Bayerns Remis gegen Schalke Eingefrorene Erfolgself

Pleite in Wolfsburg, Unentschieden gegen Schalke: Der Rückrundenstart der Bayern war holprig. Trainer Guardiola behauptet, trotzdem zufrieden zu sein. Dabei unterlaufen seiner Mannschaft ungewohnte Fehler.

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Aus München berichtet Sebastian Winter


Die Dopingkontrolle bei Arjen Robben dauerte lange, als letzter Bayern-Akteur kam der Niederländer aus dem Spielerbereich der Münchner Arena. "Nur eine Minute", drohte er den wartenden Journalisten dann halb im Scherz, wurde aber schnell wieder ernst. Fast empört wies er die erste Frage zurück, ob er denn mit dem 1:1 (0:0)-Unentschieden gegen Schalke 04 zufrieden sei. "Nein, es ist ärgerlich, wenn du 1:0 in Führung gehst, dann musst du es zumachen. Wir müssen uns dann auch belohnen", sagte Robben.

Das Gegentor, dieser Kopfball von Benedikt Höwedes nach einer Ecke, dürfe "nicht passieren, wir wissen, dass Höwedes der kopfballstärkste Spieler von Schalke ist, auch in der Bundesliga", schimpfte der Niederländer: "Da musst du dein Leben reinlegen, dass da keiner köpft. Ich greife keinen persönlich an, es geht um uns alle zusammen."

So angefressen war Robben lange nicht mehr. Voller Brass war er auch einer der wenigen, die deutlich vernehmbare Kritik übten am verkorksten Rückrundenstart. Trainer Josep Guardiola wollte jedenfalls "sehr, sehr, sehr zufrieden" gewesen sein, "unsere Leistung war viel besser als in Wolfsburg". Keeper Manuel Neuer fand nicht, "dass wir zwei Punkte verloren haben". Und Offensivmann Thomas Müller sprach von einem "ganz ordentlichen Spiel".

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Bayern in der Einzelkritik: Alonso und der deutsche Winter
Sie alle versuchten, die enttäuschende Punkteteilung kleinzureden. Fakt ist aber, dass die Bayern nur einen Punkt aus zwei Spielen der Rückrunde geholt haben. In München taugt so etwas schon dazu, eine kleine Krise auszurufen. Jedenfalls ist eines klar: Dass die Bayern das bislang tiefste Tal in dieser Saison durchschreiten. Und das hat drei Gründe.

  • Erstens wirkt Xabi Alonso, der eigentliche Taktgeber der Bayern im Mittelfeld, zurzeit müde, auch gegen Schalke war das so. Dem Spanier unterliefen ungewöhnlich viele Fehler, er hatte außerdem wesentlich weniger Spielanteile als im Herbst bei seinen Gala-Auftritten. Zwölf Fehlpässe, 106 Ballkontakte und eine Zweikampfquote von 57 Prozent sind keine Spitzenwerte für Alonso. Kritik, dass er sich mit seinem Nebenmann in der Zentrale, Bastian Schweinsteiger, schwertue, wies dieser zurück: "Jeder weiß, dass wir zwei nebeneinander spielen können. Aber nicht nur wir beide, sondern die gesamte Mannschaft muss gut zusammenspielen."

  • Die Bayern sind, zweitens, in diesen Tagen erstaunlich fragil, bis auf Robben versprühte gegen Schalke keiner wirklichen Glanz. Vielmehr fallen die vielen kleinen, individuellen Fehler auf, wie man sie aus der Hinrunde nicht kannte. Gegen Schalke ging Jérôme Boateng extrem ungeschickt in einen Zweikampf am Strafraum, er sah Rot und wird den Bayern zumindest gegen Stuttgart und Hamburg fehlen. Nach dem Spiel schlurfte Boateng angefressen durch die Interviewzone, mit eingeschweißtem Abendessen in der Hand, Fragen wollte er keine beantworten. Der Appetit dürfte ihm jedenfalls vergangen sein nach seinem Rückfall in längst vergangene Schluder-Zeiten. Vor dem Ausgleich ließ dann Mitchell Weiser Schalkes Benedikt Höwedes aus den Augen, der kaum bedrängt zum Kopfball hochstieg.

  • Offenbar macht sich zudem das Fehlen vieler Schlüsselspieler bemerkbar, die wichtig sind für Guardiolas System. Vor allem Fußballer wie Philipp Lahm und Thiago Alcantara, die schnell und wendig sind und einen ausgeprägten Drang nach vorne haben. Die aber auch, wie Lahm, glänzend nach hinten absichern und Räume zustellen können. Räume, die die Bayern zuletzt vor allem Wolfsburg schenkten. Guardiola hat zwar einen Luxuskader, muss aber wegen der vielen verletzten Stammspieler trotzdem den Mängelverwalter geben.

Stuttgart ist nun am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die nächste hohe Hürde für die Bayern, bei den Schwaben hatten sie schon oft große Probleme. Ein wenig Selbstkritik schadet vor diesem Spiel sicher nicht. Neben Robben war dafür nach dem Schalke-Spiel allein Robert Lewandowski zuständig, der zugab: "Das waren zwei schlechte Spiele, aber du kannst nicht die ganze Saison top spielen. Besser das passiert jetzt als später." Später, wenn die wirklich wichtigen Spiele kommen.

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Schalke in der Einzelkritik: Hinten hui, vorne pfui
Bayern München - Schalke 04 1:1 (0:0)
1:0 Robben (67.)
1:1 Höwedes (72.)
München: Neuer - Weiser (88. Rode), Jerome Boateng, Benatia, Alaba - Alonso, Schweinsteiger - Robben, Götze (27. Dante), Bernat - Thomas Müller (55. Lewandowski).
Schalke: Giefer (46. Wellenreuther) - Uchida, Höwedes, Matip, Nastasic, Fuchs - Kevin-Prince Boateng (87. Barnetta), Neustädter, Meyer - Sam (77. Leroy Sane), Choupo-Moting
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Jérôme Boateng (Notbremse/17.)
Gelbe Karten: Benatia (3), Weiser, Schweinsteiger (2) - Höwedes (3)
Besonderes Vorkommnis: Neuer hält Foulelfmeter von Choupo-Moting (18.)

insgesamt 49 Beiträge
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alterkaufmann 04.02.2015
1. Kampf um die Plätze
Bayern München und Wolfsburg kämpfen um die ersten Plätze. Bewunderswert finde ich jedoch, wie sich der BVB und die Hertha streiten, wer wohl die letzten Plätze verdient hat. Wer kann es schlechter als der Andere? Interessant, interessant.....
SirWolfALot 04.02.2015
2. Naja...
das Fehlen von thiago kann ganz ehrlich niemanden groß aufgefallen sein, da er meist verletzt ist! Ich schätze mal eher, dass die Bayern sich einfach zu unangreifbar gefühlt haben und versuchten mit dem gleichen Aufwand das maximale rauszuholen. Das Problem ist, die anderen Mannschaften trainieren auch.
Tavlaret 04.02.2015
3. Komisch
Mir ist einfach nicht erklärbar, dass eine Mannschaft, die vor wenigen Wochen noch scheinbar unbesiegbar war, plötzlich nur noch durchschnittlich spielt ... praktisch von jetzt auf nachher und dass sie dabei etwas ratlos wirken. Nun denn, es ist wohl besser das jetzt zu bemerken und nicht erst wieder gegen Real.
minga1972 04.02.2015
4. Nichts passiert...
Bayern mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer. Gestern zu Zehnt nah dran am Sieg. Es kann nicht immer "Champagnerfussball" geben (die vor der Saison selbsternannte "klare Nummer 2 in Deutschland" (auf welchem Platz ist dieser Verein aktuell gerade nochmal?) hat das ja richtig erkannt). Besser jetzt einen kleinen Mini-Durchhänger als im Frühling.
theinvisibleone 04.02.2015
5. Krise?
Mein Gott, sowas nennt man Anlaufschwierigkeiten. Und in drei Wochen heißt es nach 4 Siegen in Serie wieder die Bayern wären die beste Mannschaft der Welt. Das Problem ist nur dass die Medien uns das immer aufschwatzen wollen damit sie was tolles zu schreiben haben.
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