Fußball-Bundesliga Ärger um Bayern-Niederlage gegen Freiburg

Hat sich der FC Bayern gegen Freiburg nicht richtig angestrengt? Diesen Vorwurf erheben Wolfsburg-Manager Allofs und Hannovers Sportdirektor Dufner. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Bayerns Boateng, Freiburgs Petersen: "Wir wussten, dass unser Fokus nicht mehr auf der Bundesliga liegt"
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Bayerns Boateng, Freiburgs Petersen: "Wir wussten, dass unser Fokus nicht mehr auf der Bundesliga liegt"


Das Auftreten und die Niederlagen-Serie des FC Bayern München sorgen in der Endphase der Fußball-Bundesliga für Unmut. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs und Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner erheben erneut den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung. "Bisher waren die Bayern ein Vorbild, was Professionalität angeht, aber diese Professionalität sieht man in den letzten Wochen nicht", klagte Allofs auf Sport1. "Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie sie die Punkte zuletzt teilweise hergeschenkt haben oder unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Ich verstehe schon, dass einige Klubs mächtig sauer sind."

Aber ist das wirklich so? Kann man den Bayern vorwerfen, nicht richtig gekämpft zu haben - weil sie ohnehin schon Meister sind?

Fest steht: Die Münchner haben in der Bundesliga zuletzt geschwächelt. Das 1:2 beim SC Freiburg war die dritte Niederlage in Folge. Zuvor hatten die Bayern bei Bayer Leverkusen (0:2) und gegen den FC Augsburg (0:1) verloren. Zuletzt hatten die Bayern im Februar/März 1998 unter Trainer Giovanni Trapattoni drei Bundesliga-Pleiten in Folge kassiert. Die aktuelle Niederlagenserie ist also durchaus bemerkenswert.

Fest steht aber auch: Der FC Bayern hat nach wie vor viele Verletzte zu beklagen. Und die Profis, die noch spielen können, sind zum großen Teil ausgelaugt - was nach harten Partien in Champions League und DFB-Pokal kaum jemanden verwundern dürfte. Und nicht zu vergessen: Der FCB verlor zuletzt nicht nur in der Bundesliga, sondern eben auch in der "Königsklasse" und im Pokal - in Partien also, bei denen es sehr wohl auf etwas ankam.

Für Hannover ist die Frage sehr relevant

Ganz so einfach, wie es Allofs formuliert, dürfte das Bayern-Tief also nicht zu erklären sein. Und, ganz nebenbei bemerkt: Dass sich ausgerechnet ein Vertreter der durch VW-Millionen verwöhnten und zweitplatzierten Wolfsburger über Wettbewerbsverzerrung echauffiert, hat schon einen gewissen Beigeschmack.

Die Debatte ist schon länger in der Welt. Unter der Woche hatte Paderborns Trainer André Breitenreiter an die Ehre des FC Bayern appelliert, am Samstag schloss sich Hannover 96 den Vorwürfen an. Als Abstiegskandidat ist Hannover - im Gegensatz zum VfL Wolfsburg - direkt betroffen. "In der Regel werden in der Liga alle von den Bayern hingerichtet, plötzlich ist es anders", sagte Dufner und fügte sarkastisch an: "Möglicherweise stellen bald vier oder fünf Vereine den Antrag, gegen die Bayern nur in den letzten Spielen zu spielen."

Tatsächlich hat die Bayern-Niederlage für Hannover Auswirkungen. Hätte der deutsche Meister nicht durch ein Tor in der Schlussphase gegen Freiburg verloren, hätte 96 am letzten Spieltag schon ein Unentschieden gegen Freiburg zum Klassenerhalt gereicht. Nun bleibt der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag spannend.

Klar, der SC Freiburg hatte auch Glück

Und was sagen die Kritisierten? Jérôme Boateng räumte nach dem 1:2 ein, es sei nach dem Halbfinal-Aus in der Champions League nicht das einfachste Spiel gewesen. "Wir wussten, dass unser Fokus nicht mehr auf der Bundesliga liegt, aber dennoch müssen wir unsere Spiele seriös angehen und dürfen in den letzten Minuten nicht so auftreten."

FCB-Trainer Josep Guardiola erklärte: "Freiburg wollte mehr und hat mehr Kampf gezeigt, um zu gewinnen. Für uns war es nach der Meisterschaft nicht leicht. Wir haben jetzt noch ein Spiel - dann geht es in den Urlaub und in die Zukunft."

Dass nicht nur Können im Spiel war, sondern auch Dusel - wie so oft im Fußball -, gab der SC Freiburg bereitwillig zu. "Wir hatten heute sehr viel Glück. Aber sonst hatten wir immer sehr viel Pech", sagte Coach Christian Streich.

wal/dpa/sid



insgesamt 319 Beiträge
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tomrau1973 17.05.2015
1. Wolfsburg = Wettbewerbverzerrung
70 Mio einnehmen 200 ausgeben Jahr für Jahr.das ist Wolfsburg und auch Hoffenheim.das diese Mannschaften in der Bundesliga spielen ist wettbewerbsverzerrung. was Bayern macht ist arbeitsverweigerung.
Bueckstueck 17.05.2015
2. Ausgerechnet Allofs?
Wie war das noch gleich damals als Werder Meister wurde und die Spieler mit Kater (echt jetzt, die haben am Abend zuvor gesoffen wie die Löcher!) und lustig gefärbtem Haubthaar ins letzte Spiel gingen und krachend verloren haben? Allofs sollte als (Mit)Verantwortlicher von damals den Ball ganz, ganz flach halten. Zumal die Punkte im Artikel eigentlich klar belegen, das war eher unglücklich gelaufen für die Bayern. Und dann die Abstiegskandidaten. Die hatten die ganze Saison über Zeit die Punkte zu holen. Hannover lag vor der Winterpause aug Platz 6 - fürs sportliche Abkacken in der Rückrunde ist alleine Hannover verantwortlich. Ist schon eine Frechheit hier jetzt rumzuheulen und den Bayern irgendwas vorzuwerfen.
mulhollanddrive 17.05.2015
3. Geld, Macht und Titel
sind es, was bei den Bayern zählt. Wenn es da nichts mehr zu holen gibt, wird eben ein bisschen zum Training rumgekickt bis alles vorüber ist und endlich das große Spiel von vorne beginnt. Ich hatte im Freundeskreis schon den Tip abgegeben, daß die Bayern nicht mehr antreten würden, nachdem die Meisterschaft feststand. So ungefähr ist das ja auch. jetzt profitieren davon andere Mannschaften wie Freiburg nach dem Zufallsprinzip.
Wolfgang Porcher 17.05.2015
4. nicht angestrengt ?
das passiert doch alle Tage in der Liga generell, oder habt ihr immer Lust bei der Arbeit, die ihr darum meckert? Und warum seid ihr da unten im Keller, weil ihr zu flüssig gewesen seid?
norseman 17.05.2015
5. Sie haben sich nicht nur nicht angestrengt ...
es ist eine bodenlose Unsportlichkeit, was die Bayern hier getrieben haben, egal ob man nun mit einer Ersatzmannschaft spielt oder nicht (Und jeder weiss, dass man mit den Ersatzspielern bei Bayern München auch eine erstklassige Mannschaft zusammenstellen könnte). Dem DFB ist angeraten, in seine Statuten aufzunehmen, dass bei derartig unsportlichem Verhalten künftig 10-20 Punkte abgezogen werden können.
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