Bayerns siebter Meistertitel in Folge Die Rettung der Bundesliga heißt Super League

Der Kader alt, der Trainer geschwächt, das Umfeld unruhig: Der FC Bayern hat seine schwächste Saison seit Jahren hingelegt - und wurde trotzdem Meister. Das zeigt, wie schlecht es um die Bundesliga steht.

Jubelnde Bayern-Profis: Europa ist die Lösung
Adam Pretty/Bongarts/Getty Images

Jubelnde Bayern-Profis: Europa ist die Lösung

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Die Bayern sind Deutscher Meister. Diesen Satz lesen Sie an dieser Stelle seit Jahren, einzig der Zeitpunkt variiert. Ganz selten, so wie in diesem Jahr, erst am letzten Spieltag. Kaum drei Minuten lang kam Spannung auf, als Frankfurt in München ausglich. Dann trafen die Bayern, und dann trafen sie wieder und wieder und dann floss Weißbier.

"Es war dramatisch genug", sagte Bayerns Präsident Uli Hoeneß nach dem siebten Meistertitel der Bayern hintereinander. Drei Minuten Bangen. Das muss für deutsche Fußballfans reichen.

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Bayerns Meisterfeier: Robbens letzte Weißbierdusche

Tatsächlich war die Konstellation im Titelkampf die spannendste seit Jahren. Nur heißt das in der Bundesliga mittlerweile gar nichts. Dabei hätte es in dieser Saison wirklich anders kommen können, die Münchner waren zu packen gewesen.

Der Kader war überaltert.
Dem Trainer fehlte die Erfahrung auf Topniveau, er gehört taktisch nicht zur Elite.
Er wurde zudem öffentlich angezählt.
Der Klub wirkte so unruhig wie seit Jahren nicht, Stichwort: Pressekonferenz.

78 Punkte holten die Bayern am Ende, weniger punktete ein Meister zuletzt vor sieben Jahren. All das hat nicht ausgereicht, um der Liga einen anderen Titelträger zu bescheren. Dabei war Borussia Dortmund nicht zu schlecht für Platz eins, der BVB zeigte in der Hinrunde tollen Fußball, er ist mit 76 Punkten der zweitbeste Zweite in der Geschichte der Bundesliga.

Das ist die Lehre dieser Spielzeit: Eine für die eigenen Verhältnisse schwächere Bayern-Saison und eine gute der Konkurrenz ergibt den nächsten Bayern-Titel.

Eine Gleichung, die ungut für die Spannung ist. Doch an ihr dürfte sich in Zukunft nichts ändern.

Die Schere zwischen Bayern und Dortmund wird größer

Zum einen haben die Münchner das Kader-Problem erkannt. Für den Stuttgarter Benjamin Pavard, 23, und Atléticos Lucas Hernández, 23, gaben sie zusammen 115 Millionen Euro aus. Leipzigs Timo Werner, 23, soll ebenfalls kommen. Vermutlich wird es dabei nicht bleiben. Die Verjüngungskur war überfällig, nun aber kommt sie.

Zwar kann auch der BVB Transfers tätigen. Aber, und das ist der Kern: Dortmunds Rückstand auf die Bayern wächst. Aus der "Football Money League" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte geht hervor, dass Dortmund den eigenen Umsatz in den vergangenen fünf Jahren um 21 Prozent erhöht hat, von 262 auf 317 Millionen Euro. Bei den Münchnern beträgt das Wachstum 29 Prozent (488 auf 629 Millionen Euro).

Die Schere zwischen beiden Klubs wird größer, vom Gros der restlichen Bundesligisten ganz zu schweigen. Die Bayern eilen davon.

Europa ist die Lösung

Der Fußball war in den vergangenen Wochen reich an Dramen, an Aufholjagden, Heldengeschichten. Zwar nicht in der Bundesliga, aber die Champions-League-Saison, mit Amsterdam und Tottenham, Barcelona und Liverpool, war eine der unterhaltsamsten seit langem.

Solange sich die Bundesliga nicht Investoren öffnet und die 50+1-Regel kippt, gilt: Wer Fußballdramen sucht und sportlichen Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau, der muss nach Europa schauen. In die Champions League, womöglich auch in die Super League, so sie denn kommen sollte.

Über die Details der Pläne lässt sich streiten, die Grundidee aber ist richtig: Ein Wettbewerb, in dem sich die Elite des Kontinents auf Augenhöhe misst, und der offen ist für aufstrebende Klubs der nationalen Ligen. Dann würde Bayern nicht gegen Mainz spielen, sondern gegen Paris Saint Germain. Und Teams wie Schalke, Mönchengladbach und Bremen könnten darum konkurrieren, irgendwann selbst Teil dieser Super League zu werden.

Sie wäre das Beste für die Bundesliga. Denn sonst gilt für sie, dass der FC Bayern München auf Jahre hin unschlagbar sein wird.

insgesamt 131 Beiträge
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okav 18.05.2019
1. Die Superliga hört sich nur gut an, die Lösung wäre sie nicht
Bayern zieht nämlich und zwar kräftig und das in der Bundesliga, davon profitieren alle. Gut der Meistertitel ist nicht sonderlich spannend, aber dafür der Rest und es macht immer wieder Spaß sich mit Bayern zu messen und den Zuschauern macht es Spaß die Qualität der Bayernspieler zu bestaunen. Robben, Ribéry und Co. haben die Bundesliga interessant gemacht. Ich kenne viele Menschen, die ins Stadion gehen um ein interessantes Spiel zu sehen, der Gewinner ist ihnen gar oftmals egal.
mr-mucki 18.05.2019
2. 100% einer Meinung
mit dem Kommentar. Bitte FCB verlasst diese Liga. auch in Frankreich, Italien wird immer stärker nach diesem Ausweg gerufen. Spanien hat zumindest noch zwei Teams die Meister werden können. Nur in der PL können es 6 Teams werden. auf jeden Fall wenn es um die Finanzen geht. darum gebt uns die Nationalen Ligen zurück und bildet die Elite Liga. Ich würde mich auf Fußball auf höchstem Niveau freuen und eine spannende Bundesliga
albergel 18.05.2019
3. So ein Käse
Das wäre dann ja das gleiche Prinzip wie jetzt, verschiebt das Problem also nur in die Zukunft. So lange die Gelder ungleich verteilt werden, keine Alternativen Geldquellen wirklich zugelassen sind oder es kein Investitionslimit gibt, wird die "Superliga" irgendwann genauso aussehen. Es gibt 3-4 Top Vereine und der Rest spielt mit.
Europäer1992 18.05.2019
4. Zu der Erkenntnisse...
...bin ich schon vor 10 Jahren gekommen. Und ich bin nun wirklich kein Fußballgott. Warum aus der Champions League noch keiner eine Europäische Liga mit Auf- und Abstiegsmodus gemacht hat, bei der die teilnehmenden Clubs aus ihren jeweiligen nationalen Ligen herausgenommen werden, bleibt mir tatsächlich ein Rätsel. Wir haben ein Europäisches Parlament, eine europäische Währung, einen gemeinsamen Markt, ein europäisches Studiensystem, eine Polizei, eine Grenzbehörde, selbst eine Armee ist nur noch eine Frage der Zeit, aber Keine Fußballliga - Obwohl der Kontinent verrückt nach dem Sport ist.
b3k0 18.05.2019
5.
Der Denkfehler ist doch folgender: Würde der FC Bayern in der Superleague auf den hinteren Plätzen landen, müsste er sich für die nächste Saison wieder in der ungeliebten Bundesliga beweisen. Also wieder ein Jahr angeblich mit Aufstiegsgarantie zur Superleague. Für dieses Jahr rückt eine Bundesligamannschaft in die Superleague, gegen die der FC Bayern gar nicht direkt gespielt hat. Zudem, wenn unter den ersten der Superleague nur Manschaften zB. aus Spanien sind, kann dann der erste der spanischen Liga trotzdem aufrücken, obwohl er in der Saison keinen direkten Vergleich gegen die Mannschaften der Superleague gespielt hat. Gibt es dann Relegationsspiele und wenn ja, gegen Mannschaften aus dem gleichen Land die in der Superleague hinten sind, oder gegen Mannschaften aus anderen Europaligen die dort auch die Tabelle anführen?
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