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Bayern-Talent: Come on, Coman

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Bayern-Talent Kingsley Coman König mit Probezeit

"Ich bin ein Spieler, der den Unterschied macht." So hatte sich Kingsley Coman beim FC Bayern vorgestellt. Und tatsächlich: Der 19-Jährige war schon an sechs Toren beteiligt. Was zeichnet das Top-Talent aus?

Bayern Münchens Trainer Josep Guardiola ist ein Mann meist großer, manchmal aber auch kleiner Gesten.

Nach dem 3:0-Sieg bei Olympiakos Piräus in der Champions League herzte er Torschütze Mario Götze überschwänglich. Eine Reaktion auf die öffentlichen Diskussionen um den DFB-Stammspieler, der unter Guardiola selten beginnen darf. Für den zweifachen Torvorbereiter Kingsley Coman reichte es immerhin zu einem erhobenen Daumen. Bloß nicht zu viel loben, die Erwartungshaltung an Coman ist schon groß genug.

Daran ist der junge Franzose allerdings nicht ganz unschuldig. "Ich bin ein Spieler, der den Unterschied macht, in jeder Minute des Spiels", hatte Coman, der sich bei Instagram "king_coman11" nennt, bei seiner ersten Pressekonferenz in München gesagt. Selbstvertrauen gehört zur DNA des FC Bayern München, solche Sätze können für einen 19-Jährigen aber auch zum Bumerang werden.

Wer in seinen ersten fünf Pflichtspielen dann aber sechs Scorerpunkte (zwei Tore, vier Vorlagen) sammelt, muss keine Angst haben, auf übersteigertes Selbstbewusstsein reduziert zu werden. Zusammen mit Douglas Costa bildet Coman die neue Flügelzange der Bayern. Nach den "Rib/Rob"-Jahren mit Franck Ribéry und Arjen Robben wird man sich wohl an "CoCo"-Schlagzeilen aus München gewöhnen müssen.

Ein Nachfolger für Robben und Ribéry

Nach sieben Siegen in der Bundesliga und dem erwartungsgemäß guten Start in die Champions League kann Guardiola vorerst sicher sein, auf die Probleme der vergangenen Saison richtig und gut reagiert zu haben. Schon gegen den FC Porto, vor allem aber gegen den FC Barcelona hatten die Bayern wegen der Verletzungen von Robben, Ribéry und David Alaba ein Tempo-Defizit.

Vor dem Bundesliga-Top-Spiel gegen Borussia Dortmund am Abend (17.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) fehlt Ribéry immer noch, bei Robben hat es noch nicht zum Comeback gereicht. Trotzdem werden die unter dem neuen BVB-Trainer Thomas Tuchel sehr hoch stehenden Außenverteidiger vorsichtiger agieren müssen, die Schnelligkeit von Costa und Coman ist stilprägend. Der Franzose habe "das, was man braucht bei Außenstürmern. Ballverlust? Okay, noch mal", sagt Guardiola.

Für Coman zahlte der FC Bayern an Juventus Turin eine ungewöhnlich hohe Leihgebühr in Höhe von sieben Millionen Euro, nach zwei Jahren besteht eine Kaufoption für weitere 21 Millionen Euro. In dieser Probezeit soll der Rechtsfuß zum Ausnahmespieler reifen - die Verträge von Robben und Ribéry laufen dann aus.

Coman gilt, nicht nur für Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer, als "eines der großen Talente des europäischen Fußballs". Mit 16 Jahren und acht Monaten spielte er erstmals für Paris St. Germain in der Ligue 1 und ist weiterhin der jüngste Debütant in der Geschichte der französischen Liga. Coman durchlief alle U-Nationalmannschaften Frankreichs und steht auf dem Sprung in die Équipe Tricolore. Und als 18-Jähriger bestritt er für Juve bereits sein erstes Champions-League-Finale.

In den ersten Spielen für die Bayern wurde schnell klar, wie unberechenbar Coman sein kann. Mit seiner Dribbelstärke holte er gegen Piräus und Mainz jeweils einen Elfmeter heraus. Von der linken Seite kann er ins Zentrum ziehen und abschließen. Auf der rechten Seite hält er lieber die Außenlinie, gegen Mainz köpfte Robert Lewandowski eine präzise Flanke Comans zur Führung ein.

Bei all den offensichtlichen Stärken muss jedoch die Frage erlaubt sein, warum ein solches Talent mit 19 Jahren bereits beim dritten Top-Klub unter Vertrag steht. Atmosphärische Störungen sind aus der Zeit bei PSG (vier Pflichtspiele) und Juventus zumindest nicht bekannt.

Paris St. Germain, Juventus Turin, Bayern München

Der für extravagante Frisuren und Klamotten bekannte Coman fühlte sich im Pariser Starensemble nicht genug gewürdigt, verlängerte 2014 deshalb seinen auslaufenden Vertrag nicht. Und in Turin wurde er von Trainer Massimiliano Allegri in 20 Pflichtspielen häufig als zweite Spitze eingesetzt - eine Position, die Coman (noch) nicht behagt. Der Wechsel zum FC Bayern kam auf ausdrücklichen Wunsch des Spielers zustande. Trotzdem entschieden sich Sammer und Guardiola für eine zweijährige Bewährungsfrist.

Bei allem Lob: Coman hat (natürlich) auch noch Schwächen in seinem Spiel. Sowohl bei PSG als auch in Turin erzielte der Offensivmann zu wenig Tore, zudem fehlt ihm bisweilen der Blick für besser postierte Mitspieler. Auch taktisch hat Coman noch Luft nach oben, jugendliche Unbekümmertheit gleicht das vorerst aus. Stellt er diese Schwachstellen dauerhaft ab, dürfte er auch nach der Probezeit ein Spieler des FC Bayern sein.

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