Rückkehr als Bayern-Präsident Die heile Welt des Uli Hoeneß

Uli Hoeneß hat für seine Rückkehr als Präsident des FC Bayern große Pläne, davon sollen vor allem die Basketballer profitieren. Bei den Fußballprofis muss er sich erst wieder behaupten.

Uli Hoeneß beim Basketball
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Uli Hoeneß beim Basketball

Von Florian Kinast, München


Für Uli Hoeneß war dieser Mittwochabend ein guter Abend. Schließlich hatte das Team des FC Bayern auswärts auf europäischer Bühne ein brillantes Spiel abgeliefert, trotz Rückstand zur Halbzeit noch einen souveränen Sieg gefeiert und sich damit vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert.

Eine ganz starke Leistung, das 90:79 der Münchner Basketballer bei UCIM Murcia.

Dass sich am gleichen Abend die Fußballer des FC Bayern beim FK Rostov blamierten, das war für Hoeneß sicher betrüblich, hätte ihn früher aber mehr geschmerzt. Früher gab es für Uli Hoeneß nur Fußball. Mittlerweile ist das anders. Mittlerweile macht ihm Basketball mehr Spaß als Fußball. Nicht nur am Mittwochabend, sondern überhaupt.

Basketball ist Hoeneß' heile Welt.

An diesem Freitag (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird sich Uli Hoeneß zum Präsidenten des FC Bayern wiederwählen lassen, bei der Jahreshauptversammlung, die passenderweise im Audi Dome stattfindet, seit fünf Jahren Heimspielstätte der Korbjäger des FC Bayern.

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Uli Hoeneß: Der Rückkehrer

Ohne Hoeneß würden die Basketballer, die Roten Riesen, womöglich noch in der Turnhalle an der Säbener Straße als Zweitliga-Zwerge herumdümpeln, statt mit europäischen Spitzenklubs müsste man sich mit Gegnern herumschlagen, die Crailsheim Merlins heißen oder Oettinger Rockets. Es war 2010, als Hoeneß eine Mitgliederbefragung zur Professionalisierung der Basketball-Abteilung initiierte und dank der positiven Resonanz das Profi-Projekt anschob. Hoeneß gefiel sich in der Rolle des Basketball-Förderers, bei den Heimspielen im Dome sah man ihn von Anfang an immer ganz unten in den ersten Reihen, neben ihm seine Frau Susi, in der Hand hielt er eine Klatschpappe zum Anfeuern. Hoeneß war in seinem Element.

Hoeneß holte Trainerstars wie Dirk Bauermann, mit dem 2011 der Aufstieg glückte - und die Legende Svetislav Pesic, der den Meistertitel nach München im Juni 2014 holte: zwei Wochen, nachdem Hoeneß als verurteilter Steuersünder in der JVA in Landsberg eingerückt war.

Jetzt ist das Bayern-Oberhaupt wieder frei - und noch engagierter als zuvor. "Ich habe das Gefühl, dass er uns jetzt noch mehr unterstützt", sagt Marko Pesic, "und er noch mehr bei der Sache ist, auch emotional." Der Ex-Nationalspieler ist der Sohn des im Juli aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Trainers und seit fast vier Jahren Sportdirektor bei den Bayern.

Pesic sagte SPIEGEL ONLINE in dieser Woche, wie sehr sich Hoeneß auch während seiner Inhaftierung über die Entwicklung des Vereins auf dem Laufenden hielt. Und dass seine Frau Susi fast bei jedem Heimspiel in der Halle war. "Sie kam auch zu unserer Weihnachtsfeier vor einem Jahr." Pesic erzählte zudem die kleine Episode, dass Hoeneß vor einiger Zeit in seinem Haus am Westufer des Tegernsees Telekom-Fachkräfte anrücken und sich am Fernseher die nötige Technik installieren ließ - um nun sämtliche Spiele der Basketball-Bundesliga live sehen zu können.

Auch wenn sich Hoeneß nicht ins operative Geschäft einmischt: "Er wird von uns immer einbezogen und sitzt auch in den Gesprächen mit den Sponsoren an Tisch. Denn er möchte unsere Partner kennenlernen und mit ihnen sprechen. Und sie mit ihm", so Pesic. Aber wollen sie das im Fußball auch noch?

Dort ist Hoeneß in diesem Jahr verbal in zwei große Fettnäpfe getreten, wofür er sich zwei noch größere Rüffel einfing. Erst erklärte er im Frühjahr eigenmächtig das Triple zum großen Ziel für den scheidenden Josep Guardiola, was der damalige Sportchef Matthias Sammer mit den Worten "Dummes Zeug" quittierte. Kurz darauf verkündete er, der Dortmunder Mats Hummels habe von sich aus an der Tür des FC Bayern angeklopft, worauf ihn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge öffentlich abkanzelte.

In Momenten wie diesen schien es, als habe sich Hoeneß in seiner Abwesenheit entfremdet vom betriebsamen Tagesgeschäft des abgehobenen Profifußballs, als würde er sich lieber wieder etwas Bodenständigerem widmen, er, der früher mal hemdsärmelige Metzgersohn aus dem Ulmer Stadtteil Eselsberg. Basketball ist darum schon eher seine einstige Welt: kleiner, gemütlicher, überschaubarer und volkstümlicher. Da sitzt er nicht wie beim Fußball in einer VIP-Loge. Sondern mitten im Publikum, wo er sich von den Fans auch selbst mehr feiern lassen kann. Allein das tut ihm ja auch sehr gut.

Natürlich hat Hoeneß auch Visionen, sonst wäre er nicht Hoeneß. Von seinem Traum eines Basketballspiels vor 70.000 Zuschauern in der Allianz-Arena sprach er neulich, am besten der FC Bayern gegen die Chicago Bulls. Erst einmal sitzt Hoeneß am kommenden Mittwoch beim EuroCup-Heimspiel gegen Unicaja Malaga wieder als Präsident im Audi Dome. Mit Frau Susi und mit Klatschpappe. Das Schöne daran: Bei einem Sieg würde seine Laune nicht einmal durch eine Niederlage der aktuell lästigen Fußballer getrübt. Die haben dann spielfrei.



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tutnet 25.11.2016
1. Wenn interessiert ein Ex-Knacki?
Es gab mal eine Zeit, da war der Spiegel ein geachtetes Nachrichtenmagazin.
i.dietz 25.11.2016
2. Ein Ex-Knacki
und verurteilten Steuerbetrüger soll zum Präsident einer Fußball"firma" gekürt werden ? Für mich einfach unglaublich ! Wird hier nicht der Bock zum Gärtner gemacht ?
vor.morgen 25.11.2016
3. Echt jetzt?
Knastbruder Uli leitet einen der stärksten Clubmannschaften unserer Welt. Neben ihm, an der Spitze, werkt einer,d er schon mal teure Uhren ins Land schmuggelt. Eine saubere Partie. Aber andererseits, passt die Besetzung der Spitze bei den Bayern gut zu dem, wofür die FIFA steht. Also alles palletti in der großen Familie der Funktionäre. Sie werden sicherlich die selbe Sprache sprechen und sich deshalb untereinander gut verstehen. Palermo beginnt nahe der Allianz-Arena.
viceman 25.11.2016
4. wie ist es denn rechtlich überhaupt ?
kann man als "vorbestrafter" überhaupt einer solchen firma als 'präsident' vorstehen? als bankmitarbeiter oder versicherungsverkäufer hätte der typ keine chance mehr ... aber passt schon !
Hirndummy 25.11.2016
5. Sorry, 1158 war ein Fehler!
Ich möchte mich mal hier ganz förmlich als jemand aus der Region Braunschweig entschuldigen. OK, mit dem Regelaufstellen usw. haben wir ja auch Gutes für den Fußball getan. Aber 1158 die Gründung dieses Marktfleckens München durch unseren Heinrich dem Löwen solche Phänomene wie Bayern München und 1860 München hervorgebracht hat, das ist sicherlich unverzeihlich. Tut mir echt jeden Spieltag leid. Aber im Moment kann man den Ärger ja mit klebriger Brause statt Weißbier runterspülen.
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