Bayern-Remis gegen Gladbach Die Party-Crasher

Nur 1:1 gegen Gladbach, der FC Bayern muss die Meisterfeier vertagen. Die Laune beim Team von Pep Guardiola ist vorm Champions-League-Halbfinale gegen Atletico Madrid eher mäßig.
Bayern-Trainer Josep Guardiola, Jérôme Boateng, Serdar Tasci

Bayern-Trainer Josep Guardiola, Jérôme Boateng, Serdar Tasci

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Zumindest Hermann Gerland hatte seinen Humor noch behalten. Warum es nichts geworden sei mit der großen Party, fragte ein Reporter den Co-Trainer nach dem Spiel. "Wieso", erwiderte Gerland und knurrte mit gewohnt rustikalem Humor zurück: "Bei uns ist doch jeden Tag Party."

Ansonsten hielt sich die Heiterkeit bei den Beteiligten des FC Bayern in Grenzen. Es herrschte hörbar Unmut darüber, dass sie es mit dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach versäumt hatten, sich am 32. Spieltag vorzeitig den 26. Meistertitel zu sichern.

Nicht, dass irgendjemand noch an der vierten Schale in Serie zweifeln würde - bei fünf Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund und angesichts der beiden letzten Partien, erst in Ingolstadt, dann zu Hause gegen Hannover. Gegen einen Aufsteiger und einen Absteiger. Aber der Zeitpunkt wäre ein ganz wichtiger gewesen, drei Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid. Der vorzeitige Titelgewinn hätte Schub gebracht für die so schwierige Aufgabe nach dem 0:1 aus dem Hinspiel.

Natürlich wäre es keine ausgiebige Meisterfeier geworden, eine kurze Weißbierdusche für Coach Guardiola, das hätte schon gereicht. Einen tiefen Schluck aus den herumgereichten Drei-Liter-Gläsern, dann den Mund abputzen und beschwingt an Dienstag denken.

Selbst Thomas Müller ist grantig

Stattdessen blieben ratlose Mienen und mürrische Gesichter. Zuversicht wirkt anders. Grantig wirkte vor allem Thomas Müller, und wenn ein Thomas Müller miese Stimmung verbreitet, ist das immer ein schlechtes Zeichen. Mit seinem Tor nach gut fünf Minuten hatte er den FC Bayern noch in Führung geköpft, bevor André Hahn nach einem Konter zum Ausgleich traf (72. Minute) und die Münchner Meisterfeier vermasselte.

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"Wir haben unsere Möglichkeiten nicht gut zu Ende gespielt", grummelte Müller und sprach dann als einziger Bayern-Spieler das aus, was für alle Zuschauer in den vergangenen Spielen deutlich erkennbar war: "Uns fehlt in den letzten Wochen die Leichtigkeit. Das ist auch kein Geheimnis, wir stehen als Mannschaft gut zusammen. Aber es geht nicht mehr so locker von der Hand. Und wir schaffen es nicht mehr, so viele Tore zu erzielen."

So souverän sie sich noch in der Vorrunde präsentierten, als sie nach Belieben mit den Gegnern spielten, so sehr plagen sie sich nun durch den Frühling dem Saisonende entgegen. Die Bayern sind müde und verwundbar. Was aber am meisten Sorge macht, ist die verschwundene Selbstsicherheit.

Von der sonst so inflationär überreizten Zurschaustellung des "Mia san mia"-Gefühls ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, die Bayern sind sich selbst ein Rätsel: "Wir suchen im Moment noch nach der besonderen Zutat, um diese Leichtigkeit wiederzugewinnen", sagte Müller. Als würde er am liebsten in einem Kochbuch blättern, auf der Suche nach dem richtigen Gewürz und der richtigen Prise.

Chancen auf alle Titel weiter unverändert

Wer in den Mai geht und noch gute Chancen auf drei Titel besitzt, hat nicht viel falsch gemacht, der hat das Grundrezept schon richtig zusammengerührt. Nur droht den Bayern, dass sie sich die Suppe selbst versalzen.

Angesäuert wirkte Müller auch, als es um das Thema Rotation ging. Guardiola hatte gegen Gladbach im Vergleich zum Mittwoch in Madrid mächtig durchgetauscht. Jérôme Boateng feierte sein Comeback, Serdar Tasci spielte von Anfang an, wie auch Sebastian Rode und Mario Götze, den die Zuschauer bei seiner Auswechslung nach einem ganz schwachen Spiel böse auspfiffen. Und auch Müller durfte von Beginn an ran, anders als am Mittwoch.

Natürlich ging es noch einmal um seine überraschende Nicht-Nominierung für die Startelf in Madrid. Müller sagte: "Das ist das Geschäft", dann aber fügte er hinzu: "Wenn man nur 12 oder 13 gesunde Spieler hat, müssen sie auch viele Wochen durchspielen. Das geht auch." Und weiter: "Ich bin auch nicht einer, der sich in großen Spielen versteckt und ein Hasenfuß ist." Nein, es waren keine direkten Attacken gegen seinen Trainer. Wie wenig er die Entscheidung am Mittwoch verstand und wie sehr es ihn ärgerte, war aber deutlich herauszuhören.

Bezeichnend war die Szene am Ende des Gesprächs mit den Reportern. Meist gibt es von Müller noch einen launigen Abschluss-Gag, ein Grinsen, ein Augenzwinkern. Am Samstag nun hob einer der Berichterstatter noch zu einer letzten Frage an: "Pep Guardiola…". Als der Name fiel, drehte sich Müller um und ging wortlos davon.

Aber die Laune kann sich ja wieder ändern. Schießt Müller die Bayern am Dienstag mit einem Doppelpack zum 2:0-Sieg, dann haben sie sich wieder alle lieb. Dann ist tatsächlich Party.