Zu Gast bei Paris Saint-Germain Bayern, der Außenseiter

Die zuletzt stolpernden Bayern treffen in Paris auf eine der teuersten Mannschaften der Welt. Besonders in der Pflicht: die Abwehr des Rekordmeisters, der Erfahrung und Spielpraxis fehlt.

Aus Paris berichtet Christoph Leischwitz


In einer Lounge des Prinzenpark-Stadions steht ein Kickertisch, an dem Besucher kostenlos spielen können. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Figuren den Stars der Mannschaft originalgetreu nachgebildet sind. Allerdings ist der Tisch nicht auf dem neuesten Stand, denn im Sturm steht immer noch: Zlatan Ibrahimovic, der 2016 zu Manchester United wechselte.

Mit dem schwedischen Stürmer wird die Abwehr des FC Bayern München am Mittwochabend (20.45 Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky und ZDF) nicht konfrontiert werden. Aber der Angriff von Champions-League-Gruppengegner Paris Saint-Germain ist bekanntlich nicht schlechter geworden.

Die Spieler, die die katarischen Investoren für die echte Mannschaft verpflichtet haben und mit denen sie die Champions League gewinnen wollen, gehören zu den teuersten der Welt. Es ist eine Mannschaft, in der nicht einmal Julian Draxler, im Januar 2017 für 40 Millionen Euro nach Paris gewechselt, einen Platz zu haben scheint. Draxler hat in der aktuellen Saison erst ein Pflichtspiel über 90 Minuten absolviert.

Bis zum Remis gegen Wolfsburg hatte Bayerns Offensive die Schlagzeilen bestimmt: Robert Lewandowski soll mit den Mitspielern fremdeln, Franck Ribéry reagierte unwirsch auf eine Auswechslung, Thomas Müller hatte zwischenzeitlich wenig Verständnis für Trainer Carlo Ancelottis Personalentscheidungen gezeigt.

Wie besetzt Ancelotti die Viererkette?

Doch wenn die Bayern in Paris tatsächlich eine Chance haben wollen, dann muss die Abwehr ihren ersten Härtetest der Saison bestehen. Rechtsverteidiger Joshua Kimmich wird aller Voraussicht nach der direkte Gegenspieler von 220-Millionen-Transfer Neymar sein. In der Mitte könnte neben Mats Hummels Jérôme Boateng spielen, der nach Verletzungspause allerdings noch nicht viel Spielpraxis sammelte, noch weniger David Alaba, der gerade rechtzeitig gesund geworden ist.

Alaba könnte auf der linken Seite auf Supertalent Kylian Mbappé treffen, sollte Ancelotti dieses Risiko scheuen, stünde Rafinha bereit. Niklas Süle, denkbarer Boateng-Vertreter, hat noch kein Spiel auf der ganz großen Bühne absolviert. Und im Tor steht Sven Ulreich, der am vergangenen Wochenende Bayerns Offensive unfreiwillig aus der Schusslinie nahm, als er gegen den VfL Wolfsburg grob patzte. Am Dienstagabend, beim Abschlusstraining im Prinzenpark, bekam er die Übungsflanken von Ersatztorwart Christian Früchtl, 17, zugespielt.

Egal, wer in der Defensive gegen Paris aufläuft und eingewechselt wird, es wird eine Mischung aus wenig Erfahrung und wenig Spielpraxis auf dem Platz stehen.

"Wir müssen ein komplettes Spiel zeigen"

Ist Bayern also Außenseiter? Für eine solche Selbsteinschätzung sind die Münchner dann doch ein wenig zu stolz. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte vor dem Abflug nach Paris, man wolle sich eine gute Ausgangsposition für den Gruppensieg verschaffen. Bayerns französischer Zugang Corentin Tolisso glaubt, die Chancen in dieser Partie stünden bei 50-50.

"Geld schießt keine Tore. Aber Geld kauft Spieler, die verdammt viele Tore schießen", sagte Mats Hummels. Aus rein sportlicher Sicht mache das die Aufgabe in Paris aber "unheimlich attraktiv. Es wird ein kleiner Kampf darum, wer den Ball länger haben darf, wer diesen Ballbesitz besser verwertet. Wir haben viel dafür gearbeitet, taktisch", sagt der Innenverteidiger. Und auch Ancelotti deutet an, dass der Fokus, um die von ihm immer wieder beschworene "Balance" ins Spiel zu bekommen, etwas defensiver ausgerichtet ist als sonst: "Wir müssen ein komplettes Spiel zeigen, das ist das Wichtigste. Und wir müssen auf ihre Konter achten, das ist sehr, sehr wichtig."

Es kommt selten vor, doch diesmal erwarten nur wenige einen Sieg der Bayern. Gegen Ende der Pressekonferenz stellte dann ein Journalist eine sehr provokante Frage an jenen Trainer, der schon drei Mal die Champions League gewonnen hat: Ob er Angst habe, seinen Job zu verlieren, wenn er in Paris verliert. Nach einem kleinen verbalen Schlagabtausch antwortete der Italiener: "Es ist ein wichtiges Spiel, aber kein entscheidendes, und es ist noch früh in der Saison."

Einen Hinweis auf den weiteren Saisonverlauf wird das Spiel trotzdem geben.



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
ge1234 27.09.2017
1. Falsch!
Zitat: "Es kommt selten vor, doch diesmal erwarten nur wenige einen Sieg der Bayern" Nur die, die sowieso wenig Ahnung von diesem Spiel haben und sich nur von Millionenablösen blenden lassen. Die Wahrheit ist, dass PSG bis dato noch überhaupt nichts gerissen hat, sieht man mal von der nicht besonders starken französischen Ligue 1 ab. Und so stark die Offensivreihe sich auch anhört, so schwach ist die Abwehr! Erst wenn PSG den gleichen Betrag, den sie in die Offensive investiert haben, auch in die Defensive stecken, werden sie zu einem ernsthaften Titelaspiranten. Bis dahin gibt's heute abend und im Rückspiel eine Niederlage für die Franzosen und spätesten im Achtel-/Viertelfinale ist Schluß in der CL!
Attila2009 27.09.2017
2.
Zitat von ge1234Zitat: "Es kommt selten vor, doch diesmal erwarten nur wenige einen Sieg der Bayern" Nur die, die sowieso wenig Ahnung von diesem Spiel haben und sich nur von Millionenablösen blenden lassen. Die Wahrheit ist, dass PSG bis dato noch überhaupt nichts gerissen hat, sieht man mal von der nicht besonders starken französischen Ligue 1 ab. Und so stark die Offensivreihe sich auch anhört, so schwach ist die Abwehr! Erst wenn PSG den gleichen Betrag, den sie in die Offensive investiert haben, auch in die Defensive stecken, werden sie zu einem ernsthaften Titelaspiranten. Bis dahin gibt's heute abend und im Rückspiel eine Niederlage für die Franzosen und spätesten im Achtel-/Viertelfinale ist Schluß in der CL!
Nun ja, die Münchner Defensive ist auch nicht gerade die stärkste wenn man schon gegen Wolfsburg zwei Buden kassiert. Bei solchen Spielen spielt wie immer das Glück eine Rolle.Ein Sonntagsschuß und ein Handelfmeter "kann man geben " und schon läuft es . Nur Mut !
bausa 27.09.2017
3. Die Messlatte liegt hoch
und wenn es eine Niederlage für Bayern gibt dann sollte sich Ancelotti schon mal umsehen.Kein Konzept,kei e Moral,keine Spielfreude.Selten standen so lustlose Bayern auf dem Platz wie untet Ancelotti. Sollte die Niederlage hoch ausfallen 4 oder5 zu Null sollte er freiwilig gehen.
merkel123 27.09.2017
4. @3
sollte er freiwilig gehen...Na , da schauen Sie mal in seine Biografie - bei den grossen Klubs ist er regelmaessig gegangen worden, einmal kam es zur einvernehmlichen Vertragsaufloesung, 3x zum Rauswurf. Fuer die Spannung in der Bundesliga waere es freilich besser, wenn er bis Saisonende bliebe, dann wuerde Bayern vielleicht nicht Meister:-) Und wenn Ulreich in Normalform spielt - also wie gegen Wolfsburg - kann es durchaus schmerzhaft werden, 4.1 oder mehr...
doppelnass 27.09.2017
5.
Na, das passt dann doch. Es geht nicht um Spielfreude, Taktik, Trainer, Defensive oder Offensive etc. es geht um Kohle. Da Bayern nie und nimmer mit PSG mithalten kann, sind sie nun nicht der Favorit. Investiert Bayern viel Geld, sind sie die Bösen. Investiert ein anderer Club wie PSG abartig hohe Summen, sind die Bayern die Dummen. So what?
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