Bayerns Unentschieden gegen Augsburg Unnormal

Späte Treffer, effiziente Chancenverwertung, folgenschwere Fehler der Gegner: All das findet sich in Spielen mit Bayern-Beteiligung üblicherweise auf der Habenseite der Münchner wieder. Gegen Augsburg war das anders.
Von Christoph Leischwitz
Felix Götze, Renato Sanches

Felix Götze, Renato Sanches

Foto: Matthias Balk/ dpa

Normalerweise läuft es ja so: Der FC Bayern verpflichtet Spieler von Konkurrenten, die dann gegen ihren ehemaligen Klub gut spielen, gerne auch Tore schießen. In München aber kam der ehemalige Bayern-Spieler Felix Götze in der 61 Minute zu seinem ersten Bundesligaeinsatz für den FC Augsburg. Und der 20 Jahre alte Innenverteidiger sorgte kurz vor Schluss dafür, dass sein neuer Klub die schlechte Chancenauswertung seines alten Klubs bestrafte.

Nach dem 1:1 (0:0) musste Trainer Niko Kovac zum ersten Mal nach einem Pflichtspiel erklären, warum seine Mannschaft nicht gewonnen hatte.

Felix Götze widmet Treffer Bruder Mario

Götzes kurioses Tor mit der Brust ("Ich habe versucht, alle Körperteile reinzuwerfen") stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Danach musste er sich Witze anhören, er solle in den Katakomben nicht falsch abbiegen und in die Bayern-Kabine gehen. Noch vor vier Monaten hatte er für die Münchner gespielt, wenngleich zumeist in den Ausbildungsteams. Bruder Mario Götze kam in der vergangenen Saison auch mal als Zuschauer vorbei. Im widmete Felix Götze auch seinen Treffer: "Der erste Anruf geht an ihn. Ich wäre nicht hier ohne ihn - ohne seine Tipps. Das Tor ist für ihn."

Die Reaktion der Bayern auf den Treffer des Ex fiel freundlich aus. "Felix ist ein echt guter Typ", sagte Mats Hummels. An jedem anderen Abend hätte man sich für ihn auch gefreut. Aber, merkte Hummels sarkastisch an, "es war unnötig, das heute zu machen". Er meinte das Tor.

Es war herauszuhören: Die Reaktionen der Bayern-Spieler auf das ernüchternde 1:1 schwankten zwischen Galgenhumor und Selbstkritik, deprimiert wirkte dabei aber niemand. Augsburg habe das ganz gut gemacht, hatte mutig und früh angegriffen, aber insgesamt war man schon selbst schuld. "Wir haben ein bisschen rotiert natürlich", sagte Manuel Neuer, aber eben auch "wirklich gute Chancen herausgespielt".

Dass die Startelf-Rotation zum Unentschieden beitrug, wollten einige zumindest nicht ganz ausschließen. Klar, Robert Lewandowski sei ein Weltklasse-Stürmer, sagte Hummels über den Bankdrücker vom Dienstag. Sandro Wagner habe aber bisher auch eine gute Torquote gehabt, er sei nur womöglich gerade nicht so sehr im Rhythmus. Dass David Alaba erst nach der Pause eingewechselt wurde, verteidigte Trainer Kovac damit, dass er aktuell nur zwei gesunde Außenverteidiger habe, "die wir irgendwo auch schonen müssen". Die Aushilfe Leon Goretzka drängte sich nicht unbedingt für weitere Aufgaben auf dieser Position auf.

Im Video: Kovac rechtfertigt Rotation

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Diejenigen, die die meisten Chancen vergeben hatten, ärgerten sich auch am meisten. Renato Sanches etwa, der am vergangenen Mittwoch in der Champions League in Lissabon wohl seinen Durchbruch beim FC Bayern feierte, verzog mehrmals knapp. "Ich habe ein ordentliches Spiel gemacht, aber einige Chancen liegen lassen. Ich denke, das geht noch besser", sagte der 21-Jährige mit unzufriedener Miene.

Sanches' Antritte hatten für Belebung gesorgt. Doch trotz der vielen schnellen Bayern-Spieler wie Serge Gnabry oder Arjen Robben fehlte nicht selten das Tempo im Spiel nach vorne, das Spiel plätscherte oft dahin.

Das mag zum einen am Fanprotest gelegen haben, der auch in München in den ersten 20 Spielminuten auf die Stimmung drückte. Außerdem zeigten sich im offiziell ausverkauften Stadion diesmal ungewöhnlich große Lücken auf den Rängen, offenbar waren diesmal viele Jahreskarteninhaber zu Hause geblieben.

Stimmung? Für drei Minuten plus Nachspielzeit

So etwas wie Derbystimmung zwischen den Oberbayern und den Schwaben kam erst nach Götzes Tor auf, für drei Minuten plus Nachspielzeit. Plötzlich hatten es die Bayern eilig, nach vorne zu spielen. Die Eile kam zu spät. Wenn es mal schnell wurde, mündete dies in Eins-gegen-eins-Situationen mit Augsburgs Andreas Luthe. Der eigentlich verletzte, überraschend schnell genesene Torwart blieb außer gegen den 1:0-Torschützen Robben Sieger, und hielt den FCA damit lange im Spiel.

Auch das läuft in München normalerweise umgekehrt: Die Gäste-Keeper machen Fehler, Manuel Neuer spielt souverän. Diesmal aber sah der 32-Jährige beim Ausgleich nicht gut aus. Eine Schuldzuweisung lehnte er zwar ab: "Ich habe gerufen", sagte er, trotzdem sei ihm ein Mitspieler - Niklas Süle - im Weg gestanden, durch den Zusammenprall habe er den Ball nicht fangen können. Trotz Süles Hilfe ein ungewöhnlicher Neuer-Fehler.

Hummels meinte später, von solchen Spielen gewinne man normalerweise neun von zehn. Diesmal lief es nur eben nicht normal.

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