Niederlage gegen FC Porto Bayern muss um Halbfinale zittern

Dem FC Bayern droht das Aus in der Champions League: Gegen den FC Porto fabrizierten die Münchner selten gesehene Fehler. Mittelfeldchef Alonso stand vollkommen neben sich. Alles Wichtige zur Pleite in Portugal.

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Ausgangslage: Die Bayern, der klare Favorit im Champions-League-Viertelfinale. Ein Weiterkommen gegen die "Drachen" aus Porto ist Pflicht, trotz des großen Lazaretts. Insgesamt fehlen sechs Profis: Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba, Bastian Schweinsteiger, Javier Martínez und Mehdi Benatia.

Ergebnis: 3:1 (2:1) für den FC Porto . Ricardo Quaresma traf gleich zweimal für die Portugiesen (3. Minute, 10.), Jackson Martínez erhöhte (65.). Thiago Alcantára hatte noch in der ersten Hälfte den Anschlusstreffer (28.) erzielt. Das Duell mit dem Champions-League-Sieger von 2004 ist also alles andere als "Drachenzähmen leicht gemacht" für die Bayern, die nun ums Halbfinale zittern müssen.

Doppelter Quaresma: Der Nationalspieler Portugals traf gleich zweimal gegen die Bayern.
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Doppelter Quaresma: Der Nationalspieler Portugals traf gleich zweimal gegen die Bayern.

Wunderheilung: Portos Top-Torjäger Martínez, eigentlich mit einer Adduktorenverletzung für das Viertelfinale krankgeschrieben, stand plötzlich in der Startaufstellung. Dabei trainierte er nicht einmal mit der Mannschaft. Der Kolumbianer erzielte in dieser Saison bereits 26 Treffer, für die Bayern galt also: aufpassen. Das hatte sich aber schon nach drei Minuten erledigt.

Die erste Hälfte: "Wir warten, wie sich der Gegner präsentiert", sagte Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer vor der Partie, damit wollte er eigentlich ausdrücken: Wie schon in den vergangenen Wochen wird Coach Guardiola auch gegen Porto auf eine abwartende Spielweise setzen. Von wegen: Die Portugiesen setzten die Bayern früh unter Druck, Xabi Alonso patzte, und Martínez bekam einen Elfmeter gegen Manuel Neuer zugesprochen. Ricardo Quaresma verwandelte sicher.

Und es kam noch schlimmer: Dante unterlief ein Fehler, wie er ihm sonst wohl nur beim 1:7 gegen Deutschland passiert wäre, Quaresma sprintete dazwischen und erzielte sein zweites Tor. Die Bayern zwar breit in der Spielanlage und damit auch mit Kontrolle, waren vorne aber ohne Durchschlagskraft, bis Thiago doch noch der Anschluss gelang. Pech hatten die Münchner dann, dass Schiedsrichter Carlos Carballo ihnen keinen Elfmeter zusprach, obwohl Alex Sandro Robert Lewandowski festgehalten hatte. Dann: Halbzeit! Das heute-journal zeigte noch mal den weinenden Watzke.

Die zweite Hälfte: Die Münchner hatten weiterhin arge Probleme mit dem frühen Pressing der Portugiesen. Im Aufbau hatte Alonso Martínez wieder nicht auf dem Radar, konnte aber im letzten Moment retten. Die Bayern verloren die Kontrolle über die Partie. Jérôme Boateng zwang Neuer erst zu einer Parade, sprang dann unter dem Ball hindurch: Dritter (!) individueller Fehler und folgerichtig das dritte Gegentor, weil Martínez gegen Neuer cool blieb. Guardiola trank einen großen Schluck aus der Wasserflasche. Die Bayern in der zweiten Hälfte ohne eine einzige nennenswerte Chance.

Moment des Glücks: Manuel Neuer fuhr mit einem Lächeln zurück nach Porto. Mit dem FC Schalke zog der Keeper 2008 im Estádio do Dragão ins Viertelfinale der Champions League, es war laut Neuer ein "Sahnespiel". Das Lächeln verging dem 29-Jährigen an diesem Abend aber schnell: Er hatte großes Glück, nach seinem Foul an Martínez nur Gelb zu sehen. Andere Meinungen? Bitte:

Schnarchnase des Spiels: Alonso gilt als feiner Passspieler, als Ballverteiler. In Porto war der Welt- und Europameister allerdings mit seinen Gedanken woanders. Sein Fehler in der dritten Minute verunsicherte die Münchner, Dante und Boateng zogen mit individuellen Aussetzern nach. In der zweiten Hälfte genau dasselbe Bild: Alonso sah Martínez wieder nicht in seinem Rücken - fast der nächste entscheidende Patzer.

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Münchens Stars in der Einzelkritik: Die Albtraum-Bayern
Die Erkenntnis: Die Bayern müssen um das Halbfinale zittern. Es ist ein unerwartetes vorgezogenes Endspiel, das die Münchner in nur sechs Tagen erwartet (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE). Für Bayern-Coach Guardiola könnte ein Scheitern in der Königsklasse auch das Ende beim Rekordmeister sein. Nichts weniger als den Champions-League-Titel erwartet er von sich selbst. Fürs Weiterkommen genügt den Bayern jetzt aber kein trostloses 1:0 mehr, sie müssen zwei Tore aufholen und vor allem: die individuellen Fehler abstellen - ein schweres Unterfangen.

FC Porto - Bayern München 3:1 (2:1)
1:0 Quaresma (3., Foulelfmeter)
2:0 Quaresma (10.)
2:1 Thiago (28.)
3:1 Martínez (65.)
Porto: Fabiano - Danilo, Maicon, Martins Indi, Alex Sandro - Casemiro - Herrera, Torres (75. Neves) - Quaresma (85. Evandro), Martínez, Brahimi (80. Hernani)
München: Neuer - Rafinha, Jérôme Boateng, Dante, Bernat - Alonso (74. Badstuber) - Lahm, Thiago - Thomas Müller, Lewandowski, Götze (56. Rode).
Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
Zuschauer: 50.092 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Casemiro (2), Alex Sandro (3), Danilo (3) - Neuer (2), Bernat (2), Lahm (2), Rode

insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
patricks-hill 16.04.2015
1. Schwer Neutral
Wie immer in Deutschland, kein Wort zum Schiri. Ein spanischer Schiedsrichter im Spiel Deutschland gegen Portugal, wer macht sowas? Nichts aufgefallen?
fr3ih3it 16.04.2015
2. Sunday League
Dieses Spiel erinnerte an ein Spiel in der so genannten Sunday League. Planloses "rumgebolze", unzählige Fehlpässe und eine Schiedsrichterleistung die im Amateurfußball besser ist. Bayerns Glück das es ein Auswärtsspiel war und Zuhause doch noch etwas möglich ist.
schwaebischehausfrau 16.04.2015
3. Das war grausam...
..und lässt sich auch nicht alleine mit dem großen Verletzungspech entschuldigen. Denn die 11, die auf dem Platz standen, waren - leider nur auf dem Papier - eigentlich immer noch 1 Klasse stärker einzuschätzen als Porto - mindestens. Immerhin standen mit Götze ,Lewandowski + Müller ungefähr 150 Mio. € im Sturm, aber die hingen auch fast 90 Minuten in der Luft. Alonso ist einfach zu langsam und zu behäbig (war ja nicht sein erster Komplett-Aussetzer, siehe Hinspiel in Donezk) und eine solche Masse an haarsträubenden Fehlern und Abspielfehlern hat man seit Jahren nicht mehr gesehen bei Bayern. Das kann man noch drehen, dazu braucht's aber schon einen super Abend. Wenn man tatsächlich schon gegen Porto rausfliegt, dann kann auch ein Double aus Meisterschaft + Pokal die Saison nicht mehr raußreißen. Dafür hat der Verein selbst die Latte zu hoch gelegt - nach 3 CL-Final-Teilnahmen innerhalb von 4 Jahren (2010-2013).
nk222 16.04.2015
4. Fehler von Alonso...
Warum wird nicht erwähnt, dass der ersten "Fehler" von Alonso durch ein klares Foul entsteht? Der Portugiese trifft klar das Bein von ihm, mit der er den Ball spielt. Nur dadurch verspringt der Ball! Darf man ruhig dazuschreiben...
maxehaxe 16.04.2015
5.
Dann hat Tuchel wohl nächstes Jahr die Wahl zwischen Bayern und Dortmund.
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