Streit über David Alaba beim FC Bayern Warum so laut?

Der FC Bayern und die Berater David Alabas attackieren sich gegenseitig beim Verhandeln über einen neuen Vertrag. Dahinter steckt nicht nur die Frage nach dem Gehalt, sondern auch die nach der Hierarchie im Team.
Von Florian Kinast, München
David Alaba geht in seine 13. Saison beim FC Bayern - vielleicht seine letzte

David Alaba geht in seine 13. Saison beim FC Bayern - vielleicht seine letzte

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CHRISTOF STACHE / AFP

Uli Hoeneß war außer sich: "Wir haben ein Gehaltssystem. Wenn wir das sprengen, dann will doch jeder das Doppelte kassieren", schimpfte der Chef des FC Bayern. Er war erzürnt, weil einer seiner wichtigsten Spieler und dessen Berater für einen neuen Vertrag deutlich mehr Geld verlangten, als die vom Klub angebotenen 6,5 Millionen Euro pro Jahr.

Das war im November 2005. Die Bayern zogen schließlich die damals fürstliche Offerte zurück - und Michael Ballack wechselte 2006 zum FC Chelsea.

Laute Nebengeräusche bei anstehenden Verhandlungen über einen neuen Vertrag gab es beim FC Bayern schon immer. Nach Ballack folgten Störfeuer bei Arjen Robben, vor zwei Jahren bei Robert Lewandwoski. Kürzlich sorgten die Gespräche mit Manuel Neuer für Wirbel. Und nun ist da die Causa David Alaba.

"Ein geldgieriger Piranha"

Am Sonntag hatte Hoeneß im TV-"Doppelpass" massiv ausgeteilt und vor allem Pini Zahavi attackiert, jenen schillernden Spielerberater, den Alaba für die Vertragsgespräche engagiert hatte. Von einem "geldgierigen Piranha" sprach Hoeneß, da Zahavi Provisionszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe fordere, worauf der Berater erklärte, sein Honorar sei nie ein Thema gewesen. Schließlich meldete sich noch Alabas Vater und Berater zu Wort. George Alaba sprach entrüstet von "schmutzigen Lügen" und "dreckigen Anschuldigungen".

Starker Tobak, über den man in der Klubzentrale aber nur die Stirn runzelte, schließlich hätte Hoeneß Alabas Vater gar nicht attackiert, sondern eher Sympathien für ihn geäußert.

Knackpunkt bei den stockenden Gesprächen ist derzeit schließlich weniger der Provisionswunsch von Herrn Zahavi, so ist zu hören. Die entscheidende Frage ist: Darf David Alaba, wie er mit seinem Berater fordert, mehr verdienen als Manuel Neuer und Robert Lewandowski? Die klare Antwort des FC Bayern: Nein. Es würde nicht nur die Gehaltsstruktur durcheinanderbringen, sondern auch die Hierarchie. 

Die Grenze markieren Neuer und Lewandowski

Denn in der internen Hackordnung rangieren Neuer und Lewandowski ganz vorn. Beide sollen das gleiche Jahreseinkommen haben, man spricht von an die 20 Millionen Euro. Gehaltsvorstellungen in einem Korridor von 15 bis 18 Millionen würden die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidžić wohl noch akzeptieren. Aber nicht mehr als die 20, geschweige denn 25 Millionen, wie auch schon kolportiert wurde.

Bei aller Wertschätzung gegenüber Alaba, der seit seinem Debüt bei den B-Junioren vor zwölf Jahren das Trikot des FC Bayern trägt und in der vergangenen Triple-Saison eine herausragende Rolle als Innenverteidiger spielte, bei aller Beteuerung, wie lieb sie ihn haben und wie gut er den Bayern tut: An die Sphären von Neuer und Lewandowski als unumstrittener Leistungsträger kommt er nach Ansicht der Bayern-Bosse nicht. Und deswegen bekommt er auch nicht mehr Geld.

Das Credo aus der Klubzentrale: Erpressen werde und dürfe man sich nicht lassen, auch auf die Gefahr hin, dass der "Super-GAU" (Hoeneß) eintrete und Alaba die Bayern ohne Einigung kommenden Sommer ablösefrei verlasse. Dann bekämen der Spieler und der Berater wie in diesen Fällen üblich einen Teil der ansonsten fälligen Ablösesumme als Handgeld. Und die Bayern kriegen nichts.

Gäben die Bayern aber klein bei, könnte das Auswirkungen auf das Binnenklima in der Kabine haben. Der nächste Spieler, mit dem verlängert werden soll, schaut sich das Geschehen um Alaba nun gut an.

"Kein Öl mehr ins Feuer gießen"

Nur, warum muss es dann so laut zugehen? So wie bei Neuer, als der sich im Frühjahr beklagte, Gehaltsforderungen seien von Klubseite an die "Bild" lanciert worden – worauf er sich mit seinem Berater Thomas Kroth ohne Rücksprache mit dem Klub in einem Doppelinterview in der "Bild am Sonntag" revanchierte. "Damit hat er sich keinen Gefallen getan", hörte man danach von Klubseite, so konnten beide Seiten kurz mal ihrem Ärger Luft machen. Am Ende wurde man sich doch wieder einig, Neuer bekam viel Geld - und die Bayern wahrten ihr Gesicht.

Oft sind das in solchen Momenten die gleichen Mechanismen, denn auch jetzt scheint nach der Attacke von Hoeneß und den Kontern von Zahavi und Alabas Vater erst einmal der Dampf aus dem Kessel. George Alaba gab sich gegenüber dem SPIEGEL zurückhaltend: "Bitte haben Sie Verständnis, ich möchte mich jetzt nicht mehr dazu äußern und kein weiteres Öl ins Feuer gießen", sagte er. Man wolle das alles jetzt wieder am Verhandlungstisch regeln.

Dass es auch reibungslos geht, zeigte jüngst die Vertragsverlängerung von Thomas Müller um weitere drei Jahre. Davon hörte man in der Öffentlichkeit erst, als der Vertrag unterschrieben war.

"Wir würden uns alle wünschen, dass es da zu einer Einigung kommt und auch möglichst schnell", sagte Mittelfeldspieler Leon Goretzka am Dienstag. Auf die Leistung und das Mannschaftsgefüge habe der Streit keine Auswirkung, "dafür sind wir Profi genug", sagte Goretzka.

Am Freitag geht es zum Bundesligaauftakt gegen Schalke 04. Es ist der Beginn von David Alabas 13. Saison im Bayern-Trikot. Vielleicht wird es seine letzte.

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