Torwart-Patzer gegen Gladbach Schlendrian - und das bei Neuer

Schon zum vierten Mal hat Manuel Neuer gepatzt, wenn es gegen Gladbach ging. Auch wenn ihn nach Abpfiff alle in Schutz nahmen: Der Nationaltorwart kämpft mit dem Schlendrian.

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Aus München berichtet Sebastian Winter


Manuel Neuers Handschuhe lagen im Nirgendwo zwischen Strafraum und Mittelkreis, der wütende Besitzer hatte sie weggeschleudert. Aber schnell hatte sich der Bayern-Keeper äußerlich wieder im Griff, wie so oft. Und als die Spieler sich nach der 0:2-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach traurig bei ihren Fans bedankten, da lief der 28-Jährige schon wieder entschlossen vorneweg. Obwohl ausgerechnet die Fehler des aktuellen Welttorhüters an diesem Abend das Spiel entschieden hatten.

Nach einer halben Stunde war ihm ein eher harmloser Schuss von Raffael durch die Handschuhe geglitten, es sah nicht gerade schmeichelhaft aus für Neuer. In der 70. Spielminute lenkte Neuer einen Schuss von André Hahn gerade noch an den Pfosten, wieder sah er nicht so souverän aus wie gewohnt. In der 77. Minute rutschte dann der stramme Schuss von Raffael unter dem Arm zum 0:2 durch. Neuer hatte seinen Anteil an der ersten Heimniederlage der Bayern seit fast einem Jahr. Der ehrgeizige deutsche Nationaltorwart wird innerlich gekocht haben.

Aber er ließ sich das kaum anmerken, als er in weißen Schuhen, Trainingsanzug und mit einer schwarzen Ledertasche unter dem Arm vom Duschen kam - und sich so viel Zeit für die Fragen nahm wie kein anderer Bayern-Spieler. "Es war der erste Ball, der auf mein Tor gekommen ist", sagte Neuer, und erklärte seinen Fehler vor dem 0:1: "Das Problem war, dass ich den Ball festhalten wollte. Vielleicht hätte ich mehr auf Nummer sicher gehen und ihn abklatschen sollen, aber ich wollte Gladbach keinen Rebound geben." Keine neue Möglichkeit zum Abschluss also.

Merkwürdige Serie

Es ehrt Manuel Neuer, dass er sich den unangenehmen Fragen stellte, sein Dank an die Fans sollte auch signalisieren, dass er sich nicht beeindrucken lässt von den Fehlern. Zugleich spiegelt sich seine Leistung in jener der gesamten Bayern-Elf. Während sie, auf hohem Niveau, keine echte Balance zwischen Offensive und Defensive findet, häufen sich Neuers Leichtsinnsfehler, er wirkt in diesen Wochen nicht so sicher wie sonst.

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Wie in der Vergangenheit schon mehrfach gegen den neuen Bayern-Angstgegner Gladbach hatten sie auch diesmal fatale Folgen. Es war mittlerweile das vierte Mal in Spielen gegen die Borussia, dass der Gegner von einem Neuer-Fehler profitierte. Eine merkwürdige Serie.

Die fehlende Balance dürfte dabei ein wichtiger Grund für Neuers suboptimales Spiel sein. Denn das derzeitige Bayern-Spiel ist so undankbar wie noch nie für den eigenen Keeper. Dass er sich kaum auszeichnen kann, ist nichts Neues bei den Bayern. "Das ist immer unser Spiel gewesen, das war auch schon bei Oli Kahn so. Du kriegst wenig Bälle aufs Tor, und dann musst du da sein", sagt Nationalelf-Kollege Thomas Müller.

Gefährliche Spielweise für den Keeper

Aber dadurch, dass die FCB-Außenverteidiger unter Guardiola in dieser Saison noch extremer aufrücken als zuvor, sind die Innenverteidiger und Neuer bei schnellen Kontern in Unterzahl. Für den Keeper ist eine solche Situation extrem gefährlich, weil der Gegner dann in höchstem Tempo auf ihn zustürmt, querspielen kann und die eigene Abwehr unsortiert ist.

Nach dem Schlusspfiff bekam der Keeper alle Unterstützung von seinen Mitspielern. Müller betonte: "Manu hat uns schon viele Spiele gerettet, heute konnte er nichts machen", Trainer Guardiola hatte die Offensive und die dortigen Ballverluste als Ursprung allen Übels erkannt: "Wir haben nicht wegen Manu verloren, sondern weil wir Probleme beim Angreifen hatten."

Was gegen Gladbach passiert, das kann den Bayern im Duell mit dem nächsten Ligagegner Dortmund oder gegen Porto in der Champions League auch widerfahren. Zumal in der Offensive Kreativspieler Arjen Robben wegen seines Bauchmuskelrisses wochenlang fehlt. Thiago, Müller und Mario Götze sind Kandidaten, die für ihn einspringen könnten. Alle drei haben in der Defensivarbeit allerdings noch Potenzial nach oben.

Potenzial nach oben - über Neuer muss man so etwas eigentlich nicht sagen, doch auch ihn hat der Schlendrian gepackt. Die Mannschaft stellte sich dennoch ausnahmslos hinter ihren Keeper - der in Mario Götze seinen größten Fürsprecher hatte: "Über die Qualität von Manu brauchen wir nicht reden. Und wir brauchen uns keine Sorgen um ihn machen", sagte Götze. Und fügte an: "Nicht um ihn."

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steso 23.03.2015
1. der ...
... wievielte Artikel ausschließlich über die Bayern ist das jetzt seit der Niederlage. Gibt es eigentlich bei SpOn auch jemanden, der über den Gegner Gladbach und dere Leistung schreibt ...?
Beinlausi 23.03.2015
2. Sehe ich genauso.
Wenn einer nach wenigen wirklich guten Jahren zwei Tore in einem Spiel kassiert, von denen er eins auch wirklich sicher hauptverschuldet hat, ist er wegen seiner miesen Einstellung eigentlich wegen Arbeitsverweigerung zu feuern. Oder was heißt bei Euch "Schlendrian"?
foaquito 23.03.2015
3.
Naja so unglaublich neu ist das jetzt auch nicht. Auch als er noch nicht zur dunklen Seite der Macht gewechselt war, gabs da immermal wieder die unglaublichsten Böcke (natürlich neben Spielen, die er uns allein rettete, 0:0 bei den Gelben in deren Meistersaison; CL- Achtelfinale gg. Porto Rückspiel). Ich kann mich an ein Spiel erinnern, wo er uns 2 Punkte kostete, weil er den Ball zu nem Blauen warf. Der guckte erst verdutzt und machte dann nen Heber... 1:1. Achja: S04 hatte die hässlichen orangen Ausweichtrikots an und der Gegner hiess glaub ich Rostock.
ein_Nachdenker 23.03.2015
4. langweilig
es war der angekündigte mühelose Borussen-Sieg gegen überforderte Bayern.
gargamel8 23.03.2015
5.
Bayern hat nicht gegen irgendeine Gurkentruppe verloren, sondern gegen Gladbach, das zurzeit wohl stärkste deutsche Team. Sie können froh sein, dass sie nich vier Stück bekommen haben.
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