Bayern-Sieg über Frankfurt "Das Ding funktioniert"

Die Revanche gegen Frankfurt hat gezeigt: Der Topform der Bayern hat die Corona-Pause nichts anhaben können. Auf dem Weg zum Titel gibt es wohl nur eine letzte große Hürde - in Dortmund.
Von Florian Kinast, München
Bayern-Stürmer Thomas Müller: 17 Torvorlagen in einer Saison

Bayern-Stürmer Thomas Müller: 17 Torvorlagen in einer Saison

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ANDREAS GEBERT/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Die Bayern hatten sich viel vorgenommen für genau dieses Wochenende. Am Samstagabend der Gewinn des DFB-Pokals. Dann, am nächsten Morgen nach einer langen Nacht, die Rückkehr nach München und schließlich am frühen Sonntagnachmittag die Double-Party auf dem Marienplatz, die obligate Feier vom Rathausbalkon mit Meisterschale und Pokal. Das war der Plan, als das Pokal-Endspiel noch für den 23. Mai terminiert war, damals in der Zeitrechnung vor Corona. 

Statt des Endspiels in einem ausverkauften Berliner Olympiastadion trug der FC Bayern nun aber ein Bundesligaspiel in einer leeren Münchner Arena aus. Es war das erste Geisterheimspiel für die Münchner, und es brachte die Erkenntnis, dass das Virus in den vergangenen Wochen zwar massive Auswirkungen auf die ganze Welt hatte. Dem Selbstverständnis des FC Bayern konnte es aber nichts anhaben.

Wie die Mannschaft nach der zweimonatigen Zwangspause auftreten, wie schnell sie zu ihrem Niveau finden würde, war offen gewesen. Die beiden Siege nach dem Liga-Restart, das 2:0 bei Union Berlin und nun das 5:2 am Samstagabend gegen Eintracht Frankfurt, zeigen, dass sich die Bayern recht immun präsentieren gegen diese Ausnahmesituation. Sie streben unbeirrt ihrem achten Meistertitel in Serie entgegen. Ob sie für 75.000 Zuschauer spielen oder wie am Samstag für Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer, die Bayern kratzt das herzlich wenig.

Das Spiel gegen die Eintracht war aufgrund der jüngeren Geschichte ein besonderes, das denkwürdige 1:5 der Münchner in der Hinrunde kostete Niko Kovac bekanntermaßen den Job und brachte Hansi Flick ins Amt. Warum es seitdem so gut läuft, warum die Bayern in den 17 Ligaspielen unter dem neuen Trainer 14 Siege holten, und was Flick meinte, als er vor dem Spiel einmal mehr sagte: "Wir haben einen Plan, mit dem sich die Spieler identifizieren können": Genau das war am Samstagabend zu sehen gewesen.

Denn so unbestritten bedeutsam Flicks schon so oft beschriebene empathische Qualitäten als Profiflüsterer mit dem Gespür für das richtige Wort im richtigen Moment für seine Spieler sind: Mindestens genauso wichtig sind seine taktischen Vorgaben. 

Thomas Müller, der als hängende Spitze aufgestellt worden war und von der linken Außenbahn das 1:0 durch Leon Goretzka vorbereitete, plauderte nach Abpfiff über Flicks Spielidee und gewährte Einblicke, warum es gerade in der Offensive so gut läuft. Wie sie den Gegner mit Positionswechseln schwindlig spielen und durcheinanderwirbeln.

80 Tore nach 27 Spielen

Das Team versuche, variabler zu spielen, sagte Müller. Die Angreifer würden "nicht einfach dem Außenspieler den Ball geben und sagen: 'Viel Glück, vielleicht kriege ich ihn ja wieder.' Sondern, dass wir auch was anbieten. Man merkt, mit diesem Kombinationsspiel haben wir viel Spaß und kreieren viele Torchancen." Von denen viele auch genutzt werden, wie ein Blick auf die Zahlen belegt.

80 Tore nach 27 Spielen sind ebenso ein Bundesligarekord wie die 55 Tore nach Flicks ersten 17 Spielen für einen Trainer. Im Vergleich zu den ersten zehn Ligapartien unter Kovac hat sich das Team offensiv und defensiv massiv gesteigert. Im Schnitt erzielen sie unter Flick fast ein Tor mehr pro Partie (3,24; unter Kovac waren es 2,5); und sie kassieren deutlich weniger (0,71; vorher: 1,6 pro Spiel).

Eine Bestmarke stellte auch Müller selbst ein, mit seiner 17. Torvorlage in einer Saison, auch wenn er gestand, den heranstürmenden Goretzka gar nicht gesehen zu haben. "Der Leon beklagt sich im Training immer lauthals, wenn der Ball nicht in den Rückraum kommt", erzählte Müller. "Ich habe den Leon auch gar nicht gesehen, sondern nur den Raum angespielt, habe aber innerlich verlangt, dass er dann auch da zu sein hat. Wenn er es schon immer fordert." Auch das ein Beleg, dass die einstudierten Mechanismen gut greifen. Und dass Müller seine Stärken unter Flick wieder ausspielen kann, weil er die für ihn nötigen Freiheiten erhält. Dann sprach Müller noch von der "Gier", nach einem Ballverlust aufs Gegenpressing umzuschalten, davon wie man Druck ausübe, und resümierte: "Man sieht, das Ding funktioniert." Müller hätte zu "das Ding" auch sagen können: "Das System Flick."

"Darüber wird man noch reden müssen"

Was gegen Frankfurt jedoch weniger gut funktionierte, das war die mitunter sehr schlampige Defensive in der zweiten Halbzeit. Zwei Gegentore innerhalb von drei Minuten, beide von einem unbedrängten Martin Hinteregger, beide nach einer Ecke, dazu weitere Großchancen der Gäste, das gab zu denken. Vielleicht kam all das als Warnung vor dem nächsten Spiel aber gerade recht.

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Ob Trainer Flick, Vorbereiter Müller oder Torschütze Goretzka, alle sagten dazu unisono: "Darüber wird man noch reden müssen." Das sollten sie sehr schnell. Am Dienstag sollte das Abwehrverhalten stabiler sein, da nämlich heißt der Gegner Borussia Dortmund (18.30 Uhr; Liveticker SPIEGEL.de; TV: Sky). 

Mit einem Sieg im Topspiel würde der Tabellenführer seinen Vorsprung auf den Verfolger auf sieben Punkte erhöhen. Es wäre, bei dann noch sechs ausstehenden Spieltagen, ein großer Schritt auf dem Weg zum achten Titel in Serie. "Wir wollen die Meisterschaft wieder nach München holen", sagte Müller, "da wo, sie hingehört." Für die Bayern ist Dortmund dazu wohl die letzte Hürde, für den neutralen Beobachter die letzte Hoffnung. Sonst droht ab Dienstag vermutlich doch wieder Langeweile.

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