Bayern-Sieg beim Telekom-Cup Guardiola arbeitet die Ängste weg

Josep Guardiola nimmt jedes Vorbereitungsspiel ernst. Das zeigte sich beim Telekom-Cup: Auch ohne etliche Stammkräfte gelang dem FC Bayern der Turniersieg. Beim Hamburger SV herrscht ebenfalls vorsichtige Zufriedenheit.

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Von , Hamburg


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Das Finale des Vorbereitungsturniers war wenige Sekunden abgepfiffen, da schnappte sich Trainer Josep Guardiola seinen Reservisten Diego Contento und vermittelte ihm gestenreich taktische Anweisungen. Schon während der zweiten Halbzeit war es zeitweise interessanter, den Übungsleiter an der Seitenlinie zu beobachten als das Testspiel. Zu schnell führten die Bayern 3:0, zu unterlegen war der VfL Wolfsburg.

Guardiola wirkte an den beiden Tagen in Hamburg extrem aufmerksam, engagiert, antreibend. Während der anderen Partien saß er gemeinsam mit seinem Co-Trainer Domènec Torrent auf einem Stuhl hinter einer Werbebande und beobachtete die kommenden Gegner. Spielte seine Mannschaft, war er ständig unterwegs, verließ immer wieder seine Coaching-Zone und forderte seine Rumpfelf zum Pressing auf.

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Guardiola nach dem Turniersieg. Der spanische Trainer weiß, dass er vor einer besonderen Saison steht. Die sechs Weltmeister steigen erst im August in die Vorbereitung ein. Arjen Robben und Dante stehen auch noch nicht zur Verfügung, Thiago Alcántara kann verletzungsbedingt erst im September die ihm zugedachte Rolle als Rhythmusgeber im Mittelfeld einnehmen.

Guardiola kennt sich mit schwierigen Vorbereitungen aus

Vor allem weiß Guardiola aber, dass er seit dem klaren Champions-League-Aus gegen Real Madrid in der vergangenen Saison kritischer hinterfragt wird. Ist sein Ballbesitz-Fußball noch zeitgemäß? Ist das System Guardiola entschlüsselt? Die Antworten auf diese Fragen lieferte auch die Weltmeisterschaft, wo die deutsche Nationalmannschaft mit einer Mischung aus Ballbesitz- und Umschaltfußball den Titel gewann.

Die Erkenntnisse und Ergebnisse in Hamburg sind aber mit Vorsicht zu genießen. Es handelte sich um ein reines Freundschaftsturnier, lediglich 60 Minuten lang war ein Spiel. Die Bayern ließen unter anderem Diego Contento sowie die Talente Pierre Emile Højbjerg, Angelos Oikonomou, Lucas Scholl und Gaudino spielen. Genutzt hat die Veranstaltung vor allem dem Hauptsponsor, der sich über den Bayern-Sieg doppelt freuen durfte - schließlich prangt der Schriftzug des Unternehmen auch auf dem Trikot der Münchner.

So fiel das Fazit verhalten aus, wie etwa von Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer: "Wir müssen auch nach der WM für Nachhaltigkeit sorgen. Dass die Jungen nachdrängen, was Schöneres kann es gar nicht geben."

Guardiola war als Trainer schon immer darauf aus, seine Mannschaften weiterzuentwickeln. Das ist jetzt auch in München sein Ziel, frühe Balleroberungen stehen dabei ganz oben seiner Agenda. Den Rest hat Sammer im Blick. Fragen nach dem nächsten Schritt für den überzeugenden Youngster Gianluca Gaudino, Sohn des früheren Nationalspielers Maurizio Gaudino, blockte Sammer genauso ab wie die nach einem dritten Torhüter.

Personell kann Guardiola die aktuelle Situation ohnehin nicht schocken. In seiner Zeit beim FC Barcelona hatte er 2011 mit acht spanischen Weltmeistern die Champions League gewonnen. Wer mit einer B-Elf, die diesen Namen mit Top-Stars wie Franck Ribéry, Javier Martínez oder Robert Lewandowski nicht verdient, zu einem so frühen Zeitpunkt schon so eingespielt wirkt, der kann seine Weltmeister behutsam einbauen.

HSV verbessert, Verstärkungen aber noch nötig

Einen guten Eindruck hinterließ auch Turnier-Gastgeber Hamburger SV. Der Klub hat im Gegensatz zu den Bayern keinen Weltmeister in seinen Reihen. Auch die beiden WM-Teilnehmer Johan Djourou (Schweiz) und Milan Badelj (Kroatien) sind bereits wieder ins Training eingestiegen und waren im Einsatz. Trainer Mirko Slomka kann aus dem Vollen schöpfen, bereits am 18. Juni war er als erster Bundesligatrainer in die Vorbereitung gestartet.

Das war den Hamburgern vor heimischer Kulisse anzumerken, im Spiel um Platz drei schlugen sie Borussia Mönchengladbach 3:1. Konditionell hat Slomka bessere Voraussetzungen geschaffen. Das neue 4-4-2 mit zwei Stürmern scheint der Mannschaft zu liegen, spielerisch waren Fortschritte zu erkennen. Bis auf wenige Aussetzer stand auch die Defensive mit Dennis Diekmeier, Gojko Kacar, Heiko Westermann und Marcell Jansen gut. "Wir haben aber gesehen, dass wir noch an vielen Aspekten arbeiten müssen. Wir wollen nicht euphorisch sein, aber es ist superschön, mal wieder zu gewinnen", sagte Slomka.

Ein Garant für die sicherere Defensive war der laut Slomka "sehr stabile" Kacar, der nach zwei unglücklichen Jahren mit einer schweren Knöchelverletzung, anschließender Aussortierung und einem Leihgeschäft nach Japan zu Cerezo Osaka wie ein Zugang daherkommt. Slomka hatte Kacar 2012 als Trainer von Hannover 96 verpflichten wollen und hält ihn aktuell sowohl im defensiven Mittelfeld als auch in der Innenverteidigung für einen wichtigen Baustein in seinem Defensivkonzept.

Trotzdem gibt es für in Hamburg gern genommene Euphorie keinen Grund. Der Kader braucht nach dem Abgang von Hakan Calhanoglu gerade in der Offensive noch Verstärkungen, die bisher jedoch an den fehlenden finanziellen Mitteln scheiterten.

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
sternleser 28.07.2014
1. Gääääääähn
.... na, dann verspricht es ja in der Liga langweilig zu werden....
Greg84 28.07.2014
2.
Zitat von sysopDPAJosep Guardiola nimmt jedes Vorbereitungsspiel ernst. Das zeigte sich beim Telekom-Cup: Auch ohne etliche Stammkräfte gelang dem FC Bayern der Turniersieg. Beim Hamburger SV herrscht ebenfalls vorsichtige Zufriedenheit. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-bayern-muenchen-ueberzeugt-beim-telekom-cup-hsv-ueberrascht-a-983162.html
Erst mal abwarten. Als Bayernfan bin ich von der guten Frühform durchaus überrascht aber Wolfsburgs Verteidigung hat gestern auch einfach schlecht gespielt. So leicht wird es die Mannschaft nicht oft haben. Positiv fand ich eher die jungen Spieler. Gestern hat z. B. Hojbjerg ein sehr gutes Spiel gezeigt, auch wenn das wegen Lewandowskis Toren etwas unterging. Bisher steht die Mannschaft wie alle anderen bei null Punkten in der Liga.
trader_07 28.07.2014
3. Weshalb Langeweile?
Zitat von sternleser.... na, dann verspricht es ja in der Liga langweilig zu werden....
Weshalb Langeweile? Meiner Meinung nach gibt es jede Menge Spannung auf den Plätzen 2 bis 18.
theinvisibleone 28.07.2014
4. An die gähner
Ist wohl immer noch nicht überall angekommen dass die Liga aus mehr als Bayern München besteht.
hj.binder@t-online.de 28.07.2014
5. Klarheit
Bayern München AG hat die Meisterschaft sicher (eingekauft); wenn Menschen noch Fussball sehen wollen müssen sie ins Ruhrebiet.
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