Knatsch beim FC Bayern Maulkorb für den Trainer

Sportlich läuft die Vorbereitung der Bayern sehr gut, das wurde beim 6:1 gegen Fenerbahce deutlich. Also schafft sich der Klub seine eigenen Probleme. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zählte den Trainer an.

Bayern-Coach Niko Kovac: "In Zukunft zurückhalten"
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Bayern-Coach Niko Kovac: "In Zukunft zurückhalten"

Von Christoph Leischwitz, München


Das neue Pressing-System beim FC Bayern funktionierte schon ganz gut am Dienstagabend. "Aber wenn man ehrlich ist: Fenerbahce hat sich davon auch beeindrucken lassen." Das sagte der dreifache Torschütze Thomas Müller über den zaghaften Gegner. Müller hatte, früh eingewechselt, im Halbfinale des "Audi Cups" drei Tore zu einem lockeren 6:1-Sieg beigesteuert.

Das Pressing sei die Handschrift des neuen Co-Trainers Hansi Flick, sagen viele. Vor allem das Mittelfeld ist nun etwas angriffslustiger als vorher, diesmal in Person von Leon Goretzka und Renato Sanches. Wenn dieses Pressing auch am Mittwoch gegen Tottenham im Finale des Sponsorenturniers (20.30 Uhr, TV: ZDF) funktioniert und sogar am Samstag im Supercup bei Borussia Dortmund, dann könnten sich Bayern-Fans auf eine Saison mit frischen Impulsen freuen.

Das mit dem Pressing klappte am Dienstag offensichtlich nicht nur auf dem Rasen ganz gut, sondern auch innerhalb des Vereins. In diesem Fall aber musste der Trainer nach dem Spiel einräumen, "zu offensiv" gewesen zu sein.

Rummenigge zählt Kovac an - wieder einmal

Bayerns USA-Reise war prima gelaufen, es gab rein sportlich schon schlechtere Vorbereitungen des Rekordmeisters. Eigentlich hätte es ein ruhiger Saisonauftakt werden können. Doch schon vor dem 6:1 gegen Fenerbahce hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Trainer angezählt. Wieder einmal.

Es ging um dessen Aussagen zu Leroy Sané von Manchester City. Am Wochenende hatte Niko Kovac im ZDF gesagt, er sei "sehr zuversichtlich", dass der Offensivspieler nach München kommt: "Ich gehe davon aus, dass wir ihn bekommen können." Am Dienstag nun sagte Rummenigge im ZDF: "Diese Aussage hat mir nicht gefallen, da mache ich keinen Hehl draus." Der Grund: Man rede nicht so offen über Spieler, die anderswo unter Vertrag stehen. Man habe doch so ein gutes Verhältnis zu City mit dem ehemaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola.

Kovac ruderte nach dem Spiel plötzlich zurück, so weit er nur konnte: "Jetzt versuchen Sie, die Sache wieder aufzubauschen", wand er sich zunächst. Er habe "mit Pep gesprochen" und sich auch entschuldigt, "weil ich so offensiv war, möchte ich mich auch beim Klub entschuldigen und mich in Zukunft zurückhalten." Nicht einmal mehr seine frühere Zuversicht wollte er kommentieren.

Die Kadergröße bereitet Sorge

Der kleine Kader mit aktuell gerade einmal 16 fitten Feldspielern war auch wieder Thema. Zum Beispiel, als sich Angreifer Serge Gnabry mit Oberschenkelproblemen nach 20 Minuten auswechseln ließ und sofort in die Kabine ging. "Eine Sicherheitsmaßnahme", wie Kovac später sagte. Doch jedes Mal, wenn sich ein Bayern-Spieler schmerzverzerrt am Boden krümmt, stehen die Verantwortlichen mit besorgtem Blick von der Bank auf. Hoffentlich nichts Schlimmes, ist ihren Blicken zu entnehmen. Nur: Der Trainer ist schwerlich dafür verantwortlich zu machen, dass der Kader im Moment noch so klein ist.

Leroy Sané im City-Trikot: Das Warten geht weiter
Issei Kato / REUTERS

Leroy Sané im City-Trikot: Das Warten geht weiter

Warum also ist Sané noch nicht da? Und zusätzlich auch noch "der eine oder andere Spieler", wie es der eine oder andere aktuelle Spieler sich wünscht? David Alaba äußerte sich diesmal in diese Richtung. Müller sagte, man müsse einfach "geduldig" bleiben. Es sei klar, dass man "15 oder 17" habe, die "europäisches Format haben, so genau habe ich das jetzt nicht gezählt" - aber ein paar mehr dürften es demnach wohl schon sein.

"Deshalb hat der Vorstandsvorsitzende das gesagt"

Die Frage, ob Sané nun kommt oder nicht, wurde am Dienstag nicht mehr beantwortet. Darüber hinaus blieb aber auch die Frage offen, warum Rummenigge dieses Thema mal wieder über die Medien gespielt hatte. Was wäre falsch daran gewesen, dem Trainer intern den Kopf zu waschen und ihm zu raten, Pep Guardiola anzurufen? Schwächt er mit dem Gang in die Öffentlichkeit nicht erneut die Stellung des Trainers - und verringert somit vielleicht sogar die Chancen, dass Sané nach München wechselt, zu einem permanent angezählten Trainer?

Auch für Sportdirektor Hasan Salihamidzic wurde es noch ein Abend unter Verbal-Pressing. Seine rhetorischen Befreiungsversuche wirkten alles andere als souverän. "Wir sind alle gut beraten, nicht über Spieler zu sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Deshalb hat der Vorstandsvorsitzende das gesagt." Ob es denn eine gemeinsame Linie gebe, Absprachen? "Daran müssen wir in Zukunft arbeiten." Wie es denn sein könne, dass beim FC Bayern jeder sage, was er wolle? Salihamidzic lächelte gequält: "Das ist eine gute Frage." Eine Antwort blieb auch in diesem Fall aus.



insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
lala10 31.07.2019
1.
Ich verstehe nicht was da unklar ist der fc Bayern gibt die Vorgehensweise heraus das keine wasserstandsmeldungen über Verhandlungen mit neuen Spielern herausgehen werden bevor Vollzug gemeldet worden kann. Das ist glasklar und gilt auch für den Trainer.
jknaebel 31.07.2019
2.
Und wo ist jetzt der Skandal? ist doch genauso, wie wenn der Chefredakteur zu seinem Schreiberling sagt: "Das drucken wir so nicht." Ertragt es doch einfach mal, das es bei den Bayern im Moment nicht viel zu berichten gibt.
timtom2222 31.07.2019
3.
Vielleicht sollte die Chefetage erst mal als Vorbild beginnen! Ist aber beim FCB wie in fast jeder Firma der kleine man soll anfangen.
jonath2010 31.07.2019
4. Auf die Goldwaage
Ach, ihr Medien. Jedes Wort wird von euch auf die Goldwaage gelegt. Aus der Mücke wird ein Elefant gemacht. Wenn Rummenigge hustet, hat der ganze FC Bayern (angeblich) Schnupfen. Kovacs entschuldigt sich für was noch mal? Weil er sich wünscht, dass Leroy Sané kommt. Seit wann muss man sich für Wünsche entschuldigen?
ardbeg17 31.07.2019
5.
Kovac grinste gestern bei dem Interview in sich hinein. Solange Bayern gewinnt und allein mit solchen Nichtigkeiten Schlagzeilen machen kann, sind sie da, wo Hoeneß sie haben will.
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