Philipp Lahm beim FC Bayern Auf rechts gedreht

Philipp Lahm ist es gewohnt, zu führen, mitzuentscheiden. Jetzt ist der Kapitän beim FC Bayern zu einer Personalie mit Fragezeichen geworden. Wo spielt er in der neuen Saison? Vieles deutet auf den Job als Rechtsverteidiger hin.

Bayern-Coach Guardiola (l.), Lahm: "Der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe"
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Bayern-Coach Guardiola (l.), Lahm: "Der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe"

Von Sebastian Winter, München


Philipp Lahm ging es in den vergangenen Tagen nicht sonderlich gut, sein Großvater ist vor einer Woche gestorben. Am Donnerstag fand die Trauerfeier statt, in München-Gern, Lahms Heimatviertel. Nicht weit entfernt hat der 31-Jährige mit dem Fußballspielen begonnen, bei der Freien Turnerschaft, wo Lahms Opa fast 70 Jahre lang Mitglied war.

Lahm sind Familienwerte wichtig, er hat das immer wieder betont, seine Kindheit hat er in einem Mehrgenerationenhaus verbracht. Es dürfte ihm vor diesem Hintergrund nicht gerade leicht fallen, sich am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf das erste wichtige Saisonspiel, den Supercup beim DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg, zu konzentrieren.

Eine Großfamilie ist auch Lahms Klub Bayern München, jedenfalls inszeniert sich das Millionen-Unternehmen gern als solche, mit den Fußballprofis als ihrem Herzstück. Lahm, der 1,70 Meter kleine Kapitän, ist dort das Oberhaupt. Er bestimmt die Richtung, er ist das Scharnier zwischen Mannschaft, Trainer und Funktionären, seine Position gilt als unumstößlich.

Lahm wollte das immer, mitentscheiden, Politik machen. Er führt nicht autoritär, laut, wie früher die Alphamännchen Oliver Kahn oder Stefan Effenberg. Lahm würde auch nie den Stinkefinger zeigen oder seine Mitspieler durchschütteln. Er ist aber in allem, was er tut, konsequent, geradlinig, verbindlich - neben und auf dem Platz.

Welche Rolle bleibt für Lahm?

Doch in diesem Sommer ist er auch zu einer Personalie geworden, hinter der Fragezeichen stehen. Es geht nicht um einen möglichen Wechsel ins Ausland wie bei Bastian Schweinsteiger, der auch zum Tafelsilber des Klubs gehörte, aber den Bayern am Ende nicht mehr so wertvoll erschien. Es geht vielmehr um die Rolle, die Lahm künftig auf dem Feld ausüben soll, um seinen Platz in Josep Guardiolas Spielsystem. "Man merkt, dass der Trainer voller Tatendrang ist und eine klare Vorstellung hat, wie er spielen will, defensiv wie offensiv", hatte Lahm vor zwei Jahren über Guardiola gesagt, der damals erst wenige Tage Bayern-Trainer war. Die Frage ist jetzt nur: Wo spielt Lahm?

Er hat seine Vorliebe selbst schon so oft vorgetragen: Mittelfeld spielt er lieber als Rechtsverteidiger, Rechtsverteidiger lieber als Linksverteidiger. Obwohl Lahm Letzteres in seiner Jugend und anfangs in der Nationalmannschaft war, insgesamt sieben Jahre lang. Er findet sich trotzdem rechts besser - und weiter vorne.

Doch spätestens mit der Verpflichtung von Arturo Vidal quillt das Mittelfeld der Bayern über. Die Konkurrenz ist gnadenlos, mit Vidal, Thiago, Franck Ribéry, Arjen Robben, Javier Martínez, Douglas Costa, Xabi Alonso, Mario Götze, Thomas Müller und David Alaba gibt es dort schon zehn Profis mit Stammplatz-Aussicht. Ergänzungsspieler wie Sebatian Rode, Pierre-Emile Höjbjerg, Gianluca Gaudino oder Joshua Kimmich nicht eingerechnet.

Kapitän ist Verschiebemasse Nummer eins

Während der China-Reise spielte Lahm sehr überzeugend Robbens Rolle auf der rechten Außenbahn, er war Rechtsverteidiger und im halbrechten Mittelfeld: Das zeigte mal wieder Lahms klassisches Dilemma: Ausgerechnet der Kapitän ist Guardiolas Verschiebemasse Nummer eins.

Lahm war, wenn man das Feld als Schachbrett sieht, immer Läufer oder Springer, so flexibel einsetzbar wie keiner sonst: Mit seiner Spielintelligenz, dem Sinn für den Raum, den antizipatorischen Fähigkeiten, mit seiner Bissigkeit im Zweikampf, der Wendigkeit, der brillanten Technik und dem präzisen Passspiel - ob nun als Rechtsverteidiger oder im halbrechten Mittelfeld, wo ihn Guardiola bevorzugt aufstellte in der vergangenen Saison.

An deren Ende wirkte Lahm, der sich im Herbst 2014 im Training den Knöchel gebrochen hatte, allerdings müde. Beim Halbfinal-Aus gegen den FC Barcelona in der Champions League machte auch er keine gute Figur, er schien nicht mehr so spritzig zu sein. Im DFB-Pokal rutschte er im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund weg.

Es waren Situationen, die man so nicht kennt von Mister Zuverlässig, über den Guardiola nach seinem Amtsantritt im Sommer 2013 sagte: "Philipp Lahm ist für mich der intelligenteste Spieler, den ich je in meiner Karriere trainiert habe." Aber im Mittelfeld hat er auch die wenigste Spielpraxis, ihm fehlt dort noch die letzte Sicherheit auf höchstem Niveau.

Lahm weiß zugleich, dass er auf der rechten Seite mit Rafinha, dem soliden Brasilianer, nur einen einzigen Konkurrenten hat. Fürchten muss er ihn nicht, Lahm hat dort eine Quasi-Stammplatzgarantie. Doch wäre das für den Kapitän mal wieder nur die zweitbeste Lösung.



insgesamt 55 Beiträge
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braindead0815 31.07.2015
1. er konnte zum weltstar werden
weil auf diesen positionen (links/rechtsverteidiger) nichts zu finden war. er hatte die chance genutzt. er sollte sich die frage stellen, ob er ähnlich erfolgreich gewesen wäre, wenn er auf seiner "Lieblingsposition" gespielt hätte bzw. sie eingefordert hätte. viele fußballer wären bestimmt froh, wenn sie eine ähnliche laufbahn durchlaufen würden. lahm sollte dankbar sein, das er in dieser frage pragmatisch war und sich so selbst und den mannschaften für die er spielte damit geholfe hat. vielleicht vergisst man das allzuleicht, wenn man ganz oben steht, weltmeister ist. vielleicht versteht er nicht, das es auch ganz schnell "karriereende" bedeuten kann, wenn er jetzt so fixiert auf seine wünsche ist. im mittelfeld ist er nur durchschnitt, die bayern sind da so gut aufgestellt, das es eigentlich fatal wäre zu glauben, das lahm eine echte alternative wäre.
ge1234 31.07.2015
2. Lahm...
... ist so sehr Profi, dass er dort spielen wird, wo Pep ihn hinstellt. Flexibel und ohne Qualitätsverlust auf mehreren unterschieldichen Positionen einsetzbar zu sein ist jetzt auch nicht unbedingt ein Nachteil für einen Fußballspieler. Übrigens, Lahms Einsatz gegen Real im Halbfinale der vergangenen CL erfolgte ca. 2 Wochen, nachdem er nach seiner 6monatigen Verletzungspause erstmals wieder im Kader stand. Ihm dann eine unglückliche Figur vorzuwerfen, ist armselig.
thomasmilz 31.07.2015
3. Barcelona - nicht Real
das 0 zu 4 gegen Real war Anfang 2014 - dieses Jahr flog man im CL-Halbfinale gegen Barcelona raus
roppel 31.07.2015
4. Soll das jetzt auch noch...
zum Problem hoch sterilisiert werden? Seit Jahr und Tag sagen alle Lahm müsse zurück auf die rechte Außenverteidiger Position, nun deutet sich tatsächlich an, daß er da wieder hin soll, ist es auch nicht recht? Immerhin hat diese späte Einsicht Löws der deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel beschert! Lahm selbst hat immer betont, daß er da spielen will, wo er der Mannschaft am meisten weiterhelfen kann. Das ist nunmal auf außen! Ich persönlich rechne in dieser Saison ohne WM-Nachwehen mit einer klaren Leistungssteigerung bei Lahm! Da kommt noch was, auch weil er mehr Regenerationszeiten bekommen wird, da er nicht mehr für Deutschland spielt. Den lauten Leadern Kahn und Effe hat er übrigens den WM-Titel voraus! Er ist nichts schuldig geblieben!
herrberg 31.07.2015
5. Barcelona
Das Halbfinale der CL in der letzten Saison hat Bayern gegen Barcelona verloren, nicht gegen Real Madrid.
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