Bayern-Pleite in Augsburg Richtig sauer

Die erneute Quarantäne für den ungeimpften Kimmich belastet den FC Bayern auch sportlich – bei der Niederlage in Augsburg hat sein Stellvertreter Sabitzer große Probleme. Deutlich wird: Trainer und Spieler sind genervt.
Aus Augsburg berichtet Florian Kinast
Thomas Müller bei der 1:2-Pleite in Augsburg

Thomas Müller bei der 1:2-Pleite in Augsburg

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

Julian Nagelsmann wirkte nicht nur mürrisch, als er nach Abpfiff im Presseraum der Augsburger Arena saß. Er war es auch. Der Trainer des FC Bayern beklagte die vielen Fehler seiner Mannschaft, wie leicht sie es dem Gegner bei der 1:2-Pleite in der Fußball-Bundesliga gemacht habe. Er sprach über die instabile Abwehr, sie sei eine »Baustelle, die wir schließen müssen«.

»Heute bin ich den ersten Tag als Bayern-Trainer richtig sauer«, sagte Nagelsmann irgendwann.

Vor wenigen Tagen war die Laune beim FC Bayern noch entspannt. Das erste Spiel nach der Länderspielpause beim Abstiegskandidaten Augsburg sollte eine lösbare Auftaktaufgabe werden, bevor die wirklich schweren Wochen bis Weihnachten anstehen.

Bereits vor Anpfiff sorgte die Aufregung um den ungeimpften Joshua Kimmich allerdings für einen ersten Dämpfer. Der 26-Jährige hatte im privaten Umfeld Kontakt zu einer coronapositiven Person und muss zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit für mindestens sieben Tage in Quarantäne. In Augsburg fiel Kimmich aus, auch am Dienstag wird er nicht mit zum Champions-League-Spiel nach Kiew reisen.

Dass sich die Verantwortlichen des FC Bayern seit Wochen mehr mit Fragen zum Impfstatus der Spieler als mit sportlichen Fragen beschäftigen müssen, schlug auf die Stimmung. »Das Thema nervt alle«, raunte Nagelsmann noch am Donnerstag – und meinte damit wohl nicht nur sich und seinen Trainerstab, sondern auch die Spieler.

Als Ausrede für das 1:2 wollte Nagelsmann das Hickhack um Kimmich nicht gelten lassen. »Das wäre für mich zu leicht.« Aber: »Es gibt Phasen im Leben, die ruhiger sind«, sagte Nagelsmann noch.

Auswirkungen hatte das Kimmich-Aus jedenfalls. Marcel Sabitzer, der für ihn in die Startelf rücken durfte, war an beiden Gegentoren mitbeteiligt. Beim 0:1 durch nachlässiges Zweikampfverhalten gegen Torschütze Mads Pedersen (23. Minute), vor dem 0:2 (36.) durch einen viel zu leichten Ballverlust kurz vor der Mittellinie.

Marcel Sabitzer hatte in Augsburg große Probleme

Marcel Sabitzer hatte in Augsburg große Probleme

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

»In Sabi steckt viel mehr, als wir aktuell sehen«, sagte Trainer Nagelsmann: »Wir freuen uns alle, wenn er wieder Topleistung bringen kann.« Aber von einer Topleistung war die gesamte Mannschaft der Bayern weit entfernt. »Wir bekommen die Tore immer auf dieselbe Art und Weise«, klagte Nagelsmann: »Der Gegner hatte keine brillanten Momente und macht trotzdem zwei Tore. Und wenn du keine fünf machst, dann verlierst du eben.«

Nagelsmann spielte damit auf die furiosen 5:2-Siege bei Union Berlin und gegen Benfica an. Dank der treffsicheren Offensive konnte man die Mängel der Abwehr damals gut überdecken.

Es war Trainer und Spielern später anzusehen, dass diese dritte Pflichtspielniederlage wehgetan hat. Das 1:2 zu Hause gegen Eintracht Frankfurt am siebten Spieltag galt als Ausrutscher, das epochale 0:5 im DFB-Pokal in Gladbach ging schon eher in die Richtung Totalausfall, ein einmaliger? Das Spiel in Augsburg scheint nun zu zeigen, dass die Bayern doch wiederkehrende Probleme haben.

Kommt die 2G-Regel im Fußball?

Thomas Müller sprach von einem »bitteren Rückschlag für unser Selbstverständnis, wie wir die Spiele bestreiten. Da brauchen wir in jedem Spiel die Bestätigung, dass wir die Gegner diktieren und dominieren.« So hat das Münchner Ego in dieser Saison die ersten tieferen Kratzer bekommen.

Wie oft der FC Bayern in den kommenden Wochen und Monaten auf Joshua Kimmich und die weiteren ungeimpften Spieler im Kader zurückgreifen kann, ist ungewiss.

Hasan Salihamidžić erklärte am Freitag erneut, man könne keinen zum Impfen zwingen. Der Sportvorstand wirkte, als sehne er sich ein Machtwort der Politik herbei, hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder doch für eine kategorische 2G-Regel im Profifußball plädiert: »Wir werden das so machen, wie sie entscheiden«, meinte Salihamidžić. Dann müssten sich alle piksen lassen. Ob die Impfpflicht in der Bundesliga dabei arbeitsrechtlich überhaupt durchzusetzen ist, ist umstritten.

Nach dem Spiel am Dienstag in Kiew steht am kommenden Samstag die Heimpartie gegen Bielefeld an. Champions-League-Gegner Kiew ist in der Münchner Gruppe Tabellenletzter, Bielefeld steht in der Bundesliga aktuell auf dem vorletzten Rang.

Beides sollten Hürden sein, die leichter zu nehmen sind, wo man sich Selbstvertrauen zurückholen kann. Aber als eine solche Aufgabe galt auch der FC Augsburg.

Spätestens am 4. Dezember, in zwei Wochen, sollte der FC Bayern Fortschritte mit seiner Defensive gemacht haben. Dann wartet das Spitzenspiel bei Borussia Dortmund. Und dann sollte – wenn alles gut läuft – auch Joshua Kimmich wieder mit dabei sein. Die Münchner brauchen ihn. Diese Gewissheit hat bereits das Spiel in Augsburg gebracht.