Bayern vor Porto-Spiel Eingeschworen auf Einheit

Im Champions-League-Viertelfinale gegen Porto fehlen dem FC Bayern etliche Stars. Pep Guardiola ist aber nicht nur deshalb alarmiert: Der Münchner Trainer ist überrascht von der spanisch anmutenden Spielweise des Gegners.

Bayern-Star Müller (2.v.l.): "Einheit auf dem Platz"
AP/dpa

Bayern-Star Müller (2.v.l.): "Einheit auf dem Platz"

Aus Porto berichtet


Es gehört zu den Grundeigenschaften von Josep Guardiola, höflich zu sein, und schon manch einer hat sich von den Schmeicheleien des Trainers des FC Bayern täuschen lassen. Fußballer beispielsweise, denen der Katalane gerade noch das Attribut supersuper zugesprochen hatte und die sich kurze Zeit später auf der Bank wiederfanden. Oder Gegner, die sich in einem Toptoptop-Zustand wähnen durften - und dann nicht den Hauch einer Chance hatten.

Eine Vokabel dagegen gebraucht Guardiola eher spärlich, sie scheint wirklich etwas zu bedeuten: fantástico. Vor dem Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Porto (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF und Sky) erhielten gleich zwei gegnerische Spieler diese Auszeichnung. Héctor Herrera? Fantástico! Yacine Brahimi? Fantástico! Nun ist es nichts Neues, dass Guardiola Mittelfeldspieler ganz besonders liebt, doch auch an den Rest der portugiesischen Mannschaft und deren Trainer Julen Lopetegui verteilte der Bayern-Coach großes Lob.

Lopetegui und Guardiola kennen sich aus Barcelona

"Ich bin komplett überrascht von Portos Niveau", sagte er auf der Pressekonferenz, während der er fließend zwischen Deutsch, Englisch und Spanisch hin- und hersprang und die Übersetzerin damit völlig aus dem Konzept brachte. Doch die Zuhörer verstanden auch so, was Guardiola sagen wollte: Der FC Porto, mit dem es sein Team im Estádio do Dragão zu tun bekommt, ist ein durchaus ernst zu nehmender Gegner; es ist kein Zufall, dass die Mannschaft in dieser Champions-League-Saison noch ungeschlagen ist.

Das ist nach Einschätzung des Bayern-Coaches vor allem auf seinen Kollegen Lopetegui zurückzuführen, einen Basken, der in den Neunzigerjahren zusammen mit Guardiola drei Jahre beim FC Barcelona gespielt hatte. Als Torwart war Lopetegui, 48, nie ein ganz Großer, 2002 wechselte er ins Traineramt. Er arbeitete in der Primera División für Rayo Vallecano, coachte lange Zeit die zweite Mannschaft von Real Madrid und dann viele Jahre spanische Nachwuchsteams, ehe er im vergangenen Sommer Porto übernahm. Beobachter erkennen dort bereits jetzt, nicht einmal ein Jahr später, die typisch spanischen Fußballzüge: ein offensives, auf Ballbesitz und schnelle Pässe ausgerichtetes Spiel.

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"Sie wollen mit dem Ball spielen, unbedingt!", erklärte Guardiola, "das ist keine Kontermannschaft mehr, sie ist komplett anders als früher. Sie können gutes Gegenpressing spielen, das Spiel verlagern und offensiv verteidigen." Das Team habe außerdem eine "überragende Qualität" im Eins-gegen-Eins und sei individuell sehr stark. Guardiola wollte gar nicht mehr aufhören, von Portos Vorzügen zu schwärmen, erst als er beinahe den gesamten Kader durchdekliniert hatte, langte es ihm.

Das Fazit, das er daraus zog, war allerdings so kurz wie simpel: "Wir brauchen nicht nur ein richtig gutes Spiel, damit es für das Halbfinale reicht." Zwar muss auch Lopetegui wohl auf einige seiner wichtigsten Profis verzichten - Angreifer Jackson Martínez hat eine Adduktorenverletzung, Flügelspieler Cristian Tello einen Muskelfaserriss -, doch seine Krankenliste ist weitaus überschaubarer als die des FC Bayern. In Porto fehlen neben den lädierten Arjen Robben, Medhi Benatia, David Alaba und Javier Martínez auch Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger, beide wegen Knöchelverletzungen.

Mehr Flanken von außen

Verteidiger Jérôme Boateng wurde dagegen rechtzeitig fit, und auch Claudio Pizarro reiste mit an die portugiesische Küste. Sportchef Matthias Sammer versuchte, der Verletztenmisere sogar etwas Gutes abzugewinnen. "Eine kleine Gruppe kann viel Kraft entwickeln", sagte er, "unsere Situation ist auch eine Chance." Ob er das genau so sehe, wollten die Journalisten vom derzeit sehr fidelen Thomas Müller wissen, und der schien tatsächlich zuversichtlich zu sein. Seine Mannschaft habe in der Bundesliga gegen Dortmund (1:0) und vier Tage später im Pokal-Halbfinale gegen Leverkusen (5:3 n.E.) erlebt, wie es sei, "wenn man nicht mit vollem Kader anrückt". "Es steht dann nicht mehr der teaminterne Konkurrenzkampf im Vordergrund, sondern es geht darum, eine Einheit auf dem Platz zu sein", sagte Müller.

Das könne auch gegen Porto helfen, zumal sich der Spielstil zwangsläufig verändere: "Ohne Arjen und Franck gibt es weniger Dribblings, dafür mehr Flanken von außen", sagte Müller; er und Stürmer Robert Lewandowski könnten so mehr in die Tiefe gehen. Gegen ein offensiv eingestelltes Team könnte das sogar von Vorteil sein.

"Ich hoffe, dass wir vorne mehr Räume bekommen als gegen Mannschaften, die mit zehn Mann den eigenen Strafraum dicht machen", sagte Müller. Er freue sich auf ein gutes Spiel. Seine Fußballer hat Trainer Pep Guardiola zumindest schon einmal mit seiner Begeisterung überzeugt.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
kirk,james-tiberius 15.04.2015
1. Einschwören
Gerade dann wenn ein Verein sich auf etwas einschwört verlieren sie.
decebalus911 15.04.2015
2. Götze
kann heute zeigen, weshalb er zu den Bayern gewechselt ist... ;-)
aurichter 15.04.2015
3. Porto
spielt einen gepflegten Fußball und, was eigentlich noch wichtiger ist für das Team, sie sind kein Favorit, was man auch wieder explizit erwähnt mit den Buchmacherzahlen. So etwas nimmt man als Spieler auch wahr, auch wenn etwas anderes behauptet wird. Man wird heute Abend eine leidenschaftlich kämpfende Mannschaft sehen, die den Bayern alles abverlangen wird auch wenn Spieler wie Martinez und Tello fehlen werden, es gibt genügend gute Nachrücker, die die Plattform Porto gerade in der jetzigen Phase, neue Saison mit Spielersuche steht an, nutzen wollen und werden, um bei anderen Clubs Bedürfnisse zu wecken. Porto wird ja nicht selten für etliche Spitzenclubs als Ausbildungsverein genutzt und dies wird man heute Abend auch wieder sehen. Der FCB wird fighten müssen :-)
locke27 15.04.2015
4. das...
kann er auch sein lassen;)
williondo 15.04.2015
5.
Die Bayern werden schon die richtigen Mittel finden. Porto hat nichts zu verlieren, also werden sie auch so auftreten. Es wird jedenfalls ein harter Fight für den FCB. Aber diesen werden sie nicht verlieren.
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