Ancelotti-Nachfolger Sagnol Klemmbrett-Willy

Im Sommer erst hatte Willy Sagnol seinen Posten als Co-Trainer der Bayern angetreten, jetzt übernimmt der Franzose den Job von Carlo Ancelotti. Viel Erfahrung hat Sagnol nicht, aber bestimmt einen Plan. Wie immer.

Laci Perenyi / imago

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Willy Sagnol war kaum zurück gewesen beim FC Bayern, da hatte er sich als Prophet betätigt. "Wir können viel Spaß zusammen haben - solange wir Erfolg haben", hatte der Franzose und bisherige Co-Trainer Anfang August über seinen Chef Carlo Ancelotti gesagt. Jetzt ist Schluss mit lustig, Schluss mit Erfolg, Schluss mit Ancelotti. Und Sagnol übernimmt "bis auf Weiteres", wie es in der Pressemitteilung der Münchner am Nachmittag hieß.

Sagnol war - im Doppelpack mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic - Teil der Familien-Offensive des Vereins im Sommer gewesen, nach weniger heimeligen Jahren unter Pep Guardiola wollten Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge und der nach seiner Freiheitsstrafe zurückgekehrte Präsident Uli Hoeneß wieder mehr fürs Image des Weltklubs mit Herz tun.

Sagnol wie Salihamidzic waren dritte Wahl für ihre Jobs. Max Eberl und Philipp Lahm hatten kein Interesse am Job des Sportdirektors, Lahm schlug zudem ebenso wie Xabi Alonso das Angebot Ancelottis aus, nach der Spielerkarriere als Co-Trainer weiterzumachen.

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Ancelotti-Aus beim FC Bayern: Ein Titel war zu wenig

Als beide absagten, wünschte sich der Italiener ausdrücklich Sagnol. Wenige Wochen zuvor hatte der den Italiener in einem "Kicker"-Interview noch kritisiert. Ancelotti setze zu viel auf die älteren Profis und gebe den Jungen nicht genug Chancen. An der Säbener Straße angekommen, sagte Sagnol: "Oft ist Kritik die erste Stufe der Weiterentwicklung."

In der kurzen Zeit, die Sagnol und Ancelotti zusammen arbeiteten, sollen sie dennoch gut miteinander ausgekommen sein, wie ständige Beobachter des Klubs berichten. Der Italiener beobachtete die Trainingseinheiten eher, Sagnol griff stattdessen immer wieder ins Geschehen ein. Bei den Spielen saßen sie nebeneinander, Sagnol in Trainingsklamotten und mit dem Klemmbrett auf dem Schoß, Ancelotti im Anzug. Viel geredet wurde nicht, dafür sind beide auch nicht die Typen.

Sagnol fiel schon als Spieler nicht durch seinen Hang zur Plauderei auf, eher durch klare Meinung. Der Mann verfolgt in seinem Leben gerne Pläne, so sagte er nach seinem Wechsel im Jahr 2000 nach München: "Als ich jung war, wollte ich nach Saint-Etienne. Als ich es dort geschafft hatte, wollte ich zu Monaco in die höchste französische Liga. Als ich es dorthin geschafft hatte, wollte ich zu einem europäischen Spitzenklub." Es kam genau so.

"Eine große Ehre für mich"

Im ostfranzösischen Saint-Étienne geboren, wuchs er als Sohn des Heizungsvertreters Jacky Sagnol und Ehefrau Colette samt Schwester Cathy in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, mit vier Jahren begann er mit dem Fußballspielen, als 13-Jähriger wechselte er ins Internat von AS Saint-Étienne, obwohl er als Kind eigentlich lieber "zur Polizei gehen und Kommissar werden" wollte. Für den zehnmaligen französischen Meister spielte der Rechtsverteidiger bis zu seinem Wechsel 1997 zur AS Monaco, 2000 ging Sagnol zu den Bayern. 2001 zählte er zur Mannschaft, die in Mailand die Champions League gewann. Fünfmal holte Sagnol die deutsche Meisterschaft, viermal den DFB-Pokal, 2009 musste er mit 31 Jahren wegen Problemen mit der Achillessehne seine Karriere beenden.

Anschließend arbeitete er als TV-Experte, Scout bei den Bayern und machte bereits im Rahmen seiner Uefa-Trainer-Ausbildung Stationen in München. 2011 war Sagnol vom französischen Verband zum Manager für die Nachwuchsteams des Landes ernannt worden. 2013 übernahm er Frankreichs U20-Nationalmannschaft, anschließend wurde er Trainer der U21, bevor Girondins Bordeaux ihm seine erste Stelle als Vereinstrainer gab.

In der ersten Saison wurde er Sechster, doch in seiner zweiten Saison sorgten Verletzungen und die Abgänge einiger Schlüsselspieler für eine Negativserie, im März 2016 wurde Sagnol beurlaubt. Er hatte anschließend einige Angebote, wartete aber, bis sein Lieblingsverein anfragte.

Sagnol durfte sogar rauchen

"Dass Carlo Ancelotti, einer der besten und erfahrensten Trainer des Weltfußballs, sich für mich entschieden hat, ist eine große Ehre für mich", sagte Sagnol, als er im Sommer seinen neuen Job antrat. Wichtiger als Ancelottis Meinung dürfte aber die des Präsidenten gewesen sein. Er ist seit Spielerzeiten das, was gern als "enger Vertrauter" von Hoeneß bezeichnet wird, vielleicht sogar ein Freund. Hoeneß nannte ihn zum Abschied 2009 prinzipientreu und "manchmal auch furchtbar stur", wie die "Süddeutsche Zeitung" damals schrieb.

Der Präsident schätzte den Querdenker, den Sportler, mit dem man "auch mal philosophieren" konnte. Und wahrscheinlich auch den knallharten Geschäftsmann Sagnol, der 2005, um seinen Wert wissend, ohne Berater selbst hart mit Hoeneß verhandelte und am Ende so viel Geld herausschlug, dass er doch nicht wie angedroht zu Juventus wechselte. Selbst dass er sich auf Reisen bei jeder Gelegenheit verdrückte, um eine Zigarette zu rauchen, ließen seine Chefs ihm durchgehen. Sie wussten, sie können sich auf dem Platz immer auf Sagnol verlassen.

Wie lange Hoeneß und Rummenigge Sagnol nun den Trainerposten anvertrauen, wird vor allem davon abhängen, welche Trainer sofort oder im Winter zu haben sind. Bis dahin können sie sich auf die Arbeitsmoral des 40-Jährigen verlassen und auf dessen Wissen um die Besonderheiten seines Arbeitgebers. Im bereits erwähnten "Kicker"-Interview sorgte er sich um die Zukunft der Münchner. "Ich sehe heute bei Bayern ein großes Problem: Welche Kultur hat dieser Verein, welche Identität?"

Statt Fragen zu stellen, bekommt Sagnol jetzt die Chance, seinen Teil zur Antwort beizusteuern.



insgesamt 9 Beiträge
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zynik 28.09.2017
1.
Schon lustig, wer bei La Familia die Pöstchen abkriegt. Natürlich nur, wenn er schön vor Sonnengott Uli den Buckligen macht.
ge1234 28.09.2017
2. Mit Verlaub...
.... Herr Rilke, Ihr Kommentar zeigt mal wieder, wie weit die SPON-Redaktion vom FCB entfernt ist und wie wenig Ahnung Ihr da oben im Norden von den Interna des Stern des Südens habt. Sagnol wi auch Saklihamidzic sind beide ausgesprochene Hoeneß-Vertraute, der sehr richtig erkannt hatte, welch schwerer Fehler seinem dilettantischen Vorstandsvorsitzendem mal wieder unterlaufen war, als er Ancelotti erlaubt hatte, seinen Trainerstab ausschließlich mit Familienmitgliedern zu besetzten, was nebenbei gesagt, auch nicht besonders professionell ist. Insofern ging es bei der Berufung von Sagnol und Salihamidzic auch nicht darum, dem "Weltclubs mit Herz ein besseres Image" zu verpassen, sondern einzig und allein darum, den bereits entglittenen Zugriff des Vorstands auf die Mannschaft wieder herzustellen. Sagnol war weder dritte Wahl noch Ancelottis ausdrücklicher Wunsch; vielmehr hatte Ancelotti Sagnol nur widerwillig zugestimmt, da er am liebsten gar keinen externen Cotrainer in seinem Staff gehabt hätte. Salihamidzic war der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Hoeneß und Rummenigge, und genau da ist momentan auch das größte Problem der Bayern. Solange der Mahtkampf zwischen Hoeneß und Rummenigge nicht entschieden bzw. beendet wird, kann auch kein Umbruch stattfinden.
kaltmamsell 28.09.2017
3. Wie gut spricht er - oder vielmehr sein Nachfolger?
Das ist kein KO-Kriterium. Es stellt sich nur die Frage, wie der definitiv nach Sagnol verpflichtete Trainer kommuniziert. Für den ganz banalen Fernsehzuschauer. Trappatoni ist da in Vorleistung gegangen und hat gleich zwei geflügelte Worte geprägt: "Was erlauben Struntz?" und "Flasche leer". Diese Ausdrücke kennt jeder Deutsche heute noch - und verwendet sie gern. Alle wissen, was damit gemeint ist. Auftritt Guardiola: Eleganz war seine Mission, im Spiel, in seiner persönlichen Optik, als Anzugträger der ganz schlanken Art. Dadurch wirkt praktisch jeder normal gewichtige Nachfolger als fülliger Funktionär. Was er mit dem Bayern-Doc hatte oder gegen diesen, weiß ich nicht. Aber eines kann ich in aller Ahnungslosigkeit bezeugen: Guardiolas gesprochene Ausführungen, im Rahmen von Medienauftritten, waren schon sehr interpretations- und -übersetzungsbedürftig. Grusel. Ich persönlich freue mich auf den nächsten sprachfremden Ausländer, der aber mit Intelligenz, Verve und Geschick die Kommunikationskurve nimmt. Egal wie, da muss was rüber kommen, sonst wird's fad.
rösti 28.09.2017
4. ja
Fünf faule Eier im Nest....Beleidigte Leberwürste und Aniti Profis brachten den Trainer zu Fall! Jeder Profi will Spielen aber einem Weltklasse Trainer so in die Suppe zu Spucken pfuiii, keine Profi Einstellung. Einen Trainer der Formchwäche oder Alterschwäche Spieler nicht aufstellt macht nur seine Arbeit--Müller Schwach, Arian Robben zu alt, Rybary genauso und da ist noch die Diva die beleidigt ist, das er nicht Schützenkönig geworden ist! Faule Äpfel versauen die ganze Mannschaft.....diese Spieler nimmt kein Weltklasse Verein mehr, dafür ist der Ruf des Trainer viel zu Gut
gibmichdiekirsche 28.09.2017
5.
Ich weiss nicht, ob es nun der 4., 5. oder 6. Artikel mit Forum zum Ancelotti-Rauswurf ist. Aber soo wichtig ist das ja nun auch nicht, dass SPON mehr darüber bringt als "Kicker" und "Bild" zusammen. Zu Sagnol fällt mir nur ein, dass ich ihn als sympathischen Spieler geschätzt und als guten Kicker geachtet habe. Von Außen betrachtet kann ich mir schwer vorstellen, dass er mehr als eine Interimslösung darstellen wird. Ebenso schwer scheint mir vorstellbar, dass ein renommierter Trainer zu diesem Zeitpunkt einsteigen möchte. Klopp hat das zwar beim LFC getan, aber auch unter der Prämisse, dass man von ihm dort in der laufenden Saison nicht unbedingt Titel erwartete. Das dürfte in München anders sein. Naja, sollen sie machen, was sie wollen. Mein Bauchgefühl sagt "Tuchel". Und dazu atme ich als BVBorusse nochmal erleichtert auf, dass das immerhin eine Option ist. Sportlich mag es passen, den Rest wird man dann in Mainz und Dortmund interessiert beobachten. Nach all dem medialen Hickhack der letzten Monate beim BVB gönne ich den Münchner diese kontraproduktive "Hollywood"-Unruhe nicht und werde deshalb auch - anders als manche Bayernforisten umgekehrt -, diese Entwicklungen weder schadenfroh auf die Schippe nehmen noch süffisant durch den Kakao ziehen. Denn entscheidend ist nun mal auf'm Platz.
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