Bayerns Supercup-Sieg gegen Sevilla Dieser Kader wird tatsächlich nicht reichen

Besser hätte es für Bayern-Trainer Flick nicht laufen können: Er gewinnt den nächsten Titel - und sammelt trotzdem genügend Argumente, um Verstärkungen fordern zu können.
Manuel Neuer (M.) hebt den europäischen Supercup in die Höhe

Manuel Neuer (M.) hebt den europäischen Supercup in die Höhe

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BERNADETT SZABO / AFP

Das Abschiedsgeschenk: Erst zum dritten Mal im Jahr 2020 lag der FC Bayern in einem Pflichtspiel zurück. Der FC Sevilla führte durch einen Elfmeter von Lucas Ocampos (13. Minute), trotz eines klaren Chancenplus reichte es für den Triple-Sieger nur zum Ausgleich durch Leon Goretzka (34. Minute). Der europäische Supercup ging in die Verlängerung - und dann kam Javi Martínez. Der Spanier, eigentlich schon auf dem Sprung zu Athletic Bilbao, wurde in der 99. Minute eingewechselt und köpfte nach einem abgewehrten Schuss von David Alaba zum Sieg ein.

Das Ergebnis: Die Münchner gewannen dank des Martínez-Treffers 2:1 (1:1, 1:1) und sicherten sich zum zweiten Mal nach 2013 den unwichtigsten der europäischen Titel. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Hoffnung auf Uefa-Art: "Wir wollen Hoffnung bringen." Das sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin im Vorfeld des Supercups. Dicker hätte er angesichts der Corona-Lage in Budapest kaum auftragen können. Die ungarische Hauptstadt gilt für die Bundesregierung als Risikogebiet, durchaus verständlich bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 Infizierten pro 100.000 Einwohnern. 16.000 Zuschauer waren von der Uefa zugelassen worden, 15.180 waren gekommen.

Erste Hälfte: Nach dem Elfmeter von Ocampos brauchten die Bayern nicht lange, um das Spiel wieder zu bestimmen. Sie hatten mehr Ballbesitz (65 Prozent), sie spielten fast doppelt so viele Pässe, sie gaben sieben Torschüsse ab. Und doch blieb das Gefühl, mal wieder einen echten Bayern-Gegner auf dem Platz zu sehen. Sicher, das war im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain auch so, ansonsten aber zuletzt selten der Fall. Der Ausgleich durch Goretzka (34.) war dann aber das Eintrittsgeld wert, das aus Infektionsschutzgründen besser niemand hätte bezahlen sollen: Thomas Müller passte mit dem Außenrist auf Robert Lewandowski, der Stürmer passte direkt in den Rückraum, und Goretzka schob frei stehend ein.

Zwei Bayern-Fans in der Puskas-Arena

Zwei Bayern-Fans in der Puskas-Arena

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Laszlo Balogh/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Umschalten: Es wird ein wichtiger Bestandteil der Sportberichterstattung der kommenden Monate sein: Wie viele Zuschauer werden zugelassen? Wie sieht die aktuelle Corona-Entwicklung am Spielort aus? Und wie verhalten sich die Fans in den Stadien? Der TV-Regisseur beim Supercup dachte noch in Vor-Corona-Zeiten und zeigte bei beiden Toren die Tribünen. Dieser Schwenk dauerte aber nicht lange, jubelnde Fans ohne Abstand wollte die Uefa dann wohl doch nicht zeigen.

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Im Zentrum: In Spanien muss schon sehr viel zusammenkommen, ehe der Meister nicht Real Madrid oder FC Barcelona heißt. Das wissen sie in Sevilla und haben eine Tugend daraus gemacht: Sechsmal hat der Klub in diesem Jahrtausend die Europa League gewonnen. Das Team ist extrem erfahren, taktisch sehr flexibel und in europäischen Spielen schwer zu schlagen. Gegen die Bayern schaffte es Sevilla, mit hoher Laufbereitschaft das Zentrum um Joshua Kimmich und Goretzka lahmzulegen. Das war Anschauungsunterricht für die Bundesliga - und der Schlüssel für das lange ausgeglichene Ergebnis.

Zweite Hälfte: Die Bayern erzielten zwei Treffer - und doch ging es in die Verlängerung. Im Mittelpunkt stand Schiedsrichter Anthony Taylor, der zunächst das auffällig lässig herausgespielte Tor von Lewandowski abpfiff, der Pole hatte zuvor mit einer Fußspitze im Abseits gestanden (53.). Lewandowski war es dann auch, der vor dem Treffer von Leroy Sané den ehemaligen Schalker Sergio Escudero gefoult haben sollte (66.).

Grüße an Salihamidzic: Hansi Flick wird es kaum zugeben, aber dieses Spiel liefert dem Bayern-Trainer genügend Argumente, um bei seinem Sportvorstand den Wunsch nach Verstärkungen mit Nachdruck zu wiederholen. Thiago ist in Liverpool, der Ballmagnet wäre in einem solchen Spiel der Schlüsselspieler gewesen. Sevillas Taktik, das Zentrum zuzustellen, ging auch auf, weil mit Benjamin Pavard und Lucas Hernández zwei Außenverteidiger auf dem Platz standen, die nicht für ihre Sprints hinter die Abwehrkette bekannt sind. Auf der Ersatzbank saßen im Übrigen neben Martínez mit Corentin Tolisso, Alphonso Davies und Jérôme Boateng nur noch drei erfahrene Profis. Bei der Fülle an Spielen in den kommenden Monaten wird dieser Kader tatsächlich nicht reichen.

Auch für Sevillas Zugang Ivan Rakitić (r.) war Manuel Neuer der spielentscheidende Mann

Auch für Sevillas Zugang Ivan Rakitić (r.) war Manuel Neuer der spielentscheidende Mann

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Laszlo Balogh / AP

Deshalb ist Neuer der Topverdiener: Seit Wochen wird beim FC Bayern darüber diskutiert, ob David Alaba seinen Vertrag verlängert. Mutmaßlich geht es um Geld, vielleicht auch um Anerkennung. Das Argument der Bayern: Manuel Neuer bezieht das üppigste Gehalt - und das soll auch so bleiben. Nun hat der Torwart im Bundesliga-Alltag nur selten die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. An diesem Abend hatte er sie. In der 89. Minute lief Youssef En-Nesyri allein auf Neuer zu, der Keeper blieb lange stehen und lenkte den Ball um den Pfosten. In der Verlängerung war es erneut der Marokkaner, der frei vor Neuer auftauchte, wieder behielt der Bayern-Kapitän die Oberhand (92.).