Münchner Sieg gegen den Vizemeister Gefährliche Überlegenheit

Die Dominanz des FC Bayern im Auswärtsspiel beim Vorjahreszweiten war nicht nur frustrierend für den FC Schalke 04. Das gesamte Bundesligaprodukt leidet unter der Eintönigkeit des angeblichen Spitzenspiels.
Bayern-Boss Uli Hoeneß

Bayern-Boss Uli Hoeneß

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Zehn Minuten vor dem Abpfiff kam noch ein letztes Mal Bewegung ins Schalker Publikum, das längst jede Hoffnung verloren hatte. Die Menschen erhoben sich - und gingen nach Hause. Zwar ließ das bloße Ergebnis noch Raum für Hoffnungen, 0:2 lagen die Gelsenkirchener gegen den FC Bayern zurück, irgendein Glückstor, und alles wäre wieder offen gewesen. Doch nur die unerschütterlichsten Optimisten hatten noch die Kraft für solche Überlegungen.

Fünf Minuten vor dem Ende waren viele tausend Plätze leer, nicht aus Wut oder Verärgerung oder gar Trauer. Eher sahen die Besucher keinen Sinn mehr darin, ein Spiel zu verfolgen, dem der Wettbewerbscharakter geraubt worden war. Der FC Bayern war einfach viel zu gut. Die Ecke mit den Fans aus München sang matt "Deutscher Meister wird nur der FCB", aber diese These, die früher einmal in einem Auswärtsspiel bei einem anderen Champions-League-Teilnehmer provokant gewirkt hätte, interessierte niemanden. Dass der Rasen grün ist, weiß ja auch jeder.

Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sprach später von einer "Demonstration", Thomas Müller hob die "Topverfassung" hervor, in der der Hegemon sich derzeit befinde, und Trainer Niko Kovac verkündete, dass seine Mannschaft "fantastisch gut gespielt" habe.

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Bundesliga: Lewandowski, der Serientäter

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Diese vollständige Überlegenheit ist nicht nur imposant, an einen Abend wie diesem wirkt sie auch gefährlich. Für die Gegner, aber auch für die Liga und ihren Wettbewerb. Schalke hatte nämlich eine "mehr als ordentliche Leistung" geboten, wie Domenico Tedesco erklärte, und bei diesen Worten handelte es sich nicht um einen Beschwichtigungsversuch im Krisenfall. Der Trainer meinte sein Lob vollkommen ernst, doch nicht einmal eine ordentliche Leistung verhalf dem FC Schalke zu einer kleinen Chance auf einen Punkt. Bereits nach einer Viertelstunde war das allen klar, so deutlich war die Stärke der Münchner sichtbar.

Selbst wenn nach James' frühem 0:1 (9.) irgendwann ein glückliches Ausgleichstor gelungen wäre, hätten die Bayern kurz das Tempo erhöht und die Sache wieder gerade gebogen. Das ist zwar Spekulation, aber genau dieses Gefühl vermittelt der Rekordmeister den Gegnern, dem Publikum, der ganzen Fußballnation. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel betrachtete das desillusionierende Schauspiel der Macht mit einer Mischung aus Bewunderung und Ehrfurcht, die Überlegenheit der Bayern sei "frappierend in allen Bereichen". Für die Bundesliga ist das ein immer größeres Problem.

Das Topspiel am Samstagabend zwischen dem Meister und dem zweitbesten Team des Vorjahres, das in die ganze Welt übertragen wurde, mit dem die Liga für die eigene Attraktivität werben möchte, war im Kern langweilig. Natürlich kann man sich am brillanten Passspiel von Thiago erfreuen, an der Souveränität von Manuel Neuer oder der Form des alten Mannes Franck Ribéry. Die Rückkehr von Leon Goretzka, der von einigen Leuten ausgepfiffen worden war, ist eine kleine Randgeschichte, ebenso wie ein Wortgefecht zwischen Tedesco und Franco Di Santo, der sich über eine Auswechslung beschwert hatte. Am Abend twitterte Di Santo eine ausführliche Entschuldung, sein "heißes Blut" habe ihn zu diesem Fehler verleitet. Aber um die Menschen mitzureißen, sind Dramen von anderer Qualität erforderlich.

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Der Wettbewerb, der schon in den vergangenen Jahren massiv beschädigt war, scheint nun endgültig kaputt zu sein. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die in dieser Form ein Spiel verlieren", sagte Heidel zu den Bayern, die natürlich kein Problem mit ihrer Sonderrolle haben. Und die ihre Überlegenheit nicht alleine aus ihrem finanziellen Vorsprung schöpfen. Vielmehr harmonieren Trainer Kovac und seine Spieler bestens. Die Mannschaft bringe jedes Spiel nicht nur "sehr viel Qualität auf den Platz", sagte Müller, sondern "auch die nötige Intensität".

Schonen konnten sich Javi Martínez, Arjen Robben und Jérôme Boateng, die 90 Minuten auf der Bank saßen. Und Leute wie Müller, oder Robert Lewandowski, der per Elfmeter zum 2:0 traf (64.) müssen nicht einmal in Topform spielen. Die prägenden Figuren waren James und Thiago.

Hätten die Münchner ein paar weitere ihrer Großchancen verwertet, wäre auch ein 4:0 oder ein 5:0 möglich gewesen. Immerhin das blieb den Schalkern erspart. Und so konnten sie am Ende sogar selbst ein klein wenig von der Münchner Dominanz profitieren. Denn die Kräfteverhältnisse waren derart deutlich, dass das 0:2 die Krise des punktlosen Klubs nicht weiter verschärft hat. In den kommenden Spielen in Freiburg und gegen Mainz wird das anders sein.

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