Bayern ohne Lewandowski gegen Real Schulter Schluss

Es ist der Höhepunkt der bisherigen Saison: Am Abend empfängt der FC Bayern Real Madrid. Die Münchner hadern mit dem Ausfall von Robert Lewandowski. Doch der Gegner hat noch größere Sorgen.

Robert Lewandowski (l.)
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Robert Lewandowski (l.)

Aus München berichtet Florian Kinast


Vor dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gab es beim FC Bayern München nur ein Thema: die Furcht davor, beim bislang wichtigsten Spiel des Jahres in der Champions League gegen Real Madrid (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) auf den besten Stürmer verzichten zu müssen.

Am Samstag war Robert Lewandowski beim Foul von BVB-Torwart Roman Bürki auf die linke Schulter gefallen. Danach sandten die Verantwortlichen noch positive Signale aus, bis Mittwochabend würde der Stürmer sicher fit. Doch dann fehlte Lewandowski bei der Übungseinheit am Montag, am Dienstagvormittag brach er das Abschlusstraining nach nur 20 Minuten ab. Nun herrscht Gewissheit: Lewandowski wird das erste Duell mit Madrid verpassen.

Der Ausfall zeigt das Dilemma der Bayern. Zwar hat der Klub in Abwehr und Mittelfeld auf den verschiedensten Positionen zahlreiche Alternativen im Kader. Doch im Sturm fehlen solche Optionen, hier ist Lewandowski in seiner momentanen Form unersetzbar.

Stürmt Thomas Müller?

Gegen Real könnte sich Thomas Müller daran versuchen, den polnischen Nationalspieler im Angriff zu vertreten. Müller, 27, kennt die Rolle des Mittelstürmers, er spielte sie ein paar Mal im Nationalteam, wenn auch mit durchwachsenem Erfolg. Seine Qualität im Abschluss und sein Torriecher machen Müller für die Madrider Abwehr zur Gefahr; seine größte Stärke aber, jene Läufe aus der Tiefe in den Strafraum, die für Defensivreihen unberechenbar sind, kann er als Spitze schlecht einbringen.

Davon abgesehen sucht der Münchner in dieser Saison vergeblich nach seiner Top-Form. Acht Pflichtspieltreffer gelangen ihm bislang in 33 Einsätzen, in der vergangenen Spielzeit waren es noch 32 Tore in 49 Spielen gewesen. Auch deshalb verzichtete Bayern-Trainer Carlo Ancelotti in vielen wichtigen Begegnungen auf Müller: Gegen RB Leipzig in der Liga blieb er ganz draußen, im Champions-League-Achtelfinale gegen Arsenal kam er in vier von 180 Minuten zum Einsatz. Das Spiel in Dortmund am Samstag verpasste er angeschlagen. Und neben Müller sucht man in München eine weitere auf Top-Niveau erprobte Mittelstürmer-Alternative vergeblich.

Bemerkenswert, dass auch Toni Kroos am Dienstag erklärte, einen Ausfall Lewandowskis zutiefst zu bedauern. Der Ex-Bayern-Spieler, der vor drei Jahren zu Real gewechselt war, erklärte bei seiner Rückkehr nach München selbstbewusst: "Wir brauchen und wollen Herausforderungen. Wir spielen im Viertelfinale, ich bin da so gepolt, dass ich es am liebsten habe, wenn beide Mannschaften in Bestbesetzung spielen." Starke Töne zur Demonstration des eigenen Selbstbewusstseins, letztlich dürfte Lewandowskis Fehlen bei Real natürlich für Aufatmen sorgen, besonders angesichts der eigenen Verletzungsmisere.

Reals Verletzungssorgen sind noch größer

Auf der rechten Abwehrseite ist Daniel Carvajal fraglich. Sicher werden die Innenverteidiger Pepe (Rippenverletzung), der im Derby gegen Atlético am Samstag von Kroos umgerammt wurde, und Raphaël Varane (Muskelfaserriss) fehlen. In der zentralen Abwehr dürfte somit Ersatzmann Nacho Fernández zu seinem ersten Einsatz in einem Champions League-Viertelfinale kommen, neben Stammkraft Sergio Ramos.

Der 31-Jährige wiederum war bei den spanischen Kollegen in München das große Thema, weniger wegen seiner Kopfballstärke bei Standardsituationen als wegen seiner drohenden Sperre. Sieht Ramos am Abend eine zweite und - wie einige Reporter schon unkten - von den Bayern womöglich provozierte Gelbe Karte, fehlt auch er für das Rückspiel. Auf die Frage, ob er dann einen Innenverteidiger aus Reals B-Mannschaft Castilla akquirieren müsse, sagte Zidane: "Das will ich nicht hoffen."

Wie sein langjähriger Lehrmeister Carlo Ancelotti, unter dem er als Co-Trainer 2014 die Champions League gewonnen hatte, beendete auch Zidane die Fragerunde mit blendender Laune. Zu seinen Erinnerungen an Landsmann Franck Ribéry sagte Zidane: "Ich weiß noch, wie er als junger Spieler zu uns in die Nationalmannschaft kam, dauernd Witze machte und mir schon am zweiten Tag irgendwas auf den Kopf warf. Ein guter Typ und Stimmungsmacher."

Die Meldungen über die Explosion am Mannschafsbus von Borussia Dortmund kamen erst später am Abend, weit nach Ende der Pressetermine. Besorgnisse über verletzte Schultern, Ausfälle und drohende Gelbsperren hätten sich dann wohl von selbst relativiert.

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sonntag500 12.04.2017
1. Gute Besserung, Robert Lewandowski!
Sicherlich beim Rückspiegel wieder dabei! Und für die Dezimierung von Madrid durch Gelbe Karte werden wohl die Schwalbenkönige Ribery und Robben sorgen. Damit steht ein Halbfinale nichts mehr im Wege. Zur Not hilft dann auch noch der Schiedsrichter den Bayern.
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