Bayern im Titelkampf mit Dortmund "Momentum auf unserer Seite"

Oft auf der Bank, wenig Tore: Thomas Müller durchlebt eine schwierige Saison. Beim 5:1 gegen Mönchengladbach zeigte er sein bestes Spiel seit Langem - und sieht seine Bayern gegenüber dem BVB im Vorteil.

ULRICH HUFNAGEL/EPA-EFE/REX

Aus Mönchengladbach berichtet


Das letzte Mal, dass der FC Bayern ein Fußballspiel gewonnen hat, wenn Thomas Müller dabei ein Tor erzielte, war im Oktober 2018. Seither spielte Müller, ohne zu treffen, oder er spielte gar nicht, oder aber er traf, aber es reichte nicht zum Sieg, so wie beim 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf im November. Damals war der nationale Notstand im Freistaat (FC) Bayern ausgerufen worden, wenn auch nicht von der Nation und dem Verein, so doch von den Experten.

Das scheint heute eine Ewigkeit her zu sein. Denn dass die Bayern ihre Krise überwunden haben, daran gibt es nach dem beeindruckenden 5:1-Sieg in Mönchengladbach vom Samstag eigentlich kaum Zweifel. Und auch Müller selbst konnte gegen mögliche Zweifel an ihm arbeiten.

Fünf Tore und acht Vorlagen waren Müller vor der Partie in Gladbach in dieser Saison wettbewerbsübergreifend gelungen. Gemessen an der Klasse, die der 29-Jährige über Jahre verkörperte, ist das ziemlich wenig. In der Regel erzielte Müller pro Spielzeit 30 bis 40 Scorerpunkte.

Gegen die Borussia kam nun immerhin der 14. dieser Saison hinzu. Sein Treffer zum 2:0 fiel bereits in der elften Minute, er entschied das nominelle Spitzenspiel gegen den Tabellendritten, ehe es so richtig angefangen hatte. Sind Müller und die Bayern wieder ganz die Alten?

"Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass das ein top Spieltag für uns war", sagte Müller. Dortmund verloren, Bayern gewonnen, nur dank der von Präsident Uli Hoeneß als Spielerei erachteten Tordifferenz weist die Liga den BVB noch als Tabellenführer aus. "Wir haben die Uhr jetzt wieder auf Null gestellt. Das Momentum ist auf unserer Seite", sagte Müller.

"Nach vorne weiß ich sowieso, dass er gut ist"

Dann verschwand er mit einem Grinsen, der Müller Thomas, der "immer spielt", wie sein ehemaliger Trainer und Förderer Louis van Gaal einst sagte. Das war in der Spielzeit 2009/10. Auch später unter Jupp Heynckes standen in der Saison 2012/13 noch 34 Bundesliga-Einsätze zu Buche. Danach war es dem luxuriös ausgestatteten Bayern-Kader und einer gerechten Belastungsverteilung geschuldet, dass es auch mal ohne Müller ging. Irgendwann aber saß Müller auch mal auf der Bank, weil andere aktuell besser waren. Zuletzt war das häufiger der Fall.

In der Startelf der vorangegangenen drei Ligaspiele fehlte Müllers Name, und es war bei Niko Kovac herauszuhören, warum das so gewesen sein dürfte. "Nach vorne weiß ich sowieso, dass er gut ist. Heute hat er es defensiv richtig gut gemacht, richtig gut gearbeitet. Die Verteidigung fängt vorne an", sagte der Trainer zur Leistung Müllers in Gladbach, die in jeder Hinsicht Lob verdient gehabt hatte.

Müller spielte wie Müller, leidenschaftlich, temporeich, in Räumen, in denen der Gegner ihn gerade nicht fand. Der Blick auf die Absicherung in der Defensive, die Kovac für den Rest der Saison in den Vordergrund rückt, war stets gegeben.

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Bayerns 5:1 gegen Gladbach: Arbeit an der Tordifferenz

"Natürlich will man sich immer präsentieren und dem Trainer und den Leuten da draußen zeigen, dass man in die Startelf gehört", sagte Müller über seine Ansprüche für die Zukunft, die ihm eine Zwangspause beschert. In der Champions League wird er im Rückspiel gegen den FC Liverpool (13. März, Hinspiel: 0:0) fehlen, weil er nach einer Roten Karte für beide Achtelfinalspiele gesperrt wurde.

Womöglich erhöht das zumindest die Chance, auch am kommenden Bundesligaspieltag gegen den VfL Wolfsburg wieder in der Startelf zu stehen. Kaum jemand kenne die Mannschaft besser als er selbst, warb Müller für sich. Mit Robert Lewandowski verstehe er sich "da vorne sehr gut". So, wie es derzeit laufe bei den Bayern, mache es Spaß.

Niklas Süle, der Innenverteidiger, muss sich auch gefreut haben, dass Müller zum ersten Mal seit der Niederlage in Leverkusen in der Startelf stand. "Es müllert wieder", habe Süle zu ihm gesagt, so Müller. Dieser Satz schaffte es dann auch in Thomas Müllers Instagram-Account. Das Foto zeigt ihn nach dem Treffer zum 2:0. Schon länger her, dass sich die Gelegenheit ergab.

Borussia Mönchengladbach - Bayern München 1:5 (1:2)
0:1 Martinez (2.)
0:2 Müller (11.)
1:2 Stindl (37.)
1:3 Lewandowski (47.)
1:4 Gnabry (75.)
1:5 Lewandowski (90.+1, Foulelfmeter)
Mönchengladbach: Sommer - Lang, Ginter, Elvedi, Wendt - Kramer - Neuhaus (65. Zakaria), Hofmann - Hazard, Stindl, Plea. Trainer: Hecking
München: Neuer - Kimmich, Süle, Jérôme Boateng, Rafinha - Martínez - Thiago, James - Müller, Lewandowski, Gnabry. Trainer: Kovac
Gelbe Karten: Hofmann, Kramer - Boateng, Thiago
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 54.022 (ausverkauft)

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
axelmueller1976 03.03.2019
1. Bei Gladbach war das absehbar
In der Vorrunde war Gladbach die laufskärkste Mannschaft der BL mit teilweise 125 Lauf-Km pro Spiel.Der Trainer hätte die Überforderung der Spieler erkennen müssen. Denn gestern gegen Bayern hat man gerade noch 116 Lauf-Km erreicht in München beim 0:3 waren es noch 126 Km.Man kann nicht die ganze Runde Full-Power spielen was auch bei Dortmund jetzt erkennbar ist.
spon_2937981 03.03.2019
2. Spieler des Spiels
Müller war für mich definitiv der Spieler des Spiels. Neben seinem Tor hat er auch Lewy mindestens 2 mal eine Weltklasse-Vorlage gegeben, die der leider nicht verwerten konnte. Wenn Müller trifft, haben die Bayern noch nie in der Bundesliga verloren. Interessante Statistik. Gibt es das über irgendeinen anderen Spieler (der - sagen wir - wenigstens 10 Tore insgesamt geschossen hat) auch noch zu sagen?
doppelnass 03.03.2019
3. Stimmt nicht ganz.
Müller hat das nicht von allein gesagt, sondern Wasserzier hat Müller, der sich auf solche Antworten gesagt: "Aber das Momentum ist auf Ihrer Seite, oder?", worauf Müller dann die Frage als Antwort bestätigte. Nur, falls hier wieder vom arroganten Müller geschrieben wird....
spon_2937981 03.03.2019
4. Müller - Nachtrag
...und nicht zu vergessen, dass er ein Mental-Monster ist und die Mannschaft mitreißt. Ein irre wichtiger Typ.
romeov 03.03.2019
5. Die Szene vor dem 1:0
...habe ich gestern bei SKY gefühlte 50mal gesehen, natürlich musste auch der Oberlehrer-Reporter, der mit der Brille, das Thema noch in seinen Interviews plattwalzen. Ich habe in letzter Zeit einige Entscheidungen gegen die Bayern erlebt, die weitaus unzweifelhafter waren, da gab es aber nicht einmal eine Zeitlupenwiederholung. Was mich wundert bei der Szene, dass man bei einem einfachen Schubser, derart raketenhaft durch den Strafraum fliegen kann.
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