorne lagen, aber dafür bei der Zweikampfquote überdeutlich hinten: 41 zu 59 Prozent, dazu nur ein Schuss aufs Tor, Barcelona hatte immerhin acht.

Es sind Zahlen, aus denen sich tatsächliche Überlegenheit ableiten lässt. "Das Ergebnis ist heftig", sagte Boateng: "Wir wollten den Ball kontrollieren." Doch vor den Gegentoren verloren sie ihn leichtfertig an die schnellen Gastgeber. Die Katalanen kontrollierten die Bayern nicht nur, sondern fegten über sie hinweg.

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Bayern-Niederlage in Barcelona: Deshalb ist Messi nicht zu stoppen

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Dass die Tore erst so spät fielen, hatten die Gäste eigentlich nur Manuel Neuer zu verdanken. Vor dem 0:1 durch den grandiosen Lionel Messi verlor Juan Bernat den Ball, vor dem 0:3 vertändelte ihn Bastian Schweinsteiger. "Die vielen einfachen Ballverluste sind gegen so ein Team tödlich", sagte Boateng, der sich 70 Minuten als Abwehrturm dem Angriffswirbel entgegengestemmt hatte, bevor er vor dem 0:2 selbst von Messi ausgetanzt wurde.

Dieses Spiel wird noch lange in den Köpfen der Spieler hängen bleiben, weil es ihnen aufzeigte, welchen Qualitätsvorsprung Barcelona zurzeit hat. Ohne Robben, Ribery und Alaba fehlen die flinken Akteure, die selbst den zurzeit wohl besten Klub der Champions League in Verlegenheit bringen können. Aber das ist nicht der einzige Grund. Guardiola fand bei seiner Rückkehr nach Barcelona schlicht kein Mittel gegen seinen früheren Klub.

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Einzelkritik der Bayern: Neuer überall, Lahm nirgends

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Seine zunächst gewählte Dreierkette funktionierte Guardiola schon nach 15 Minuten zur Viererkette um, weil die Abwehr überfordert war. Das brachte zwar kurzfristig mehr Sicherheit, war aber auch keine gute Dauerlösung. "Wir wollten, dass sie auch nach hinten laufen müssen, das war die Idee. Aber wir hatten große Probleme. Mit vier Spielern war es etwas solider, aber da kamen wir nicht mehr so oft nach vorne", sagte Guardiola.

"An Grenzen gestoßen"

Vor allem auch, weil das durchaus in die Jahre gekommene Mittelfeld um die (Ü-)30er Lahm, Schweinsteiger und Alonso zu behäbig agierte. Thomas Müller, der teilweise 70, 80 Meter zurücklegte vom eigenen bis zum gegnerischen Strafraum und oft vergeblich Anspielstationen suchte, rieb sich dadurch auf. "Wir sind heute sportlich an Grenzen gestoßen", fand FCB-Sportdirektor Matthias Sammer.

Müller wirkte angefressen, als Guardiola ihn nach 79 Minuten für Mario Götze vom Feld nahm, die Solidarität scheint nach den bitteren Niederlagen gegen Dortmund und in Barcelona etwas zu bröckeln. Die Spieler haben jedenfalls auffallend oft den Mannschaftsgeist beschworen, was meist kein gutes Zeichen ist. "Jetzt müssen wir uns erst einmal ordnen, auch als Mannschaft", sagte etwa Boateng, und Müller betonte: "Es bringt jetzt nichts, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Wir halten als Mannschaft unseren Kopf oben."

Sie wissen, dass sie im Rückspiel nicht nur ein kleines Fußballwunder brauchen, um Barcelona noch zu bezwingen. Um auch ihrem Trainer den Rücken frei zu halten, denn sollte Guardiola in seinem zweiten Jahr weniger erfolgreich sein als im ersten, dürfte die Kritik anschwellen. Es kommt im Rückspiel am Dienstag auch stark darauf an, wie sich die Bayern aus der Champions League verabschieden.

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