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FC Bayern München: Titel, Typen, Theater

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Rekordklub FC Bayern München Die Übermächtigen

Gladbach, der HSV, Werder und zuletzt Dortmund: Immer wieder werden Bundesliga-Klubs dem FC Bayern gefährlich, doch dann stürzen sie ab. Nur die Münchner bleiben stabil. Warum? Eine Analyse von 1969 bis heute.

Dieses Duell hat den deutschen Fußball zuletzt geprägt wie kein zweites: Bayern München gegen Borussia Dortmund. Wenn der FCB und der BVB aufeinandertrafen, ging es in den vergangenen Jahren immer um Titel. Mit dem Höhepunkt am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion, als die Bayern das Champions-League-Finale gegen die Borussia 2:1 gewannen.

Keine zwei Jahre ist das jetzt her, damals begegneten sich beide Klubs auf Augenhöhe - heute trennen sie Welten.

Am Samstagabend wird um 18.30 Uhr das Spiel zwischen der Borussia und den Bayern im Dortmunder Stadion angepfiffen. Dann empfängt der Zehnte den Spitzenreiter, 31 Punkte liegen die beiden Klubs in der Tabelle auseinander. Natürlich ist der BVB gefühlt besser als Rang zehn, normalerweise müsste er mit seinem Kader um die Champions-League-Plätze mitspielen. Dennoch ist der frühere Bayern-Kontrahent nur noch einer von mehreren Verfolgern.

So erging es früher auch Borussia Mönchengladbach, dem Hamburger SV, Werder Bremen und in den Neunzigerjahren schon einmal dem BVB. Sie alle kämpften mit den Bayern einst um Titel - und stürzten irgendwann ab. Aufstieg und Absturz der ärgsten Konkurrenten: Lässt sich darin ein Muster erkennen? Und wenn ja: Wer wird der nächste große Bayern-Gegner? Eine Spurensuche.

Borussia Mönchengladbach gelang 1965 der Aufstieg in die noch junge Fußballbundesliga, im selben Jahr wie Bayern München. Das Durchschnittsalter des Gladbacher Teams lag damals bei rund 22 Jahren. Trainer Hennes Weisweiler hatte junge Talente aus der Region um sich geschart. Günter Netzer, Berti Vogts, Jupp Heynckes: alles spätere Europa- und Weltmeister. Geld hatte die Borussia nur wenig; und das, was man hatte, hielt Manager Helmut Grashoff eisern zusammen. Deswegen war der Verein gezwungen, junge Spieler aufzubauen - die Basis für die Fohlen-Elf.

Drei Meistertitel in Folge

Ab 1969 begann das Duell um die Vorherrschaft zwischen Gladbach und Bayern. Neun Jahre lang wechselten sich beide Teams an der Spitze ab. Die Bayern wurden 1969 Meister, Gladbach holte 1970 den ersten Titel und verteidigte ihn 1971. Von 1972 bis 1974 wurden die Bayern dreimal in Folge Meister, was Gladbach mit Weisweiler und dessen Nachfolger Udo Lattek konterte: 1975, 1976 und 1977 hieß der Titelträger Borussia Mönchengladbach.

In dieser Zeit legte die Mannschaft mit ihrem strikt auf Angriffsspiel und schnelle Konter ausgelegten Stil den Grundstein dafür, dass noch heute die Borussia mit Offensivgeist in Verbindung gebracht wird. Vor allem unter Weisweiler spielte sich das Team phasenweise in einen Rausch: 10:0 über Borussia Neunkirchen, 11:0 gegen Schalke oder das legendäre 7:1 im Europapokal über Inter Mailand festigten den Ruf der Fohlen-Elf. "Unser Spiel war manchmal sogar zu euphorisch, wir waren nie so abgeklärt wie die Bayern", hat der damalige Torwart Wolfgang Kleff einmal in einem "11 Freunde"-Interview gesagt.

Obwohl die Gladbacher einen Erfolg nach dem anderen feierten, war der sportliche Abschwung unvermeidlich. Die Siege und Meisterschaften weckten Begehrlichkeiten an den Borussen-Spielern. Da die Gladbacher mit ihrem kleinen Bökelbergstadion nicht genug einnahmen und somit bei den Spielergehältern nicht entsprechend nachzulegen imstande waren, verließen Stars den Klub. Allen voran Netzer, der 1973 nach dem DFB-Pokalsieg zu Real Madrid ging. Auch der Erfolgstrainer folgte dem Lockruf aus Spanien: Weisweiler wechselte 1975 zum FC Barcelona.

Vogts prognostiziert den Gladbacher Niedergang

1978 wurde die Borussia noch einmal Zweiter, es kam am letzten Spieltag zum historischen Showdown mit dem 1. FC Köln, als Gladbach gegen Dortmund 12:0 gewann und dennoch wegen der schlechteren Tordifferenz nur Vizemeister wurde. Der letzte Höhepunkt der Ära war der Uefa-Cup-Sieg 1979. Kapitän Berti Vogts sagte anschließend, dies sei auf lange Zeit der letzte Pokal, den die Gladbacher gewinnen würden. Er sollte recht behalten. Das Karriereende von Heynckes, Vogts, Rainer Bonhof und Herbert Wimmer, der Abgang von Allan Simonsen zum FC Barcelona und ein paar misslungene Transfers waren der Grund, dass die Borussia an ihre große Zeit nie mehr heranreichte.

Und die Bayern? Sie waren mit einem ähnlichen Konzept wie Gladbach großgeworden, mit jungen Spielern aus der Umgebung: Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Georg Schwarzenbeck, Franz Roth. Aber ihre großen Europapokalerfolge - dreimal siegten die Bayern nacheinander im Landesmeister-Cup (1974 bis 1976) - und ab 1971 das große Olympiastadion im Rücken waren eine Basis, auf der sich weitere Erfolge aufbauen ließen.

Anders als Mönchengladbach gelang es dem Hamburger SV weniger mit eigenen Nachwuchsspielern, sondern vor allem mit klugen Transfers, sich ab Ende der Siebzigerjahre an die Spitze zu spielen. Felix Magath etwa kam als 22-Jähriger aus Saarbrücken, Jimmy Hartwig unterschrieb mit 23 Jahren beim HSV. Manfred Kaltz war erst 17, als er nach Hamburg wechselte, Thomas von Heesen 18. Dazu kaufte der Klub immer wieder erfahrene Spieler wie Kevin Keegan und Horst Hrubesch.

Als entscheidende Figur beim Aufbau des HSV zu einem internationalen Spitzenteam erwies sich Günter Netzer. Eigentlich wollte der frühere Gladbach-Profi 1978 bei den Hamburgern nach eigenen Angaben "nur die Stadionzeitung auf Vordermann bringen". Der damalige Präsident Paul Benthien war aber der Meinung: Wenn Netzer schon mal da ist, kann er auch gleich den Posten des Managers übernehmen. "Ich hatte nicht die blasseste Ahnung von meinem neuen Job", sagte Netzer einmal.

Netzers Einkäufe fast ausschließlich Volltreffer

Für einen Novizen bewies der neue Manager von Beginn an aber ein grandioses Gespür bei Transfers. Zur Saison 1978/1979 holte er Hrubesch, Hartwig und Bernd Wehmeyer, dazu Trainer Branko Zebec. Das Ergebnis war der Gewinn der Meisterschaft. Und so ging es weiter: Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus, Jürgen Milewski, von Heesen, Uli Stein, Lars Bastrup: Netzer landete auf dem Transfermarkt einen Volltreffer nach dem anderen. All diese Spieler standen am 25. Mai 1983 auf dem Rasen in Athen, als der HSV das Finale im Europapokal der Landesmeister 1:0 gegen Juventus Turin gewann. Trainiert wurde die Mannschaft damals von Ernst Happel, den Netzer 1981 von Standard Lüttich geholt hatte - noch so ein Coup.

Insgesamt dreimal wurde der HSV in seiner Hochzeit Meister (1979, 1982 und 1983), dazu kamen vier zweite Plätze (1980, 1981, 1984 und 1987). Als die Hamburger das letzte Mal "Vize" wurden, war der sportliche Abschwung des Klubs längst eingeleitet. Netzer war bereits im Sommer 1986 gegangen, im SPIEGEL hatte er ein Jahr zuvor gesagt : "Ich bin gescheitert. Wie zuvor den Verantwortlichen bei Real Madrid, Inter Mailand, Ajax Amsterdam oder Bayern München ist es auch mir nicht gelungen, die älter gewordenen Stars nahtlos zu ersetzen."

Sturm-Duo Schatzschneider/Wuttke ersetzt Hrubesch/Bastrup

Nachdem der Klub mit dem Gewinn des Europapokals auf dem Gipfel angelangt war, wurde das erfolgreiche Sturm-Duo Hrubesch/Lars Bastrup durch Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke ersetzt, ein großer Fehler. Mark McGhee konnte die Erwartungen ebenso wenig erfüllen wie Heinz Gründel, Peter Lux oder Manfred Kastl. 1987 verabschiedete sich auch Happel, er gewann zum Abschluss seiner Hamburger Zeit den DFB-Pokal. Es ist bis heute der letzte große Titel des HSV.

Und die Bayern? Hatten in der Hochphase der Hamburger mehr Glück mit ihren Transfers. Sie holten Spieler, die später das Gerüst für fünf Meisterschaften in sechs Jahren bildeten. Unter anderem Dieter Hoeneß (1980), Hans Pflügler (1982), Hans Dorfner, Sören Lerby (beide 1983), Lothar Matthäus, Norbert Eder, Ludwig Kögl und Roland Wohlfarth (alle 1985). Der HSV war als Bayern-Konkurrent aus dem Rennen - doch der Nächste stand schon bereit.

Nach dem HSV schickte sich der zweite große Nord-Klub an, die Bayern über Jahre zu ärgern. Nach Platz zwei hinter den Münchnern in der Saison 1984/1985 war Werder Bremen im darauffolgenden Jahr fast schon sicher Meister, hätte Michael Kutzop am 33. Spieltag gegen die Bayern vom Elfmeterpunkt getroffen. Er schoss aber an den Pfosten, weshalb Werder zwei weitere Jahre auf die Schale warten musste.

Doch schon damals, 1986, hatte Trainer Otto Rehhagel eine Mannschaft zusammengestellt, die den Kern des späteren Meister-Teams bilden sollte. Vor allem bei der Verpflichtung junger Spieler machten der Coach und Manager Willi Lemke viel richtig. Frank Ordenewitz kam als 16-Jähriger zu Werder, Marco Bode als 18-Jähriger. Dieter Eilts und Frank Neubarth waren 19 bei ihrem Wechsel an die Weser, Oliver Reck, Gunnar Sauer und Thomas Wolter 20, Karl-Heinz Riedle 21.

Doch für Rehhagel und Lemke war nicht nur das Alter entscheidend, schließlich pflegte der Trainer zu sagen: "Es gibt nicht junge und alte Spieler, sondern nur gute und schlechte." Daher holte Werder zum Beispiel den 35-Jährigen Manfred Burgsmüller von Borussia Dortmund und Klaus Allofs im Alter von 33 Jahren aus Bordeaux. Dritter Baustein waren weitgehend unbekannte Spieler aus dem Ausland, die sich als Volltreffer erwiesen, etwa der Norweger Rune Bratseth oder Wynton Rufer aus Neuseeland.

Nach drei zweiten Plätzen war Werder 1988 endlich am Ziel: Meister. "Wir haben die Vorherrschaft der Bayern gebrochen", sagte Bremens Kapitän Mirko Votava. Allerdings nicht auf Dauer, 1989 und 1990 ging die Schale wieder nach München. Der FCB betrieb dafür ungeheuren personellen und finanziellen Aufwand, holte viele teure Spieler und nahm dabei in Kauf, dass Zugänge auch mal nicht einschlugen. In Bremen setzten sie eher auf Kontinuität und veränderten den Kader nur punktuell. Als Werder 1993 erneut den Titel holte, spielten noch neun Mitglieder der 88er-Meistermannschaft an der Weser. Die Erfolge der Achtziger- und Neunzigerjahre nannte Rehhagel eine "Sensation, die mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln erarbeitet wurde".

Cardoso, Labbadia, Bogdanovic: Millionen-Einkäufe floppten

1995 verabschiedete sich Rehhagel mit Platz zwei in Richtung FC Bayern. Es war der Beginn vom vorübergehenden Niedergang. Trainer kamen und gingen (Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka), Millionen-Einkäufe floppten (Rodolfo Cardoso, Junior Baiano, Bruno Labbadia, Rade Bogdanovic). Besser wurde es erst wieder ab 1999 mit dem Trainer-Manager-Gespann Thomas Schaaf/Klaus Allofs, unter dem Werder 2004 das Double gewann und zweimal Zweiter wurde.

Und die Bayern? Ruhten sich während der ersten erfolgreichen Bremer Zeit etwas zu sehr auf den Erfolgen der Achtziger aus. Gute Spieler wurden abgegeben (Matthäus, Andreas Brehme), weniger gute kamen (Alan McInally, Radmilo Mihajlovic). Zwischen 1991 und 1993 verpasste man drei Meisterschaften in Folge, was in München einer großen Krise gleichkam. Zwar verpflichteten die Bayern Anfang der Neunziger Spieler, die später noch einmal wichtig werden sollten (Christian Ziege, Markus Babbel, Mehmet Scholl). Doch zunächst rüstete ein anderer deutscher Klub mächtig auf.

Bis in die Neunzigerjahre war Borussia Dortmund ein Bundesligaverein mit ganz viel Tradition, aber wenig Erfolg. Das änderte sich mit der Verpflichtung des Trainers Ottmar Hitzfeld 1991, der aus der Schweiz vom Grasshopper Club Zürich kam. Dortmund hatte zwei Jahre zuvor mit dem DFB-Pokalsieg den ersten Titel seit vielen Jahren geholt, auf dieser Mannschaft baute Hitzfeld auf. Verpflichtungen wie die des Stürmers Stéphane Chapuisat trugen dazu bei, dass die Mannschaft schon im ersten Hitzfeld-Jahr den Meistertitel nur knapp verfehlte und punktgleich Zweiter hinter dem VfB Stuttgart wurde.

BVB holte Sammer, Reuter, Riedle, Möller und Kohler zurück

Danach wurde in Dortmund investiert, und zwar kräftig. Mit Stefan Reuter (1992) und Matthias Sammer (1993) kamen zwei Nationalspieler zum BVB. Der Erfolg gab dem Konzept von Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier recht. Dortmund schaffte es 1993 bis ins Uefa-Cup-Finale, unterlag dort Juventus Turin und verfügte dank der Fernsehgelder, die in dieser Zeit in die Höhe schnellten, über die Finanzkraft, das Team weiter zu verstärken.

Mit Stürmer Karl-Heinz Riedle wurde 1993 der dritte Nationalspieler aus Italien ins Ruhrgebiet geholt, ihm folgten ein Jahr später mit Andreas Möller und Julio Cesar die nächsten Top-Stars, 1995 kam auch noch Jürgen Kohler hinzu. Es waren die bis dahin erfolgreichsten BVB-Jahre in der Bundesliga: Meister 1995 und 1996.

Höhepunkt war das Jahr 1997, als Dortmund zwar seinen Meistertitel nicht verteidigen konnte und nur Dritter wurde, dafür aber in der Champions League triumphierte. Wieder war der Gegner Juventus, Riedle und der junge Lars Ricken wurden beim 3:1-Sieg mit ihren Toren zu Helden. "Wir hatten damals ein ganz tolles Team, es war ein perfektes Spiel, der schönste Moment meiner Karriere", sagt Chapuisat im Rückblick.

Transfers wie Häßler und Bobic floppten

Ein Moment, den der Verein nicht festhalten konnte. Danach ging es abwärts. Hitzfeld gab das Traineramt ab und wurde Sportdirektor, sein Nachfolger Nevio Scala hatte außer einem großen Namen nicht viel beizutragen. Das Konzept des BVB, auf teure und prominente Spieler zu setzen, ging nicht mehr auf. Thomas Häßler floppte ebenso wie Fredi Bobic. In der Saison 1999/2000 stand der Klub kurz vor dem Abstieg. Zwar holte der BVB unter Trainer Matthias Sammer 2002 noch einmal die Meisterschaft. Aber der Preis war zu hoch: Der BVB hatte sich mit der Verpflichtung von Spielern wie Marcio Amoroso, Tomas Rosicky oder Jan Koller finanziell übernommen. 2005 war der Klub mit fast 100 Millionen Euro verschuldet und stand kurz vor der Insolvenz.

Und die Bayern? Es waren unruhige Jahre in München. Zwar holte der Klub 1994 und 1997 den Titel. Es war aber eine unstete Phase mit eher unglücklichen Trainer-Engagements wie der ersten Amtszeit von Giovanni Trapattoni und den wenigen Monaten unter Otto Rehhagel. Dazu gab es ständig Theater mit Spielern wie Matthäus und Jürgen Klinsmann. In dieser Zeit wurde auch der Name "FC Hollywood" als Synonym für die Bayern erfunden. Etwas mehr Ruhe und deutlich größere Erfolge kehrten erst zurück, als die Münchner 1998 den Trainer holten, der den BVB groß gemacht hatte: Ottmar Hitzfeld.

Nach der Fast-Pleite des Vereins 2005, verantwortet durch die Ausgabenpolitik von Präsident Niebaum und Manager Meier, schien Borussia Dortmund auf lange Sicht abgemeldet. Es waren drei entscheidende Personalien, die das änderten: Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke kümmerten sich um die Sanierung des Klubs und darum, den ruinierten Ruf zu verbessern, Jürgen Klopp besorgte den sportlichen Aufschwung.

Die Verpflichtung des Mainzer Trainers zur Saison 2008/2009 war ein Wendepunkt in der Geschichte des BVB. Klopp baute die Mannschaft radikal um, integrierte junge Spieler in die Stammelf und schuf mit seiner auf Tempo und Pressing basierenden Philosophie einen in der Liga auf diesem Niveau bis dahin unbekannten Spielstil.

Der BVB begann, die Liga ab 2010 förmlich zu überrennen. Spieler wie Nuri Sahin, Mario Götze, Mats Hummels sowie zunächst Lucas Barrios und später Robert Lewandowski bildeten das Gerüst der neuen Mannschaft, die 2011 und 2012 den Titel gewann. 2012 wurde Bayern München zudem im DFB-Pokalendspiel beim 5:2 geradezu gedemütigt.

Wie schon 1997 folgte auch 2013, ein Jahr nach dem zweiten Titelgewinn, das Highlight auf europäischer Ebene: Der BVB zog ins Endspiel der Champions League ein. Dieses Mal jedoch blieb der ganz große Triumph aus, die Bayern gewannen 2:1. In der Liga sicherte sich Dortmund Platz zwei, jedoch mit deutlichem Abstand zu den Münchnern: 25 Punkte hatten die Bayern 2013 Vorsprung, ein Jahr später waren es immerhin noch 19 Zähler, die der Meister aus München besser war als sein Verfolger BVB.

47 Millionen Euro für Mchitarjan und Immobile

Im Sommer 2013, kurz nach dem Champions-League-Finale, begann der langsame Abschwung der Borussia. Götze ging zu den Bayern, Dortmund kaufte für viel Geld den Gabuner Pierre-Emerick Aubameyang und Henrich Mchitarjan. Vor allem die 27,5 Millionen Euro, die der Armenier gekostet hat, haben sich noch nicht rentiert. Vergangenen Sommer verließ Lewandowski den Klub in Richtung München, dafür kaufte der BVB Ciro Immobile (19,4 Millionen Euro), Adrian Ramos (9,7 Millionen Euro) und Matthias Ginter (10 Millionen Euro). Eine Verstärkung war (bislang) keiner der Einkäufe. Unter anderem die verfehlte Personalpolitik sorgte dafür, dass die Borussia in dieser Saison zeitweise auf dem letzten Tabellenplatz stand.

Und die Bayern? Waren durch die zwei Dortmunder Titel richtig angestachelt. Sie erkauften sich ihre Vormachtstellung zurück, indem sie viele gute und teure Spieler holten. Mit Götze und Lewandowski stärkten sie nicht nur das eigene Team, sondern schwächten auch den Hauptkonkurrenten aus Dortmund. Javier Martínez, Thiago, Juan Bernat, Xabi Alonso und Trainer Josep Guardiola waren weitere Coups, weshalb die Münchner national seit fast drei Jahren konkurrenzlos sind.

Viele richtige Entscheidungen bei Transfers: Das ist - vereinfacht - der Grund dafür, dass die Bayern seit fast 50 Jahren zur Spitze der Bundesliga gehören und sie immer wieder über einen längeren Zeitraum dominieren. Ausgangspunkt waren die jungen Burschen um Beckenbauer und Müller in den Sechzigerjahren. In den Siebzigern holte der Klub Karl-Heinz Rummenigge und verkaufte ihn später teuer nach Italien, in den Achtzigern gelang dies mit Spielern wie Matthäus und Brehme. In den Neunzigern brachten dann die Verkäufe von Reuter, Kohler und Stefan Effenberg das nötige Geld, um sich dauerhaft einen teuren Kader leisten zu können, der fast jedes Jahr um den Titel mitspielen konnte.

Beim BVB hingegen zeigt sich derzeit das Muster, das es in der Bundesliga schon so häufig gab. Einem Verein gelingt es, zu den Bayern aufzuschließen und mehrere Jahre mit ihnen mitzuhalten, nur nicht dauerhaft. Und immer sind der Ausgangspunkt gute Jugendarbeit und/oder clevere Transfers der Münchner Konkurrenten. Die anschließenden Erfolge bringen Geld, das aber nicht sinnvoll investiert wird. So erging es erst Mönchengladbach, später dem HSV und Werder Bremen, jetzt zum zweiten Mal dem BVB.

Das Olympiastadion und eine große Fan-Schar als Geldquelle

Die Bayern wehrten die Angriffe immer ab, der stetige Erfolg bescherte ihnen Werbeeinnahmen, die andere Klubs nicht generieren konnten. Dazu kamen das große und - zumindest früher - moderne Olympiastadion als Geldquelle, heute ist es die Arena. Zudem hatten die Münchner frühzeitig eine große Fan-Schar in ganz Deutschland, wovon der Verein in hohem Maße profitierte, als das Thema Merchandising immer wichtiger wurde. Die Bayern haben sich finanziell ein Fundament geschaffen, mit dem der Klub selbst zwei, drei sportlich magere Jahre problemlos verkraften könnte. Das unterscheidet ihn von den anderen Vereinen.

Die Einnahmen investierte der Klub zu großen Teilen immer wieder in die Mannschaft und landete dabei - womit sich der Kreis schließt - mehrere Volltreffer. Ende der Neunziger-, Anfang der Nullerjahre waren dies unter anderem die Verpflichtungen von Giovane Elber, Bixente Lizarazu, Hasan Salihamidzic, Effenberg und Willy Sagnol. Und in der jüngeren Vergangenheit leisteten sich die Bayern - im Gegensatz zum BVB - auch bei besonders teuren Transfers wie Franck Ribéry, Luca Toni, Arjen Roben, Jérôme Boateng oder Martínez so gut wie keinen Flopp.

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Millionen für Spieler: Die teuersten Bundesliga-Transfers

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Nach Mönchengladbach, Hamburg, Bremen und Dortmund wird nun aber der fünfte Klub gesucht, der den Bayern, zumindest über einen gewissen Zeitraum, an der Spitze der Bundesliga gefährlich werden kann. Und die Tabelle gibt die Antwort: der VfL Wolfsburg, aktuell Zweiter.

Bei den Niedersachsen kommen all die Erfolgsfaktoren zusammen, die frühere Bayern-Konkurrenten auszeichneten: Gute Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie einst in Mönchengladbach (Robin Knoche, Maximilian Arnold), sinnvolle, billige Verstärkungen wie einst beim HSV (Daniel Caligiuri, Sebastian Jung), Volltreffer beim Kauf ausländischer Spieler wie einst in Bremen (Ricardo Rodríguez, Vieirinha), dazu die Bereitschaft, viel Geld für Spieler zu bezahlen wie einst beim BVB (Kevin De Bruyne, André Schürrle, Luiz Gustavo). Und überdies hat Wolfsburg im Gegensatz zu den früheren Bayern-Konkurrenten dauerhaft einen starken Geldgeber im Rücken: den VW-Konzern.

"Die Wolfsburger werden sich in Zukunft nicht mehr mit Platz zwei zufrieden geben", sagte FCB-Boss Rummenigge jüngst der "Welt": "Ich habe immer gesagt: Geld, richtig eingesetzt, schießt Tore." Das hat in den vergangenen Jahrzehnten kein anderer Bundesligist besser bewiesen als der FC Bayern München.

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