Bayern-Trainer Niko Kovac Das schwere zweite Jahr

Die Meisterschaft und der Pokalsieg haben Niko Kovac nur kurz entlastet. Der Trainer des FC Bayern spürt zum Start der neuen Saison bereits den Druck des Vorstands - und drängt auf neue Spieler.

Niko Kovac blickt einer schwierigen Saison entgegen
John MacDougall/AFP

Niko Kovac blickt einer schwierigen Saison entgegen

Von Florian Kinast, München


Am Freitag sind beim FC Bayern die Nationalspieler ins Mannschaftstraining eingestiegen: Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Niklas Süle und die anderen Stars, die im Juni noch bei Länderspielen im Einsatz waren. Richtig voll war es an der Säbener Straße deswegen aber nicht, denn mit gerade einmal 17 Feldspielern ist die Personaldecke beim Deutschen Meister weiter dünn.

Und in dieser Zusammenstellung ist der Kader aktuell nicht konkurrenzfähig, wie auch Niko Kovac weiß: "Mit 17 Mann", sagte der Bayern-Trainer am Dienstag, "das wird nicht reichen." Der aktuelle Kader wird nicht reichen, um international mithalten zu können. Doch so klein das Aufgebot derzeit ist, die Erwartungen und der Druck sind weiter groß. Für Niko Kovac wird auch das zweite Trainerjahr in München ein schwieriges.

Druck von Rummenigge

Kovac hat die vergangene Saison zwar erfolgreich zu Ende gebracht und sollte seine eigene Position eigentlich vorerst stabilisiert haben. Aber sowohl die Meisterschaft als auch der glanzvolle Sieg im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig scheinen nicht alle Zweifel am 47-Jährigen beseitigt zu haben. Das lässt sich zumindest den Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge entnehmen. Der Vorstandsboss hatte Kovac bereits nach dem Pokalsieg nicht mit einem Wort auf der Berliner Bankettrede erwähnt, und er erhöhte in der Sommerpause nun den Druck auf den Trainer.

"Dieser Klub lechzt nach der Champions League", erklärte Rummenigge zuletzt im Bundesliga-Sonderheft von "Sport1" und resümierte im Rückblick auf die starken Bayern-Jahre mit den beiden Ex-Spielern Franck Ribéry und Arjen Robben: "Wir haben damit die Champions League gewonnen, standen dreimal im Finale und quasi immer im Halbfinale." Im ersten Jahr von Niko Kovac aber nicht, da flogen die Bayern bereits im Achtelfinale raus.

Tatsächlich hat der Klubboss diese Pleite noch immer nicht überwunden, für ihn scheint der Frust über das Aus gegen den späteren Wettbewerbsgewinner Liverpool im Fazit der Vorsaison schwerer zu wiegen als die Freude über das Double. Da kann der Vorstand noch so sehr beteuern, dass es immer schwerer werde, die Champions League zu gewinnen.

Niko Kovac auf einer Pressekonferenz nach dem Trainingsstart
Christof Stache/AFP

Niko Kovac auf einer Pressekonferenz nach dem Trainingsstart

Für die Bayern zählt in der kommenden Saison ein erfolgreiches Abschneiden in der Königsklasse besonders, es geht um den Nachweis, dass man noch immer zu den stärksten europäischen Klubs gehört. Die Meisterschale und der DFB-Pokal? Natürlich auch gerne, aber eher als Ergänzung zum Henkelpott.

Kovac weiß um die Erwartungen an ihn und um den Druck - weshalb er jegliche Konfrontationen meidet und dem Vorstandsboss beipflichtete, man habe doch noch bis zum Ende der Transferperiode, am 2. September, Zeit für Einkäufe. Doch Kovac hat auch registriert, dass der BVB im Sommer mit Thorgan Hazard, Julian Brandt und Nico Schulz spannende Spieler verpflichtet hat; offensive Spieler, genau in diesem Bereich hat der FC Bayern nach den Abgängen von Robben und Ribéry noch Nachholbedarf.

Der v orsichtig erhobene Zeigefinger

Mit vorsichtig erhobenem Zeigefinger erinnerte Kovac an das Vorjahr, als die Bayern mit 19 Feldspielern in die Saison gestartet waren und sich in den ersten drei Partien gleich drei Profis mit Verletzungen für Monate in den Krankenstand verabschiedet hatten: Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Rafinha. "Als Trainer kann man nicht davon ausgehen, auf diesem Niveau die Saison schadenfrei zu überstehen", sagte Kovac nun und warnte vor neuen Verletzungen. "Wir werden wieder die Gejagten sein." Nicht nur in der Tabelle, sondern auch auf dem Platz.

Derzeit hat Kovac 17 Feldspieler zur Verfügung, darunter noch einige wechselwillige Akteure wie Jérôme Boateng und Renato Sanches sowie Jungprofis, etwa Alphonso Davies, 18 Jahre, und der vom Hamburger SV gekommene Jann-Fiete Arp, 19. Das zeigt: Kovac braucht noch Verstärkungen, auch um seiner selbst willen. Der Frage zu den angeblichen Rücktrittsgedanken in der Sommerpause, als er Medienberichten zufolge hinschmeißen wollte, wich Kovac am Dienstag aus. "Ich bin hier, damit habe ich die Frage doch schon beantwortet."

Seinen ersten öffentlichen Auftritt der neuen Saison begann Kovac mit einem kurzen Rückblick auf seine fünf Urlaubswochen: "All das, was schön ist, ist ziemlich kurz." Wie lang und schön die neue Saison für Kovac wird, das wird sich zeigen. Sicher dürfte sein, dass er sich eine Krise wie im Herbst 2018 nicht mehr erlauben darf. Zuletzt war Carlo Ancelotti im September 2017 vorzeitig weg - am Anfang seines zweiten Jahres beim FC Bayern.



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michamuc 12.07.2019
1. Er ist einfach
nicht der Spitzentrainer den die Bayern brauchen um international bestehen zu können. Er zieht auch keine Stars nach München wie es ein Guardiola tun würde. Bayern muss einen Internationalen erfolgreichen Trainer verpflichten um die CL zu gewinnen davon sind sie weit entfernt. Die Meisterschaft wird eine echte Herausforderung Kovac wird die Saison nicht überleben.
petzle 12.07.2019
2. Bin mal gespannt…
Ein schweres, zweites Jahr dessen Ende Herr Kovac eventuell nicht mehr Erleben wird. Nichts für Ungut, er ist ein junger Trainer, hat gute Anlagen aber der Schritt zu den Bayern ist, wie für viele junge Spieler in der Vergangenheit, einfach zu schnell für ihn gekommen. Er hätte vielleicht noch ein paar Jahre in der Bundesliga trainieren sollen und so seine Reputation festigen können. Doch zu viele Fehler, im Umgang mit der Mannschaft, in der Auswahl der Taktik und seine doch zu schmalen bisherigen Erfolge, können sich zu bei einem Weltklub schnell ins Negative kehren. Es wird sich sicher der ein oder andere Spieler überlegen, einen Wechsel zum FCB ist heuer mit viel Risiko verbunden. Zumal er auch nicht geschafft hat, einen talentierten Spieler wie Sanchez zu integrieren, das Potenzial eines Thiago in seiner aktuellen Rolle als eher defensiven Mittelfeldspieler nicht optimal zu fördern und ein Abgang von Hummels wird auch sicherlich noch ein Bumerang werden. Zumal Boateng nun bleiben darf und die hochveranlagten neuen Spieler erstmal Leistungsnachweise auf dem Niveau bringen müssen. Und das System eines FCB ist relativ schnell berechenbar. Eine zweite schwache Phase, wie letztes Jahr, wird er sich nicht erlauben können zumal der Manager Novize Salihamidzic immer noch seine Position festigen und dringend sein Profil schärfen.
Nonvaio01 12.07.2019
3. was ist das denn fuer ein bericht
da steht ein satz von Rumenigge: das der FCB nach der CL lechzt. Der resit ist einfach nur erfunden und spekuliert. Wo hat Kovac jetzt schon druck? Die aussage von KHR wurde im zusammen hang mit verpflichtungen getaetigt, nicht um zusammen hang mit dem Trainer. KHR hat diese aussage getaetigt als man meinte das der FCB noch keine nrichtigen star eingekauft hat, daraufhin meinte KHR das der FCB nach der CL lechzt und man mit sicherheit noch etwas auf dem Transfermarkt un werde. Davon das Kovac schuld ist am fruehen ausscheiden sagte er kein wort, denn auch er wusste das Liverpool einfach besser war was das spieler material angeht.
telarien 12.07.2019
4. Da ist noch Bedarf
Ich glaube, kein Bayernfan hält den Kader derzeit in der Breite für ausreichend. Etwas merkwürdige Planung. Will man Kovac loswerden, indem man ihn ins offene Messer laufen lässt?
romeov 12.07.2019
5. Kann man ihn einfach mal in Ruhe arbeiten lassen?
...der FCB generiert halt eine hohe Click Rate, Kovac hat im ersten Jahr zwei Titel geholt, welcher BL-Trainer kann das sonst noch vorweisen?
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