Bayerns Sieg in Mainz Rätsel Thiago ist gelöst

Der FC Bayern steht wieder an der Tabellenspitze. Der Münchner Wandel ist mit einem Spieler entscheidend verknüpft, Thiago läuft im defensiven Mittelfeld wieder zur ganz großen Form auf.
Aus Mainz berichtet Christoph Ruf
Thiago liegt nach seinem Tor zum 3:0 quer in der Luft

Thiago liegt nach seinem Tor zum 3:0 quer in der Luft

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Torsten Silz/ dpa

Die Buchstabenkombination WWW mag anderorten für das "World Wide Web" stehen, in Rheinhessen werden damit "Weck, Worscht und Woi"  beschrieben. Als eine größere Gruppe Mainzer Fans, die sich nach der 1:3-Niederlage gegen die Bayern auf den Nachhauseweg machte, die kulinarische Dreieinigkeit ausgiebig besungen hatte, entspann sich auf eine Reporterfrage hin eine Diskussion über den kommenden deutschen Fußball-Meister. Doch die war wenige Sekunden später auch schon wieder beendet: "Leipzig? Dortmund? Gladbach? Sie haben doch gesehen, wie die Bayern heute hier gespielt haben."

Ziemlich gut hatten sie gespielt. Wie könnte es anders sein, wenn eine Auswärtsmannschaft auf 65 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 89 Prozent kommt? Vor allem aber stimmten bei den Bayern wie schon in den Wochen zuvor die Basics - vom Positionsspiel über die Chancenverwertung bis hin zur Körpersprache.

So wie bei David Alaba, der noch in der Schlussphase lautstark konsequenteres vertikales Verschieben forderte und die Mitspieler unter Spannung hielt. Oder bei Thomas Müller, der so engagiert wie zu seinen besten Zeiten die Bälle forderte und sie sich ansonsten einfach selbst in der eigenen Hälfte erkämpfte. Dass Müller (14. Minute) und der ebenfalls sehr agile Robert Lewandowski (8.) zu den Torschützen gehörten, war dann auch nur logisch. Wie es auch logisch war, dass unter anderem mit Müller und dem in Mainz fantastischen Thiago die großen Gewinner des Trainerwechsels von Niko Kovac zu Hansi Flick die entscheidenden Figuren auf dem Platz waren.

Thiago trifft auch im dritten Rückrundenspiel

Wobei der Mann des Tages schnell ausgemacht war: Thiago, der zu Saisonbeginn noch von rätselhaften Formschwankungen und einem hartnäckigen Phlegma befallen schien, spielte stark auf und war der Ausgangspunkt fast aller Bayern-Angriffe. Und natürlich traf auch er (26.) - nach einem bemerkenswerten Solo im Mainzer Strafraum.

"Es freut mich ungemein, dass Thiago sich nun zum dritten Mal in Folge in die Torschützenliste eingetragen hat", lobte Flick seinen "Stabilisator vor der Abwehr". Doch die neu erlangte Treffsicherheit ist gar nicht der Hauptgrund, warum Kollegen wie Alaba so froh über die Wiederauferstehung des Spaniers sind: "Er hat heute wieder gezeigt, was für ein toller Spieler er ist. Speziell natürlich am Ball, aber eben auch in der Defensive", sagte der Österreicher. 

Schon Ex-Trainer Pep Guardiola sagte einst: Thiago oder nix

Schon Ex-Trainer Pep Guardiola sagte einst: Thiago oder nix

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DANIEL ROLAND/ AFP

Dabei gab es aus Bayern-Sicht auch Dinge zu kritisieren: Vor dem Mainzer 1:3 durch Jerry St. Juste (45.) hatte die Bayern-Defensive schläfrig verteidigt. Wie man überhaupt den mutigen 05ern, die vor eigenem Publikum nie auf Schadensbegrenzung bedacht waren, in der zweiten Hälfte etwas zu viele Entfaltungsmöglichkeiten gewährte. Mainz zeigte kein schlechtes Spiel, hatte aber eben auch keinen Milleniums-Tag, wie es ihn nach Ansicht von Trainer Achim Beierlorzer derzeit braucht, um den Münchnern Punkte abzuluchsen: "In der Verfassung, in der Bayern gerade spielt, ist es sehr sehr schwer, überhaupt Punkte mitzunehmen."

Das sah Kollege Flick, der die erstmals seit dem sechsten Spieltag wiedererlangte Tabellenführung einen „angenehmen Nebeneffekt“ nannte, ähnlich. Es gebe "kaum eine andere Mannschaft, die diese Qualität hat". Die werde sich aber nur durchsetzen, "wenn man die Spiele von Vorneherein konzentriert angeht. Das haben wir getan".

Die erste Englische Woche steht an

Tatsächlich war sowohl die Mannschaftsleistung als auch die Art und Weise, wie mit den Kräften gehaushaltet wurde, beachtlich. Denn so zerknirscht sich Flick auch über den dezenten Spannungsabfall nach einer halben Stunde gab - alles andere wäre auch schlicht unökonomisch gewesen. Zum einen, weil Mainz zu diesem Zeitpunkt 0:3 zurücklag.

Und zum anderen, weil am kommenden Mittwoch das DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim ansteht, ehe es dann am Sonntag darauf im Heimspiel gegen Leipzig schon um sehr viel gehen kann. RB gab zum zweiten Mal in Folge Punkte ab und wenn die Bayern auch das vierte Spiel der Rückrunde gewinnen sollten, wäre aus einem Vier-Punkte-Rückstand ein Vier-Punkte-Vorsprung geworden.

Die Prognose, die die Bayernfans für das Ende der Fernduelle mit Dortmund, Leipzig und Gladbach abgeben, deckte sich dann auch vollkommen mit der der Mainzer WWW-Gruppe. „Deutscher Meister wird nur der FCB.“ Dass die Mannschaft in den 90 Minuten zuvor genau diese Überzeugung ausgestrahlt hatte, dürfte aus Münchener Sicht noch erfreulicher sein als der Optimismus ihrer Anhänger.

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