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Champions League: Bayern vor Spiel gegen Zagreb

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

FC Bayern Der Musterprofi und der Schuljunge

Ein Rückkehrer und ein 19-Jähriger rücken auf: Dank Javi Martínez und Kingsley Coman wirkt der FC Bayern trotz einiger Verletzter gefestigt. Das war in der vergangenen Champions-League-Saison noch anders.
Von Christoph Leischwitz

Die Frage ließ Josep Guardiola einen Moment zögern: Ist Javi Martínez tatsächlich schon bereit, dauerhaft in der Startelf zu stehen? Guardiola beantwortete das schließlich mit Ja. Man müsse aber analysieren, ob der Defensiv-Allrounder dreimal in einer Woche von Beginn an spielen könne. Schließlich ist der Spanier gerade erst von einem Kreuzbandriss und einigen Folgeproblemen zurückgekehrt.

Doch wenn einer wie Martínez, der in der Guardiola-Hierarchie ganz weit oben steht, vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Sonntag auch schon beim FSV Mainz 05 in der Startelf steht, dann geht es wohl nur noch um eins: Spielpraxis vor den großen Aufgaben. Fraglich ist nur, ob die Champions-League-Partie gegen Dinamo Zagreb (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schon eine große Aufgabe ist.

Zagreb gilt zwar als zäher Gegner, der 45 Pflichtspiele in Serie unbesiegt ist. Doch Sorgen scheint das dem Trainer nicht zu bereiten. Denn dank Spielern wie Martínez und Kingsley Coman hat er momentan keine nennenswerten Probleme.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr spielte der FC Bayern bei ZSKA Moskau. Heraus kam damals ein knapper 1:0-Erfolg, dank eines verwandelten Foulelfmeters von Thomas Müller. Der Kader war gut genug, um die Gruppenphase der Champions League problemlos zu überstehen. Doch es gab Diskussionen: Wer sollte den damals an der Patellasehne verletzten Franck Ribéry auf der linken Seite ersetzen? Mario Götze gelang es jedenfalls nicht, Xherdan Shaqiri auch nicht. Und schon damals spielte Dante nur noch dann, wenn Guardiola in der Innenverteidigung sonst niemanden zur Verfügung hatte.

Es fiel erst später auf, als sich die Verletzungen im Bayern-Kader häuften: Der zweite Anzug wollte nicht so recht sitzen. Doch jetzt tut er es. Denn die Bayern haben aus dem Vorjahr gelernt und das Team angepasst. Es besteht aus sorgsam aufgebauten Rückkehrern. Und aus jungen, neuen Spielern, die nach exakt jenen Eigenschaften ausgesucht wurden, die im Falle von Verletzungen verloren gehen.

Da ist zum einen Javi Martínez, der so wirkt, als wäre er nie weg gewesen. Nachdem er zunächst 36 Wochen fehlte und nach einer verkorksten Rückkehr noch einmal acht Wochen, strahlt der 27-Jährige Lockerheit und Vorfreude auf die kommenden Spiele. Sollte er auch gegen Dinamo Zagreb wieder in der Startelf stehen, wird er eine Doppelfunktion übernehmen: Formal soll er den seit einem Monat verletzten Medhi Benatia in der Innenverteidigung ersetzen. Doch mit seiner kompromisslosen Zweikampfstärke kann er auch Aufgaben übernehmen, die sonst dem angeschlagenen Arturo Vidal zufallen.

"Ballverlust? Okay, noch mal"

Kingsley Coman ist ein ganz anderer Typ. "Er ist im Training oft noch sehr, sehr ruhig", erzählt Verteidiger David Alaba über ihn. Der 19-jährige Franzose sieht aus wie ein schüchterner Schuljunge. Zu Beginn schiebt er sich in einer Gruppe mit den Ergänzungsprofis der zweiten Mannschaft die Bälle zu. Bei Sprints rutscht ihm seine zu große Hose die Hüften hinunter, Coman muss sie immer wieder nach oben ziehen. Er wirkt nicht wie ein Spieler, der bei seiner ersten Pressekonferenz bemerkte, er sei nach München gekommen, um "den Unterschied" zu machen.

Doch Guardiola stört das nicht. Von Coman benötigt er die jugendliche Unbekümmertheit, die auch einem gesunden Ribéry immer noch anhaftet. "Er hat das, was man braucht bei Außenstürmern. Ballverlust? Okay, noch mal", sagt Guardiola. So lange, bis der Gegner müde gelaufen ist. Die derzeit gerühmte Stärke der Bayern in der zweiten Halbzeit ist Spielern wie Coman und Douglas Costa, der Arjen Robben ersetzt, zu verdanken, die das Tempo noch einmal erhöhen können, wenn der Gegner nachlässt - das ist der größte Unterschied zur vergangenen Saison.

Die potenziellen Nachfolger von Ribéry und Robben haben zudem einen Vorzug: Sie können jederzeit ihre Positionen tauschen und verlieren dabei nichts von ihrer Gefährlichkeit. Sollte gegen Zagreb kein frühes Tor gelingen, könnte das wichtig werden.

Guardiola hält Zagreb für "sehr physisch", mit einer guten Organisation in der Defensive und Manndeckung. Sprintqualitäten auf den Flügeln können da besonders wertvoll sein. Doch der Trainer deutet zugleich an, dass es sich bei Coman und Costa um Spieler aus der zweiten Garde handele. "Ich hoffe, dass Arjen und Franck noch viele schöne Abende mit Bayern erleben."

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