Bayerns Verletzungsmisere Schlag ins Gesicht

Jetzt auch noch Arjen Robben und Robert Lewandowski - die Verletzungen beim FC Bayern reißen nicht ab. Doch dass Robben und Medhi Benatia gegen Dortmund spielten, wirft auch Fragen nach der Behandlungsstrategie auf.

Dortmunds Langerak (l.), Bayerns Lewandowski: Folgenschwerer Zweikampf
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Dortmunds Langerak (l.), Bayerns Lewandowski: Folgenschwerer Zweikampf

Von Sebastian Winter, München


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Um kurz vor zwölf Uhr an diesem Mittwoch geriet die Welt des FC Bayern endgültig aus den Fugen. Der Klub, der das dramatisch verlorene Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund noch nicht verdaut hat, erhielt eine neue Hiobsbotschaft. Muskelbündelriss in der linken Wade und Saisonende bei Arjen Robben. Nasenbeinbruch, Oberkieferbruch und Gehirnerschütterung bei Robert Lewandowski.

Auch der Pole fällt wohl für das Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona aus. Es ist, trotz erster Bekundungen via Twitter, schwer vorstellbar, dass er sich mit solchen Verletzungen, verborgen unter einer Gesichtsmaske, in wenigen Tagen ins Strafraum-Getümmel gegen die Verteidiger der Katalanen stürzt.

Die Bayern verlieren damit zwei eminent wichtige Pfeiler ihres Spiels - und mit ihnen schwindet die Hoffnung, am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Barcelona bestehen zu können. In jenem Spiel, in dem sich entscheidet, ob die kaputten Münchner eine Saison zum Guten wenden können, die außer Kontrolle zu geraten droht.

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"Wenn wir am Mittwoch mit neuem Elan und neuem Spirit auf den Platz gehen, läuft es vielleicht etwas glücklicher als heute", hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in der vergangenen Nacht noch gesagt.

Neuer Elan? Neuer Spirit? Wo soll der Deutsche Meister ihn finden, wenn er personell derart große Probleme hat? Das Spiel gegen Dortmund, das auch als Härtetest vor dem deutsch-spanischen Duell dienen sollte, hat den Münchnern fast jede Hoffnung auf ein gelungenes Saisonende genommen.

Und wer soll am Samstag überhaupt in Leverkusen spielen, bei jener Mannschaft, die noch um die direkte Champions-League-Qualifikation kämpft und den Bayern alles abverlangen wird? Der aus dem Stadion humpelnde Medhi Benatia, dessen rechtes Bein dick bandagiert war? Philipp Lahm, Thomas Müller, Xabi Alonso, die nach der strapaziösen Saison fix und fertig sind?

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Die Bayern müssen am Dienstag mit einer Rumpf-Mannschaft nach Spanien reisen, Trainer Josep Guardiola hat kaum noch taktische Möglichkeiten. Gut, er kann den auch gegen Dortmund starken Mitchell Weiser für Robben spielen lassen. Aber Robbens Zug zum Tor hat Weiser nicht, auch nicht dessen hohe Geschwindigkeit am Ball.

Der Einsatz von Franck Ribéry ist nach seinen langwierigen Sprunggelenksproblemen ebenfalls fraglich. Und Mario Götze ist ein Schatten seiner selbst. Fiele Benatia als Innenverteidiger aus, müsste Guardiola zudem auf den zuletzt oft patzenden Dante zurückgreifen - gegen Lionel Messi und Co. keine beruhigende Vorstellung.

Nur einer gab um kurz vor zwei Uhr nachts Entwarnung: Thiago, den Guardiola in der 68. Minute für Robben ausgewechselt hatte. "Ich habe überhaupt keine Verletzung!", richtete der Spanier fast trotzig via Twitter aus. Guardiola hatte zuvor noch gesagt, Thiago habe einen Schlag abbekommen, eine leichte Prellung wurde festgestellt. Das sind in diesen Zeiten wunderbare Nachrichten für die Bayern.

Die neuerlichen Rückschläge werfen zugleich erneut die Frage nach der Behandlungsstrategie bei den Bayern auf. Robben (Bauchmuskelriss) und Benatia (Muskelfaserriss) waren erst kurz vor dem Dortmund-Spiel wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen - nach einer für die Schwere ihrer Verletzungen erstaunlich kurzen Regenerationszeit. Guardiola brauchte sie gegen Dortmund, er hat generell die Einstellung, dass die Ärzte die Spieler lieber früher als später wiederherstellen sollen.

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Robben war einer derjenigen gewesen, die dem zurückgetretenen Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt unbedingt die Treue halten wollten. Müller-Wohlfahrt hat vor dem Dortmund-Spiel jedoch wohl kaum grünes Licht für einen Einsatz Robbens gegeben, an der Säbener Straße haben nun andere Ärzte die Entscheidungsbefugnis. Es ist ein Vabanquespiel, aber in Robbens und Benatias Fall kam der Einsatz möglicherweise zu früh.

Ribéry und Robben als Batman und Robin, dieses Banner hatte die Südkurve vor der Partie entrollt, als ironisch gemeinte Antwort auf den Masken-Torjubel der Dortmunder Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang gegen Schalke 04 vor ein paar Wochen. Robbens Gesicht war dann schmerzverzerrt, als er 18 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Feld musste.

Ein Weltenretter a.D., der auf Krücken das Stadion verließ. Die Bayern taugen gerade nicht für Heldengeschichten, sondern eher für einen schlechten Horrorfilm.

Zusammengefasst: Der FC Bayern München muss ausgerechnet vor dem wichtigen Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona den Ausfall von zwei weiteren Stars verkraften. Die Saisonziele geraten in Gefahr, auch die medizinische Abteilung muss hinterfragt werden.

insgesamt 210 Beiträge
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borussiabvb 29.04.2015
1. 321...
Bayern Kommentare über die Bevorzugung des BVBs. Alonso hätte gelbrot sehen müssen, Weiser auch, Rafinha glatt rot, Lewa stand im Abseits, wurde auch nicht geahndet, Müller lamentiert wie wild und Pep müsste auf die Tribüne.
horstovic 29.04.2015
2. also von bayern hört man immer - wer sich im Erfolg schlecht verhält
es wäre ärgerlich, wenn Bayern ausscheidet, aber wenn sich ein Sammer hinstellt und sagt, dass manche Mannschaften schlecht trainieren, wenn 8-9 Leute fehlen. Sollte man sich jetzt nicht so hinstellen und mosern, wer denn überhaupt spielen soll. Bayerns Bank ist wahrscheinlich 10x mehr wert als alleine der gesamte Verein Paderborn mit Stadion und dem Finkeimperium. Von daher, sollte das wohl kein Problem sein, wenn sich diese jetzt beweisen müssen. Guardiola hat doch gesagt, er würde gerne zig Dantes haben. Also ist doch alles gut und die neue alleinige Macht des Spaniers, wird wieder zu Problemen führen. Zumal Bayern im 2 Jahr in Folge zum entscheidenden Augenblick nicht fit genug ist
kodu 29.04.2015
3. Die Verletzungen ...
.. von Robben und Lewandowski sind sicher schmerzhaft. Im Hinblick auf das Spiel gegen Barcelona kann aber doch kein ernsthafter Zweifel darüber bestehen, daß die Bayern trotzdem noch Weltklasseleute genug im Backup haben, um die Katalanen bezwingen zu können. Wer, wenn nicht die Bayern, könnte solche Ausfälle kompensieren zumal sie mit Guardiola einen hervorragenden - wenn nicht den besten Taktiker - zum Trainer haben. Ich denke Barcelona wird jetzt eher Probleme haben, sich auf ein völlig unvorhersehbares Spielsystem der Münchener einzustellen. Entgegen allem Geschrei: Bayern ist - auch nach Robbens und Lewandowskis(?) Ausfall - leichter Favorit ...!
kodu 29.04.2015
4. Die Verletzungen ...
.. von Robben und Lewandowski sind sicher schmerzhaft. Im Hinblick auf das Spiel gegen Barcelona kann aber doch kein ernsthafter Zweifel darüber bestehen, daß die Bayern trotzdem noch Weltklasseleute genug im Backup haben, um die Katalanen bezwingen zu können. Wer, wenn nicht die Bayern, könnte solche Ausfälle kompensieren zumal sie mit Guardiola einen hervorragenden - wenn nicht den besten Taktiker - zum Trainer haben. Ich denke Barcelona wird jetzt eher Probleme haben, sich auf ein völlig unvorhersehbares Spielsystem der Münchener einzustellen. Entgegen allem Geschrei: Bayern ist - auch nach Robbens und Lewandowskis(?) Ausfall - leichter Favorit ...!
LapOfGods 29.04.2015
5. Ochje, armer FC Bayern
Andere sind wegen vieler Verletzungen schon abgestiegen. DAS ist tragisch. Und bei den selbstverliebten Bauern heulen sie rum, weil sie irgendeinen Staubfänger nicht gewinnen, der sie eh nicht besonders interessiert. Den brauchen sie nur um die Titelliste eins hochzuzählen.
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