Bayern in der Champions League Huch, schon Achtelfinale?

Achtelfinale vorzeitig gesichert, trotzdem Pfiffe: Der erste Auftritt des FC Bayern nach Niko Kovac geriet äußerst zäh. Nach dem Spiel äußerte sich Hasan Salihamidzic zur Trainersuche.

Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic ließ nach dem Spiel mit drei Aussagen aufhorchen
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic ließ nach dem Spiel mit drei Aussagen aufhorchen

Von Florian Kinast, München


Nach 85 Minuten rumorte es in der Münchner Arena. Die Spieler des FC Bayern schoben sich gegen Olympiakos Piräus im defensiven Mittelfeld den Ball zu, als von den Rängen Pfiffe ertönten. Nicht aus dem griechischen Gästeblock im Oberrang, sondern von den eigenen Fans. Dass wenig später Ivan Perisic unmittelbar nach seiner Einwechslung den 2:0-Endstand erzielte, besänftigte das Publikum etwas, bei Abpfiff gab es artigen Szenenapplaus, kurz darauf leerte sich das Stadion aber schnell.

Es war ein zäher Champions-League-Abend, den die Zuschauer am Mittwoch gegen Piräus erlebten, im Spiel eins nach Niko Kovac. Ein Abend, der bei Hansi Flicks Premiere als Cheftrainer auch Einblicke gab, wie schwierig die Beziehung zwischen Mannschaft und Anhang aktuell ist - unabhängig von der Trainerdebatte.

Unbestritten war das 2:0 hochverdient, der Gegner war zwei Klassen schlechter, eher drei. Mit vier Siegen aus vier Spielen sind die Bayern souverän Tabellenführer und schon vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert, einzig Tottenham könnte den Sieg in Gruppe B noch streitig machen. Außerdem blieben die Münchner erstmals seit fast sieben Wochen mal wieder ohne Gegentor, eigentlich alles bestens. Aber so richtig rund lief es auch am Mittwoch nicht.

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Bayern-Sieg gegen Piräus: Hansi im Glück

Natürlich war kein Europapokal-Klassiker für die Geschichtsbücher zu erwarten, das ließen weder Gegner noch Tabellensituation zu. Solche Spiele erlebt man gegen Juventus, Real Madrid oder den FC Barcelona in K.-o.-Spielen, nicht gegen Piräus in der Gruppenphase. Aber gerade gegen solche Gegner spielten die Bayern früher dominanter, gewannen auch mal mit sechs Toren. Die Zuschauer hatten einen unterhaltsamen Abend und waren bester Laune.

Genau das fehlt im Moment. Der Spaß beim Zuschauen. Weil kein Spielwitz da ist, weil es nichts zum Staunen gibt, kein Aha-Erlebnis. Egal ob unter Kovac oder jetzt unter Flick, der auch nicht alles von jetzt auf gleich umkrempeln konnte: Alles ganz nette Passstafetten, aber ohne überraschendes Element. Die Bayern begeistern nicht, sie langweilen eher. Und das sorgt für Unmut.

Flick ist keine Dauerlösung

Freilich fanden Spieler und Trainer lobende Worte für sich selbst, Flick und Manuel Neuer erklärten, man habe gut verteidigt und hoch gepresst, man habe sich einspielen wollen für das Spiel gegen Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker: SPIEGEL, TV: Sky). Doch so wenig Aussagekraft das Spiel der Bayern für das Duell im Titelkampf hat, so klar war nach diesem Abend auch, dass Flick nur eine Zwischenlösung bleiben wird.

Mit einer Glanzleistung, bei der die Mannschaft wie ausgewechselt gewirkt hätte, hätte sich Flick - gekrönt mit einem Sieg am Samstag - vielleicht doch noch in Stellung bringen können, um zumindest bis zur Winterpause seinen Posten zu behalten. So jedoch erst einmal nicht. Flick verfolgte die Partie unaufgeregt. Mal saß er, mal stand er, mal klatschte er in die Hände. Viel Dialog mit seinen Spielern? Fehlanzeige.

Später am Abend erklärte Hasan Salihamidzic dann auch, Flick sei nur "bis auf Weiteres" Trainer des FC Bayern. Wie lange das denn sei, wurde der Sportdirektor gefragt. Seine Antwort: "Bis auf Weiteres." Ob Thomas Tuchel und Ralf Rangnick abgesagt hätten, kommentierte er genauso wenig wie mögliche Verhandlungen mit Arsène Wenger, nur so viel: "Wir wollen in Ruhe einen Trainer aussuchen, der der richtige ist."

Hoeneß hält sich raus bei der Trainersuche

Drei Aussagen ließen dann aber doch noch aufhorchen. Erstens nach der Frage, ob der Neue Deutschkenntnisse haben müsse, wie es seit dem Rauswurf von Carlo Ancelotti im Anforderungsprofil eines möglichen Bayern-Trainers verlangt war? "Nein, nein", sagte Salihamidzic, "er muss nur zur Mannschaft passen." Also doch José Mourinho? Massimiliano Allegri?

Zweitens ließ der Sportdirektor durchblicken, dass nur Karl-Heinz Rummenigge und er den neuen Trainer aussuchen würden und sich der in eineinhalb Wochen scheidende Präsident Uli Hoeneß erstmals seit 40 Jahren heraushalte: "Uli Hoeneß hat uns den Auftrag gegeben."

Und drittens konterkarierte er die offizielle Darstellung des Klubs, Kovac habe von sich aus um seinen Rücktritt gebeten, als er im Rückblick auf Sonntag sagte: "Wir haben die Entscheidung getroffen, weil wir der Meinung waren, dass die Ergebnisse, aber auch die Art und Weise der Spiele nicht zufriedenstellend waren." Bemüht schob er noch hinterher: "Im Einvernehmen."

Das bislang wichtigste Spiel der Saison steht für die Bayern nun am Samstag an. Es ist ein Härtetest für das Team, aber auch für das fragile Verhältnis zum Publikum. Eine Pleite gegen den BVB, dann haben sie innerhalb einer Woche nicht nur den Trainer verloren, sondern erst einmal auch die Fans.

insgesamt 103 Beiträge
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stoffi 07.11.2019
1. Fakt ist doch
sie haben das Achtelfinale erreicht. Es sah aus , wie ein Trainingsspiel. Zumindest klappte das Zuspiel, das in den letzten Spielen einem die Fussnägel kräuseln liess. Die Aufstellung war auch ok und so könnte es am Samstag bei voller Konzentration auch gegen den BVB klappen
trojanspirit 07.11.2019
2. Vorrunde ist keine Kunst für Bayern
Klar schaffen die Bayern regelmäßig die Vorrunde der CL. Das System gibt es so vor das zumindest gefühlt 80-90% der Achtelfinalisten Jahr um Jahr die Gleichen sind. Aber es zeigt sich das, wenn dem FCB mal das typische Losglück verlässt, man gegen due aktuellen europäischen Topclubs nicht mehr mithalten kann. Das wird auch diesesmal so sein. Auch ohne Bayernfan zu sein finde ich es gut das sie nicht um jeden Preis den derzeitigen Wahnsinn mitmachen. Auch wenn sie inzwischen weit genug gehen. Aber das muss man wohl wenn man zumindest noch das Achtelfinale erreichen will. Ich hoffe nur das sich das wieder reguliert wenn die englischen Fußballmilliarden endgültig verplempert sind. Ich hoffe, glaube aber kaum noch dran. Russen, Chinesen und Araber müssen schauen wie sie ihr wie auch immer generiertes Geld unterbringen. Due europäischen Clubs saugen die Millionen und Milliarden auf wie ein Schwamm. Um am Ende, vielleicht, einen Blechtopf zu gewinnen.
post_fuer_tutu 07.11.2019
3. Erwartungen?
Was erwartet man. Spiel eins nach Kovac, 2 Tage mit neuem Übergangstrainer und die Mannschaft spielt auf wie der liebe Gott? Schier unmöglich so was, schrauben Sie Ihre Phantasterei mal runter Herr Kinast. Was soll Flick am Montag und Dienstag alles bewegen und eine vorhandene Verunsicherung des Teams völlig umkehren? Das würde wohl nicht mal ein erfahrener Startrainer so schnell schaffen.
post_fuer_tutu 07.11.2019
4. Erwartungen?
Was erwartet man. Spiel eins nach Kovac, 2 Tage mit neuem Übergangstrainer und die Mannschaft spielt auf wie der liebe Gott? Schier unmöglich so was, schrauben Sie Ihre Phantasterei mal runter Herr Kinast. Was soll Flick am Montag und Dienstag alles bewegen und eine vorhandene Verunsicherung des Teams völlig umkehren? Das würde wohl nicht mal ein erfahrener Startrainer so schnell schaffen.
spon_2956127 07.11.2019
5. Naja, ...
Zitat von post_fuer_tutuWas erwartet man. Spiel eins nach Kovac, 2 Tage mit neuem Übergangstrainer und die Mannschaft spielt auf wie der liebe Gott? Schier unmöglich so was, schrauben Sie Ihre Phantasterei mal runter Herr Kinast. Was soll Flick am Montag und Dienstag alles bewegen und eine vorhandene Verunsicherung des Teams völlig umkehren? Das würde wohl nicht mal ein erfahrener Startrainer so schnell schaffen.
... zumindest ist nach dem gestrigen Spiel die hierim Forum gerade von Bayernseite oft gehörte These vom Tisch, die Lust- und Ideenlosigkeit der FCB-Spieler in den letzten Wochen hinge damit zusammen, "dass man gegen den Trainer Kovac spielt". Stattdessen scheint es in der Mannschaft plötzlich doch ein gravierendes Qualitätsproblem zu geben, sonst wäre der gestrige Auftritt anders ausgefallen.
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